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Sturmgewehre: AR-15 - So mörderisch ist die Lieblingswaffe der Amerikaner

Gebaut wurde sie für den Vietnamkrieg, nun ist sie die beliebteste Waffe in den USA. Ihre Treffer pulversieren die Opfer geradezu.

Eine individuell zusammengestellte "custom made" Ar-15

Eine individuell zusammengestellte "custom made" Ar-15

Nun ist sie die beliebteste Waffe in den USA, doch der Start der AR-15 verlief unspektakulär. Die Waffe wurde in den 50er Jahren entwickelt, für die Bedürfnisse der modernen Kriegsführung. Die Anforderungen glichen denen, die bereits zuvor zur Entwicklung des deutschen Sturmgewehrs 44 und des russischen Automat  Kalaschnikow geführt hatten. Viel Munition und hohe Schussfolge zählten mehr als Präzision und Reichweite. Aus der AR-15 wurde dann das damalige Standardgewehr der US-Truppen im Vietnamkrieg, die M16, entwickelt.

In den zivilen Bereich kam die Waffe erst sehr viel später. Als der ursprüngliche Patentschutz auslief, begannen mehrere Firmen billig Nachbauten und Varianten herzustellen. Die Waffengesetze in den USA führten dazu, dass die zivilen Modelle keine echten Vollautomaten mehr waren, jeder Schuss musste mit einem Fingertippen ausgelöst werden.  Aber auch damit lässt sich eine hohe Schussfolge erzielen, wie zahllose Anschläge beweisen. Das stört die Waffenfans in den USA nicht. Im Gegenteil, sie fasziniert die AR-15 gerade wegen der direkten Abstammung vom Militärgewehr M16 – so wie jede Kalaschnikow vom Ruhm der AK-47 zehrt.

Hinzu kommt die Kombination von geringem Gewicht und der ungeheuren Zerstörungskraft. Im Gegensatz zu einem Gewehr ist die AR-15 handlich genug, um auch in Häusern und Räumen benutzt zu werden. Im Vergleich zu einem klassischen Revolver oder einer Pistole verfügt die AR-15 über eine weit größere effektive Reichweite, eine hohe Kadenz und ihre Munition ist schon in der Standardausführung besonders zerstörerisch.

Dafür sorgen Besonderheiten der Munition. Im Vergleich zu ältere Sturmgewehren hat diese Generation ein wesentlich kleineres Kaliber – nämlich 5,56x45mm. Der Vorteil für das Militär lag in der Gewichtsersparnis. Ein Infanterist kann wesentlich mehr Munition mit sich führen, zudem erhöhte sich die Kapazität der Magazine.

Doch die kleinere Masse der Geschosse führte auch dazu, dass ihre kinetische Energie gering war. Um ausreichend präzise schießen zu können, eine gewünschte Durchschlagskraft zu erhalten, und die erwünschte Reichweite zu erzielen wurde die Mündungsgeschwindigkeit der Kugel enorm gesteigert. Ein vom Militär durchaus gewünschter Nebeneffekt war die verheerende Wirkung eines Treffers auf einen Menschen.

Im Bereich von Straftaten ergibt sich ein erschreckendes Bild. Überfälle werden auch in den USA nicht von Jagdgewehren mit einem großen Kaliber oder gar mit weitreichenden Sniper-Gewehren verübt, sondern mit Pistolen. Hier ist die Munition der Stumgewehre meist deutlich schwerer – dazu kommt die etwa drei Mal höhere Mündungsgeschwindigkeit. Diese enorme kinetische Energie bleibt im Körper.

Ein Hochgeschwindigkeitsgeschoss durchschlägt den Körper, aber es entfaltet rund um den Geschosskanal eine zerstörerische Wirkung. Dr. Martin Schreiber, Oregon Health & Science University, sagte der "New York Times": "Du siehst, dass mehrere Organe zerschmettert werden. Die Austrittswunden können einen Fuß breit sein." 

Versuche der Regierung, diese Art von Waffen zurückzudrängen, hatten keinen großen Erfolg. Nach den 9/11-Anschlägen wurde die AR-15 zum Standard. "De-facto ist das heute unsere Standardwaffe", sagte Evan Daire, Mitarbeiter einer Shooting-Anlage, dem Sender NBC. "Ganz egal, was du vorhast, die AR-15 geht für alles." 

So wie Tempo für Taschentücher steht der Name AR-15 im US-Alltag inzwischen für eine ganze Gattung von Sturmgewehren - die sich in den Details unterscheiden, im Konzept aber alle ähnlich sind. Inzwischen ist jede fünfte verkaufte Waffe in den  USA ein Sturmgewehr.


Kra