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Zweiter Weltkrieg: Der Büchsenöffner – die Hs 129 sollte der stärkste Panzerknacker des Krieges werden

Im Zweiten Weltkrieg wollten die Deutschen die Panzermassen der Roten Armee mit speziellen Flugzeugen für den Bodenkampf ausschalten. In die Hs 129 wurde für diesen Zweck eine gigantische Panzerkanone eingebaut.

Die Henschel Hs 129: Auffällig ist der dreieckige Querschnitt des Rumpfes

Die Henschel Hs 129: Auffällig ist der dreieckige Querschnitt des Rumpfes

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Die Henschel Hs 129 sollte eigentlich der gefährlichste Panzerknacker des Zweiten Weltkriegs werden und einiges sprach zunächst dafür. Wichtig für den Angriff auf Bodenziele war der Schutz des Flugzeugs gegen Beschuss von leichter Flak und Maschinengewehren. Die Maschine hatte, anders als die Ju 87 Stuka oder die russische IL-2 Sturmovik, zwei Motoren, sodass sie nach dem Ausfall eines Triebwerks hätte weiterfliegen können. Vom russischen Modell wurde das Konzept übernommen, die Besatzung in eine Art Metallwanne aus Panzerplatten zu setzen, damit die Soldaten vom Sperrfeuer nicht verletzt werden konnten.

Und überdies besaß die Hs 129 die mächtigste Kanone, die im Zweiten Weltkrieg in ein Flugzeug eingebaut wurde. Die deutschen Stuka waren maximal mit zwei Maschinenkanonen im Kaliber 38 Millimeter bestückt. Damit konnte man die Frontpanzerung eines T-34 nicht durchschlagen. Der Pilot musste im Anflug die Nase seien Flugzeugs dippen oder gleich im Sturzflug angreifen, damit die Geschosse das verwundbare Dach durchschlugen.

Zweiter Weltkieg: Tödlicher als die deutschen Stuka - die Iljuschin IL-2 "Sturmovik"
Ilyushin IL-2 über Berlin 1945.

Ilyushin IL-2 über Berlin 1945.

Der Zweite Weltkrieg und der Traum vom fliegenden Panzer

Die Hs 129 wurde mit einer Vielzahl von Bewaffnungen ausgerüstet, aber erstmals träumte man von einem fliegenden Panzer mit einer entsprechenden Kanone. In einem sogenannten Rüstsatz wurde eine Variante der Kampfwagenkanone 40 eingebaut. Sie verschoss Granaten im Kaliber 75 Millimeter. 26 Granaten führte die Maschine mit sich, sie wurden durch einen Autoloader ins Rohr gebracht. Mit ihrer Feuerkadenz von 40 Schuss in der Minute konnten drei bis vier Granaten bei einem Anflug abgefeuert werden. Im Prinzip hätte die KwK 40 die Frontpanzerung eines T-34 auf 1000 Meter durchschießen können, wenn der Pilot auf diese Entfernung sein Ziel hätte treffen können. Denn er konnte nicht aus der Ruhelage heraus feuern, das musste im Flug geschehen.

Trotz der mächtigen Waffe waren die Erfahrungen mit der Hs 129 eher enttäuschend. Es wurden keine 1000 Stück des Flugzeugtyps gebaut. Das lag vor allem an den schlechten Flugeigenschaften, die Motoren waren schlicht zu schwach für den übergewichtigen Vogel.

Hs 129 im Jahr 1943 im Angriffsflug in der Nähe des Kasserinpass, Tunesien

Hs 129 im Jahr 1943 im Angriffsflug in der Nähe des Kasserinpass, Tunesien

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Die Hs 129 erreichte nur eine Höchstgeschwindigkeit von 400 km/h. Anders als die Ju-87 oder die Sturmovik besaß die Hs 129 keinen Heckschützen zur Abwehr von gegnerischen Jägern oder Schlachtflugzeugen. Ohne Jagdschutz konnte das schwerfällige Flugzeug nicht eingesetzt werden.

Das 75 Millimeter dicke Panzerglas des Flugzeugs behinderte die Sicht des Piloten. Auch waren die französischen Gnôme-Rhône 14M-Motoren des Hs 129 extrem empfindlich gegenüber Staub. Die Triebwerke setzten sich schnell während des Fluges zu. In Afrika verlor eine Staffel mehr Maschinen wegen der Motoren als durch Feindeinwirkung.

Maschine zu schwach für die Bewaffnung

Auch die Idee, die Pak 40L einzusetzen, erwies sich als Fehlschlag. Die Konstruktion der Waffe mir einem Autolader erwies sich als meisterlich, doch es gelang nicht, den starken Rückschlag der mächtigen Kanone zu kompensieren. Als die USA das Erdkampflugzeug A-10 Fairchild-Republic – genannt Warthog – bauten, war den Ingenieuren bewusst, dass die ganze Zelle des Flugzeugs so aufgebaut werden musste, dass sie Rückstoß und Vibrationen der mächtigen 30-mm-Gatling-Maschinenkanone GAU-8/A Avenger aushalten konnte. Die Deutschen montierten einfach eine Wanne mit der Panzerkanone unter das Flugzeug. Das bloße Gewicht von Kanone und Minution brachte die Maschine bereits an ihre Grenze.

Bei Feuer war der Rückstoß so stark, dass das Flugzeug unkontrolliert aus der Bahn geworfen wurde. An eine Schlusssequenz war meist nicht zu denken.

Bei den Piloten war die Hs-129 dennoch beliebt, denn die Maschine war anders als die deutsche Ju-87 sehr resistent gegen gegnerisches Feuer. Bekanntester Pilot war Rudolf-Heinz Ruffe. Ihm werden 80 abgeschossene Panzer zugeschrieben. Trotz der starken Panzerung wurde er abgeschossen. Seine Maschine erlitt 1944 einen Volltreffer der sowjetischen Flak – sie explodierte sofort, Ruffe kam dabei ums Leben.

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