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Mobiltelefon-Hersteller in der Krise Nokia legt neue Negativ-Bilanz vor


Der Umbau des einstigen Handy-Marktführer Nokia läuft weiter zäh. Wieder gab es tiefrote Zahlen, der Absatz des Smartphone- Hoffnungsträgers Lumia ging zurück. Hoffnungsträger ist das neue Lumia 920.

Der finnische Handy-Riese Nokia hat im vergangenen Quartal wieder einen hohen Verlust eingefahren. Der Fehlbetrag erreichte 969 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Seit Jahresbeginn addierten sich die Verluste damit auf 3,3 Milliarden Euro.

Der Quartalsumsatz brach im Jahresvergleich um fast ein Fünftel auf 7,24 Milliarden Euro ein. Beim Absatz seiner Lumia-Smartphones erlitt Nokia einen Rückschlag: Die Verkäufe sanken im Quartalsvergleich von 4 auf 2,9 Millionen Geräte. Demnächst sollen neue Modelle mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows Phone 8 auf den Markt kommen. Mit ihnen verbindet Nokia die Hoffnung, wieder Anschluss im Smartphone-Markt an Rivalen wie Apple und Samsung zu finden.

Zugleich konnte Nokia den Handy-Absatz im Quartalsvergleich um vier Prozent auf 76,6 Millionen Geräte steigern. Im Vergleich zum Vorjahresquartal bedeutete das allerdings einen satten Rückgang von 15 Prozent. Der Netzwerkausrüster Nokia Siemens Networks (NSN), der die Bilanz in den vergangenen Quartalen mit hohen Sanierungskosten schwer belastet hat, steuerte diesmal einen operativen Gewinn von 182 Millionen Euro bei.

Samsung verdrängt Nokia vom Handy-Thron

Insgesamt wurde Nokia im dritten Quartal knapp 83 Millionen Smartphones und einfache Handys los. Das war ein Einbruch von 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und immerhin nur ein dünnes Minus um ein Prozent gegenüber dem zweiten Vierteljahr. Der Durchschnittspreis der verkauften Geräte sinkt allerdings kontinuierlich, auf zuletzt 43 Euro statt 51 Euro vor einem Jahr und 48 Euro noch im vergangenen Quartal. Als Erfolg wertete Nokia den Start seiner "Billig-Smartphones" der Asha-Serie mit 6,5 Millionen verkauften Geräten. Solche Touchscreen-Geräte, die an der Schwelle zwischen einfachen Handys und Smartphones balancieren, sieht Elop als Schlüsselelement, um "die nächste Milliarde Menschen ins Internet zu bringen".

Insgesamt konnte Nokia den Absatz einfacher Handys im Quartalsvergleich um vier Prozent auf 76,6 Millionen Geräte steigern. Gemessen am zum Vorjahresquartal bedeutete das allerdings einen satten Rückgang von 15 Prozent.

Nokia hatte bei Smartphones zu lange auf seine betagte Symbian-Software gesetzt und war in den vergangenen Jahren von Apple mit seinem iPhone und Geräten mit dem Google-Betriebssystem Android abgehängt worden. Anfang 2011 setzte Nokia vor allem auf Microsofts Windows Phone als Smartphone-Plattform. Die vor einem Jahr erschienenen Computer-Handys der Lumia-Reihe konnten jedoch bisher nicht mit dem Absatz der Konkurrenz mithalten. In diesem Jahr stieß Samsung den finnischen Konzern nach mehr als einem Jahrzehnt vom Thron des weltgrößten Handy-Herstellers.

Nokia-Ratings auf Ramsch-Niveau

Die Schwäche bei Smartphones ist für Nokia ein großes Problem, denn die teureren Geräte sind nicht nur ein deutlich lukrativeres Geschäft, sondern verdrängen auch zunehmend die einfachen Handys, bei denen Nokia noch stark ist. Teil der Partnerschaft mit Microsoft sind regelmäßige Zahlungen des Software-Riesen von 250 Millionen Dollar pro Quartal.

Der Netzwerkausrüster Nokia Siemens Networks (NSN), der die Bilanz in den vergangenen Quartalen mit hohen Sanierungskosten schwer belastet hatte, steuerte diesmal einen operativen Gewinn von 182 Millionen Euro bei. Das wurde am Markt als Auslöser für das Kursplus der Aktie gesehen, die nach Vorlage der Quartalszahlen um über vier Prozent auf zeitweise 2,30 Euro zulegte. Sie entfernte sich damit weiter von ihren Tiefständen bei nur 1,60 Euro, noch vor einem Jahr war sie aber mehr als doppelt so viel wert.

Die Bargeldreserven fielen binnen drei Monaten um 15 Prozent auf 3,56 Milliarden Euro. Internationale Agenturen hatten die Nokia-Ratings in den vergangenen Monaten auf Ramsch-Niveau abgestuft. Der Konzern hat sich ein rigides Sparprogramm verordnet und erwägt dabei auch, sein Hauptquartier in Finnland zu verkaufen und zurückzumieten.

amt/DPA DPA

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