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Haushaltsführung: Untersuchung beweist: Männer sehen Schmutz genauso wie Frauen, sie putzen trotzdem nicht

Männer putzen generell deutlich weniger als Frauen. Woran liegt das? Früher nahm man an, dass das männliche Gehirn Schmutz und Chaos ausblenden könne. Eine neue Untersuchung zeigt: Das stimmt nicht.

Schmutz sehen beide Geschlechter - doch was sind die Konsequenzen?

Schmutz sehen beide Geschlechter - doch was sind die Konsequenzen?

Getty Images

Irgendwie bleibt die Hausarbeit immer an den Frauen hängen. Für Putzen und Saubermachen wenden Männer im Durchschnitt nur ein Drittel der Zeit auf wie Frauen. Und das auch, wenn sie nicht im Hotel Mama oder in einer Partnerschaft leben. Auch wenn es niemand gibt, dem sie die lästige Arbeit überlassen können, putzen sie nicht.

Die Untersuchung "Good Housekeeping, Great Expectations: Gender and Housework Norms" versucht, dieses Mysterium zu klären. Die Studie fasst den Begriff Hausarbeit allerdings enger als andere Untersuchungen. Man muss tatsächlich etwas tun, damit die Zeit tickt. Demnach verbringen Frauen im Durchschnitt etwa eine Stunde und 20 Minuten pro Tag mit Kochen, Putzen und Wäschewaschen. Etwa ein Drittel davon – 30 Minuten - wird für die Reinigung aufgewendet. Männer verbrauchen sehr viel weniger Zeit für alle drei Tätigkeiten – nämlich insgesamt nur eine halbe Stunde am Tag und davon entfallen exakt 10 Minuten auf Staubsaugen und Aufräumen. In der Woche sind das allerdings auch 70 Minuten reine Arbeitszeit.

Weltweit sind Männer Putzmuffel

Die geringere Putzzeit der Männer ist ein globales Phänomen, das sich sogar im emanzipierten Schweden nachweisen lässt. Gemeinhin wird angenommen, Männer litten an einer Art von Staub-Blindheit – sie würden Dreck und Chaos nicht so wahrnehmen können wie Frauen und übersäen die anstehenden Arbeiten daher. Eine wohlmeinende Interpretation, die gern noch Erklärungen aus der Steinzeit bemüht. Schon damals hätten Frauen die Höhle sauber gehalten, um die Kinder vor Krankheiten zu schützen, während die Männer auf der Jagd nach Mammuts durch die Savanne stapften.

Diese These stimmt allerdings nicht. Das zeigt die aktuelle Untersuchung, die in "Sociological Methods and Research" veröffentlicht wurde. Dafür wurden 327 Männer und 295 Frauen unterschiedlichen Alters gebeten, Fotos eines Wohn- und Küchenbereichs zu bewerten. Ein Bild zeigte einen ziemlich chaotischen Zustand, das andere zeigte die aufgeräumte Version. Die Teilnehmer mussten nun den Sauberkeitsgrad der Räume taxieren und angeben, wie dringlich eine Reinigung geboten sei. Es zeigte sich kein Geschlechterunterschied – die Männer sahen den Schmutz ganz genauso wie die Frauen.

Bei Frauen muss es blitzen

Spannend wurde es im zweiten Schritt. Denn Teilnehmern wurde gesagt, dass die Räume entweder einem Mann – John – oder einer Frau – Jennifer – gehören. Danach sollte sie den Charakter der Bewohner bewerten und entscheiden, welchen Eindruck der Raum auf Besucher machen würde. Und es zeigten sich die "Double Standards" nach denen die Forscher gesucht hatten. Sogar der aufgeräumte Raum wurde kritisch bewertet, wenn er von einer Frau bewohnt wurde. Für einen John war der Raum perfekt, doch bei Jennifer würde er bei Besuchern einen negativen Eindruck hervorrufen. Die Schlussfolgerung: Bei Frauen reicht aufgeräumt nicht, es muss perfekt sein. Gingen die Betrachter davon aus, dass ein Paar die Räume bewohne, wurde automatisch angenommen, dass Jennifer hauptsächlich für den Zustand verantwortlich sei.

Unordentliche Männer werden aussortiert

Ein zweiter Befund zeigt aber, wie kompliziert die Welt der Vorurteile ist. Ein Schmuddel-Raum wurde dem Mann viel stärker angelastet als einer Frau – John galt sofort als faul und unzuverlässig – in Amerika sind Ausschlusskriterien für den Dating- und Heiratsmarkt. Die unordentliche Jennifer hingegen wurde zwar schlechter beurteilt als ihr aufgeräumtes Alter-Ego, ihr wurden aber keine schweren Charakterfehler nachgesagt. Für Sarah Thebaud, Associate Professor, an der University of California, ist damit klar: Sozialer Druck und keineswegs innere Gestimmtheit führe dazu, dass Frauen so viel putzen müssen. Sie hofft, dass Frauen sich in Zukunft von diesen Erwartungen frei machen können.

Am sozialen Druck mag Wahres sein. Doch viele Faktoren wurden überhaupt nicht in Betracht gezogen, da es sich nur um ein Experiment mit Fotos gehandelt hat. Interessant wären Fragen, die man nur durch eine echte Feldforschung klären könnte. Etwa: Wie sind die Wohnungen von männlichen und weiblichen Singles eingerichtet? Richten sich die Geschlechter gleich aufwendig ein, oder wählen Männer einen Stil, der wenig Aufwand erfordert? Und spannend wäre natürlich die Frage, ob männliche Alleinlebende mit Konsequenzen leben müssen, wenn sie so viel weniger Zeit für den Haushalt aufwenden. Also konkret: Ob sie mit schmutziger Wäsche herumlaufen und in verdreckten Wohnungen leben.

Quelle: Sociological Methods & Research

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