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Stapellauf: Khabarovsk – erstes U-Boot für den Weltuntergangstorpedo Poseidon

Russland hat einen 24 Meter langen Torpedo entwickelt, der atomar bewaffnet und angetrieben ist. In den nächsten Wochen soll das erste U-Boot vom Stapel laufen, das eigens für diese Waffe konstruiert wurde.

Im Ende 2019 lief das gigantische Mehrzweck -U-Boot "Belgorod" vom Stapel. Auch dieses Boot soll den Poseidon tragen können. Fotos von Khabarovsk gibt es noch nicht.

Im Ende 2019 lief das gigantische Mehrzweck -U-Boot "Belgorod" vom Stapel. Auch dieses Boot soll den Poseidon tragen können. Fotos von Khabarovsk gibt es noch nicht.

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In den nächsten Wochen soll Russland erstmals einen neuen U-Boot-Typ zu Wasser lassen. Die Khabarovsk ist eine vollkommen neuartige Unterwasserwaffe, die es so in keinem anderen Land gibt. Den Unterschied macht die Bewaffnung. Die U-Boote der Großmächte fallen bisher in zwei Klassen: Angriffs-U-Boote und strategische U-Boote. Hauptaufgabe von Angriffs-U-Booten ist es, gegnerische Schiffe und U-Boote aufzuspüren, zu jagen und zu vernichten. Strategische U-Boote transportieren weitreichende Raketen, die atomar bewaffnet sein können. Ihre Aufgabe ist es, diese Waffen zu schützen - sich also nicht aufspüren und jagen zu lassen.

Die neue Khabarovsk - "Projekt 08951" - hingegen trägt keine ballistischen Raketen, sondern wird mit dem Super-Torpedo Poseidon, auch bekannt als "Status-6", bestückt. Am ehesten kann man den Poseidon als Unterwasser-Drohne bezeichnen. Anders als die bisherigen Raketen der U-Bootwaffe taucht der Poseidon nicht auf, sondern erreicht sein Ziel unter Wasser. Da die Unterwasserdrohne auch atomar angetrieben wird, könnte die Reichweite im Prinzip unendlich sein. Der Poseidon ist etwa 20 Mal so groß wie herkömmliche Torpedos, er kann also nur von Booten, die speziell für diese Aufgabe konstruiert wurden, transportiert und eingesetzt werden.

Ein Besatzungsmitglied der "USS Hartford" manövriert das U-Boot kurz nachdem es das Eis durchbrochen hat

Doomsday-Waffe

Für den Westen ergibt sich ein weiteres Problem: Anders als ein Raketenstart bleibt der Einsatz des Poseidon unbemerkt, verborgen kann er in der Tiefe sein Ziel erreichen. Je nachdem wie die Waffe bestückt wird, könnte er unmittelbar vor der Küste eine Rakete starten, die aus dem Meer auftaucht und fliegend die letzte Strecke zurücklegt. Denkbar ist aber auch der Einsatz als Tsunami-Waffe, etwa wenn eine Wasserstoffbombe am Meeresboden vor der US-Küste gezündet wird. US-Experten befürchten, dass so die komplette Küstenlinie bis weit ins Inland hinein zerstört werden könnte.

Gedacht ist das Ganze als Doomsday-Waffe. Der Poseidon ist nicht für einen überraschenden Erstschlag konzipiert, es ist eine Zweit-Schlagwaffe, die einen Gegner auch noch dann erreicht, wenn er das russische Festland mit einem Atomschlag verwüstet hat.

Der Poseidon ist ein Game-Changer der maritimen Kriegsführung und die Khabarovsk das erste Boot, das für seinen Einsatz designt wurde. Der U-Boot-Experte H I Sutton geht davon aus, dass die Khabarovsk "das prägende U-Boot der 2020er Jahre sein, weil es einen neuartigen und schwierigen Gegner darstellt". Die Khabarovsk wird Elemente der Borei-Klasse teilen, etwa den extrem leisen Antrieb. Sie soll etwa 120 Meter lang sein und bis zu 16 Meter Durchmesser haben – das sind 40 Meter weniger als die größere Borei-Klasse. Torpedo und Boot sollen etwa im Jahr 2025 einsatzbereit sein. Sutton nimmt nicht an, dass der Westen alsbald ähnliche U-Boote bauen wird. Er schreibt aber, dass große Anstrengungen unternommen werden, um Russlands neues U-Boot aufspüren und ausschalten zu können.

Kavitationsblase oder nicht?

Umstritten ist, wie schnell der Poseidon sein kann. Im für den Westen schlechteren Fall bewegt er sich in einer Kavitationsblase, die den Wasserstand erheblich herabsetzt. Dann sind Geschwindigkeiten von über 200 km/h denkbar. Die tatsächlich erreichte Geschwindigkeit der Waffe würde allein davon abhängen, wie gut die Russen die Kavitationstechnik beherrschen. Theoretisch würde eine stabile Blase Geschwindigkeiten wie bei einem Militärjet möglich machen.

Westliche Experten sind allerdings skeptisch. Sie bezweifeln, dass sich der Torpedo so schnell bewegt, sie gehen von "normalen" Geschwindigkeiten von 50 bis 60 Knoten aus – das entspricht 100 bis 120 km/h. Sie glauben aber, dass die Tauchtiefe der Drohne bei 1000 Meter liegt. Damit wäre sie für westliche U-Boote unerreichbar. US-Angriffs-U-Boote operieren bis zu 240 Meter tief und erreichen eine Geschwindigkeit von bis zu 30 Knoten. Selbst wenn die Kommandanten die offizielle Tauchtiefe ignorieren, kämen sie nie auch nur in die Nähe des Poseidon. Durch seine höhere Geschwindigkeit könnten sie ihn ohnehin nicht stellen.


Quellen: Navy Recognition, Sutton

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