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Radiant Space-X-Ingenieure entwickeln Atomkraftwerk im Mini-Format

Das Kraftwerk kann auch mit einem Lkw bewget werden.
Das Kraftwerk kann auch mit einem Lkw bewget werden.
© Radiant / PR
Doug Bernauer sollte einen Reaktor für Elon Musks Marskolonie entwerfen, nun baut er ihn für die Erde. Der Mikroreaktor soll abgelegene Dörfer und Basen mit Strom versorgen.

Es sollte eigentlich Energie für Marskolonien bringen: Eine Gruppe von ehemaligen Space-X-Ingenieuren entwickelt die "weltweit erste mobile, emissionsfreie Energiequelle". Einen Kernreaktor, der Strom in entlegene Gebiete bringen kann und schnell installiert werden kann. Mobile Reaktoren sind seit einigen Jahren in Gespräch. Die Seaborg Technologies aus Dänemark (Dänischer Mini-Reaktor will Atomunfälle beherrschbar machen) will so etwas entwickeln, der russische Atomgigant Rosatom hat sogar ein schwimmendes Kraftwerk in Betrieb und will weitere bauen. Rosatom nutzt dazu die Reaktortechnologie, wie sich auch in atombetriebenen Schiffen und U-Booten benutzt wird. Dieser Reaktor wird auf eine schwimmende Plattform gebaut und kann überall an größeren Flüssen oder an der Küste festmachen und Strom liefern. Der Reaktor von Rosatom, die Akademik Lomonossow, ist relativ groß, in ihm findet nicht nur zwei Reaktoren Platz, sondern auch das zugehörige Kraftwerk, das aus der Energie der Kernspaltung erst Strom macht.

Kleinstes Atomkraftwerk der Welt

Das Start-up Radiant strebt eine wesentlich kleinere Lösung an. Der Mikroreaktor hat eine Leistung von mehr als einem Megawatt, was ausreichen soll, um etwa 1000 Haushalte mit Strom zu versorgen. Die Akademik Lomonossow hat hingegen mit Reaktoren mit jeweils 70 Megawatt.

Doug Bernauer, Gründer und CEO von Radiant, hat zuvor daran gearbeitet, so einen Reaktor im Auftrag von Space-X für eine Marskolonie zu entwickeln. Doch mit der Besiedelung des Mars wird es noch dauern, eine mobile Energiequelle wird auch auf der Erde gebraucht. Der Mikroreaktor inklusive der der Stromerzeugungsanlage ist so klein, dass er mit dem Lkw, per Flugzeug oder mit dem Hubschrauber bewegt werden kann. So kann er auch an abgelegenen Orten eingesetzt werden und soll dann vier Jahre lang praktisch wartungsfrei Strom liefern.

"Viele der Mikroreaktoren, die entwickelt werden, sind ortsgebunden. Noch hat niemand so ein System, also gibt es eine Art Wettlauf, wer der Erste ist", so Bernauer.

Ersatz für Dieselgeneratoren

Tatsächlich ist dieser Reaktor sehr klein konzipiert. Andere Modelle wie der chinesische Schmelzsalzreaktor (China baut den ersten Thorium-Reaktor) sehen einen mobilen Reaktor vor, der aber mehr Energie liefert, doch vor Ort mit einem Kraftwerk zur Stromerzeugung verbunden werden soll. Radiant entwickelt hingegen Out-Of-The-Box-System, das nur aufgestellt werden muss. Und dann kann die Stromleitung quasi einstöpselt werden.

"In einigen Gebieten der Welt ist die Abhängigkeit von Dieselkraftstoff nicht tragbar, und Solar- und Windenergie sind entweder nicht verfügbar oder unpraktisch", sagte Jess Gehin, leitender Wissenschaftler des Nuclear Science & Technology Directorate am Idaho National Laboratory, zu der Entwicklung. "Saubere, sichere nukleare Mikroreaktoren sind die beste Alternative für diese Umgebungen." In diesem Labor werden die Prototypen der Mikroreaktortechnologie getestet.

Nur ein Nischenmarkt 

Der Mikroreaktor von Radiant zielt zunächst auf einen Nischenmarkt, nämlich abgelegene Siedlungen, Forschungsstationen und Militärlager, die derzeit ihren Strombedarf mit Dieselgeneratoren decken. Darüber hinaus sind weitere Anwendungen denkbar, die Schifffahrt und Baustellen wären zu nennen. Das Militär wird zwar nicht genannt, dürfte aber der größte Interessent sein. Die US-Army hat ohnehin einen großen Bedarf an mobiler Stromerzeugung. Ein Bedarf, der sich mit der Einführung von Laserwaffen weiter steigern wird.

Atomkraftgegner wird die Flut der Entwicklungen von Klein- und Kleinstreaktoren dagegen Sorgen bereiten. Die Zahl der Atomkraftwerke wird sich weltweit vervielfachen, wenn diese Entwicklungen gebaut werden. Neben einer sicheren Technik liegt der große Vorteil der Kleinreaktoren gegenüber den heutigen Modellen in der Transportfähigkeit. Der eigentliche Reaktor wird nicht auf einer Baustelle, sondern in einer Fabrik in Serie unter Reinraumbedingungen gebaut. Für große Revisionen und der Rückbau wird dann das Modul dorthin wieder zurückgebracht. So können alle Arbeiten an dem Reaktor unter optimalen Bedingungen stattfinden.

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