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Nach Wikileaks-Enthüllung Galileo-Bauer OHB-System entlässt Vorstandschef


Bislang hatten die Enthüllungen von Wikileaks wenig personelle Konsequenzen. Jetzt hat eine Enthüllung, die wenig Aufmerksamkeit bekam, Folgen. Der Bremer Satellitenbauer OHB-Systems entlässt seinen Vorstandsvorsitzenden Berry Smutny. Er soll über das hauseigene Navigationssystem Galileo gelästert haben.

Der Aufsichtsrat des Bremer Satellitenbauers OHB-System hat den Vorstandsvorsitzenden Berry Smutny mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben freigestellt. Wie die Tochter von OHB Technology am Montagabend mitteilte, reagierte sie mit der Absetzung des Vorstandschefs auf Berichte, wonach sich Smutny negativ über das europäische satellitengestützte Navigationssystem Galileo geäußert haben soll.

Nach Dokumenten der Enthüllungsplattform Wikileaks, die kürzlich von der norwegischen Zeitung Aftenposten veröffentlicht wurden, soll sich Smutny 2009 mit US-Diplomaten in Berlin getroffen und "Galileo" als "dumme Idee" bezeichnet haben. Dadurch würden Steuergelder verschwendet. OHB bewarb sich damals um Aufträge für das europäische Projekt. Anfang 2010 erhielten die Bremer den Zuschlag für den Bau von 14 Satelliten und stachen den größeren, deutschen Konkurrenten EADS-Astrium aus.

Smutny bestreitet Äußerung

Nach den WikiLeaks-Veröffentlichungen bestritt Smutny in einer eidesstattlichen Erklärung die Äußerungen. "Ich habe keine Erkenntnisse, diese Erklärung infrage zu stellen", erklärte daraufhin der Aufsichtsratsvorsitzende von OHB-System, Manfred Fuchs. Am Montagabend gab die Firma jedoch Smutnys Absetzung bekannt. Zuvor hatte die Hauptversammlung ihm das Vertrauen entzogen, wie ein Firmensprecher mitteilte. Mit der Trennung nach 18 Monaten Amtszeit solle weiterer Schaden für das Unternehmen abgewendet werden. Seine Amtsgeschäfte würden bis auf weiteres vom Vorstandschef der Muttergesellschaft OHB-Technology, Marco Fuchs, mit übernommen.

swd/Reuters Reuters

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