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Panzerfaust Carl Gustav T-90M Proryv – ein Werfer aus dem Zweiten Weltkrieg soll Putins besten Panzer abgeschossen haben

Der t90M geht in einem Feuerball auf.
Der t90M geht in einem Feuerball auf.
© Defence of Ukraine/Twitter / PR
Das ukrainische Verteidigungsministerium feiert den Abschuss eines T90M – er soll von einem tragbaren Carl-Gustav-Werfer abgeschossen worden sein. Ausgerechnet schwedische Experten bezweifeln diesen Erfolg.

In den letzten Jahren wurde viel über den revolutionären Kampfpanzer T-14 Armata berichtet. Doch nach wie vor ist dieser Panzer nicht wirklich einsatzfähig. Der modernste russische Kampfpanzer in der Ukraine ist der T-90M Proryv – von Moskau als fast unbesiegbar gefeiert (Putins neuer alter Kampfpanzer T-90M Proryv-3)

Der Mythos hat gehörig Schaden genommen. Auf Twitter dankte das ukrainische Verteidigungsministerium dem schwedischen Volk für die erfolgte Waffenhilfe und zeigte einen Clip. Auf ihm soll zu sehen sein, wie ein T-90 M von einer schwedischen Panzerfaust getroffen wird und in einem Feuerball aufgeht. Das Besondere dabei: Der Carl-Gustav-Werfer ist keineswegs eine moderne Anti-Panzer-Lenkwaffe wie Javelin und Co. Er geht auf eine Konstruktion aus den 1940er-Jahren hinweg. Carl-Gustav ist eine Weiterentwicklung von Waffen wie Bazooka und Panzerschreck.

Das Raketengeschoss hat eine geringe Reichweite und muss direkt auf den Panzer abgeschossen werden, es kann nicht selbstständig sein Ziel verfolgen. Aus Deutschland erhielt die Ukraine mit der Panzerfaust 3 ein ähnliches System. Im Vergleich zu den Waffen aus dem Zweiten Weltkrieg wurde der Gefechtskopf allerdings deutlich weiterentwickelt. Heute ist eine zweistufige Ladung möglich, damit sollen speziellen Panzerungen durchbrochen werden, die die speziellen HEAT-Ladungen solcher Raketen sonst absprengen werden.

Schwierig, aber nicht unmöglich

Doch bestehen bleibt: Der modernste Panzer wurde von einer vergleichsweise urtümlichen und billigen Waffe abgeschossen, wenn die Darstellung aus der Ukraine stimmt. Unmöglich ist das nicht. Die Tandem-Ladung des Carl Gustav M4 kann die Frontpanzerung des T-90 nicht durchschlagen. Doch die Seiten sind verwundbar. Hier kommt hinzu, dass es so aussieht, als wäre dem Schützen ein echter Glückstreffer gelungen. So weit man es von dem Video beurteilen kann, wurde der Panzer an der rechten Seite im Laufwerk getroffen – dort landete der Einschlag zwischen den Rädern.

Derzeit gibt es viel Häme über die Performance der russischen Panzer. Aber auch hier wäre die Einsatztaktik und nicht die Technik das Problem. Der Panzer stand in einem unübersichtlichen bewaldeten Gelände als Zielscheibe, ohne dass das Umfeld von Infanterie gesichert wurde. Gelingt es einem gegnerischen Schützen, in dem Dickicht in eine günstige Position zu kommen, ist ein Abschuss fast unvermeidlich. Ein Treffer im Laufwerk auf kurze Distanz würde vermutlich bei einem Leopard-Panzer genauso durchgehen.

Panzerfaust Carl Gustav: T-90M Proryv – ein Werfer aus dem Zweiten Weltkrieg soll Putins besten Panzer abgeschossen haben

Experten zweifeln

Ausgerechnet in Schweden regt sich allerdings Widerspruch zur Kiewer Darstellung. Rein Pella, Instrukteur an der Abteilung für Verteidigungssysteme der schwedischen Nationalverteidigungsschule, hält den Einschlag für zu stark, um von einem Granatwerfer verursacht worden zu sein.

Im Prinzip sei ein glücklicher Treffer möglich, so der schwedische Experte. Bei einer anderen Einstellung des Videomaterials sei aber zu sehen, wie ein anderen T-90 auf den ersten Panzer schießt. "Jeder in dieser Einheit weiß, dass der T90-Panzer der modernste in der Ukraine ist. Sie haben Verhaltensregeln bekommen, dass das Material auf keinen Fall in die Hände des Feindes gelangen dürfe", so Rein Pella zur schwedischen Zeitung "Expressen." Putin hat nach seiner Einschätzung einen Panzer verloren, der aber primär nicht abgeschossen wurde, sondern wegen eines unbekannten Defektes liegen geblieben ist und dann von eigenen Kräften zerstört worden ist. Die schöne PR-Geschichte "Putins bester Panzer von WWII-Werfer ausgeschaltet", scheint nicht zu stimmen.

Quelle: Expressen


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