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BILDUNG: Freiheit für die Schule

Dozierende Lehrer, gelangweilte Schüler, gleichgültige Eltern: Damit unsere Kinder wieder international mithalten können, muss unser Schulsystem von Grund auf reformiert werden - auch im Süden, der laut neuer Pisa-Studie im Bundesländer-Vergleich besser abschneidet. Der Anfang ist schon gemacht: Beispiele aus dem deutschen Alltag.

Film ab. Die Peepshow für Pädagogen beginnt. Faszinierend. Und ein bisschen peinlich. Denn der arme Kerl auf dem Bildschirm gibt sich redlich Mühe, doziert, fragt hartnäckig, gestikuliert, tut einfach alles, um sein Publikum aus der Lethargie zu reißen. Doch die Jungs und Mädchen vor ihm sinken immer tiefer in ihre Stuhlreihen. »Das ist klassischer Physikunterricht«, sagt Pisa-Juror Manfred Prenzel vom Kieler Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und stoppt den Videofilm. »Der Lehrer steckt viel Energie rein, aber seine Schüler haben kaum eine Chance, zu Wort zu kommen oder gar eigene Ideen zu entwickeln.« Note: mangelhaft bis ungenügend.

Jahrzehntelang war das deutsche Klassenzimmer fast so tabu wie das Schlafzimmer der Lehrer. Einzelkämpfer waren sie, Herren über Stoff und Unterrichtskonzept, und keiner hatte ihnen dabei Ratschläge zu erteilen. Nun haben die Pisa-Prüfer die Tür weit aufgerissen - und den deutschen Lehrkörper bloßgestellt. Allein Bayern und Baden-Württemberg müssen sich nicht schämen. Bayerische Schulen liegen im Ranking der Bundesländer, das am 27. Juni offiziell vorgestellt wird, an der Spitze, gefolgt vom »Ländle«. Offiziell sind die Ergebnisse zwar noch unter Verschluss; international gesehen aber soll Bayern zwischen Platz neun und zehn liegen. Ein gefundenes Fressen für die Konservativen im Wahlkampf: Die Union mache die bessere Bildungspolitik, brüstet sich Kanzlerkandidat Edmund Stoiber. Was er verschweigt: In Bayern schafft nur jeder fünfte Schüler das Abitur, im Pisa-Siegerland Finnland sind es 93 Prozent.

Für die deutschen Schulen geht es um viel mehr als um die Suche nach Versagern und parteipolitischen Scharmützeln gut drei Monate vor der Bundestagswahl. Nämlich um »das Ende der Schule, wie wir sie kennen,« so die renommierte Bertelsmann Stiftung, die innovative Schulen im In- und Ausland betreut. Pisa verlangt Fantasie statt Faktenhuberei. Verändern muss sich vor allem die kleinste Zelle des Systems: jede einzelne der 40.000 Schulen in Deutschland. Und wie? Indem sie bei Schülern und Lehrern die Lust am Lernen wieder wecken, jene Gier auf alles Neue, die Kinder von Geburt an treibt und ihnen irgendwann zwischen Vorschule und Gymnasium abhanden kommt.

Beispiel Lise-Meitner-Gymnasium in Leverkusen. Hier spielt der Lehrer nicht mehr den Vorturner an der Tafel. »Ich trete bei dieser Form des Unterrichts fast völlig in den Hintergrund«, sagt Marcelo Jansen. Bevor Jansen mit dem Mathe-Unterricht beginnt, lässt er seine Klasse erst mal Möbel verschieben, Tische und Stühle an den äußeren Rand des Klassenzimmers rücken. Jansen verteilt rote und grüne Karten und stellt jeder Farbgruppe eine Aufgabe. Schlagartig kehrt Ruhe ein. Denn jetzt beginnt, was die Schüler des Lise-Meitner-Gymnasiums seit Jahren üben: selbstständiges Lernen.

Das fordert die Kinder

»Kugellager« heißt die pädagogische Methode, die die Zehnjährigen in Hochspannung versetzt. 20 Jungen und Mädchen grübeln über der Lösung, denn die brauchen sie für Teil zwei des Spiels. »Achtung, Grün bildet jetzt mit seinen Stühlen in der Mitte einen Kreis«, ruft Jansen nach fünf Minuten. »Die Sitze sind nach außen gerichtet. Rot nimmt gegenüber Platz.«

Jetzt stellen die Grünen den Roten mündlich die Aufgabe, die sie gerade gelöst haben. Das fordert die Kinder. »Sie müssen miteinander kommunizieren.« Während eine heftige Diskussion über Quadratzahlen beginnt, beobachtet Jansen seine Problemfälle. »Ich sehe, wie sie Berührungsängste verlieren, wenn sie mit Klassenkameraden zusammenarbeiten, die sie nicht so mögen. Das ist ein sozialer Nebeneffekt der Methode.«

Ihr Erfinder ist Heinz Klippert aus Landau. Der »Papst« unter den Unterrichtsreformern ist gefragt bei CDU- wie SPD-Ministerien und weiß genau, wie Lehrer ticken. Er war selbst mal einer. Lehrer, so seine These, arbeiten nicht zu wenig, sondern zu viel. Strampeln sich im Frontalunterricht vor der Klasse ab statt die Schüler arbeiten zu lassen. Fragen stellt meist der Pädagoge - und gibt sich auch gleich die Antworten. Solche »gelenkten Unterrichtsgespräche« begeistern den Lehrer, unterfordern aber die meisten Schüler. Konsequenz: Langeweile.

Doch nicht nur die Lehrer, auch die Schulen selbst sollen raus aus ihrer Isolation. Das ist das Credo der Carl-Bantzer-Gesamtschule im hessischen Schwalmstadt-Ziegenhain. »Schule muss leben«, sagt Schulleiter Bernhard Schmidt, der regelmäßig Künstler zu Workshops und Ausstellungen ins Atrium der Schule einlädt. »Ich will die Schüler nicht zur Kultur schleppen - die Kultur muss in die Schule kommen.«

Und wer sagt, dass Unterricht grundsätzlich in der Schule stattfinden muss? Seit einigen Jahren schickt Schmidt seine Schüler in Behindertenheime. Einmal in der Woche helfen sie Bewohnern beim Essen, gehen mit ihnen spazieren - von der pädagogischen Wirkung ist der Schulleiter überzeugt: »So machen wir die Kinder stark.«

Die Hildaschule in Mannheim-Neckarstadt treibt diese Idee mit ihrer »Kooperationsklasse« noch weiter. Zwei Jahre lang pendeln die Schüler zwischen Schule, Firma und Berufsschule. Ein Konzept, das aus der Not geboren wurde. »Wir sind eine multikulturelle Schule«, sagt Vize-Schulleiter Georg Jörder. 75 Prozent der Kinder kommen aus ausländischen Familien, davon die Hälfte Türken. Neckarstadt-West gilt als »Revolverviertel« Mannheims: hohe Verbrechensrate, Drogenszene und der Straßen-Strich unmittelbar neben der Schule. Jörder berichtet von Zuhältern, die mit Kampfhunden durch den Stadtteil streifen. Auf die Frage, was sie am liebsten in ihrer Freizeit mache, schrieb Anna, 14: »Auf der Straße rumhängen.« Das tun viele in Mannheim, wo die Jugendarbeitslosigkeit 11,2 Prozent beträgt.

Neun kleine Wunder

Das war auch Annas Perspektive, als sie die 8. Klasse der Hauptschule nicht schaffte. Doch weil sie »noch ein kleines bisschen Schullust« hatte, wie ihre Lehrerin sagt, rutschte die 14-Jährige in die »Kooperationsklasse«, die einzige Modellklasse dieser Art in der Stadt. Anna gehört zu den elf Schülern, die zwei Jahre lang ein Spezialtraining bekommen: An drei Tagen pro Woche besucht sie die Hauptschule und zwei Tage die Justus-von-Liebig-Berufsschule. Das zweite Jahr ist sie ständig an der Berufsschule, unterrichtet zum Teil von ihrer Klassenlehrerin Monika Strittmatter, die zwischen den Schulen pendelt - aber auch zwischen den Betrieben, in denen ihre Schützlinge Praktika machen. Dort steht Pädagogin Strittmatter regelmäßig auf der Matte, fragt bei den Ausbildern nach, mahnt und ermuntert ihre Schüler.

Anna arbeitet zwei Wochen lang von 8 bis 16 Uhr in der Kindertagesstätte »Krümelchen«, wischt Kindermünder, schlichtet Streitigkeiten. Dort blüht das stille Mädchen auf. »Ich will hier bleiben«, sagt sie. Normalerweise hätte sie, mit abgebrochener Hauptschule und ohne Realschulabschluss, nicht den Hauch einer Chance, Erzieherin zu werden. Nach zwei Wochen Praxis im Kindertagesheim sind ihre Aussichten viel besser. Erst recht womöglich nach dem Langzeitpraktikum, das nun folgt - das restliche Schuljahr geht sie einen Tag pro Woche statt in die Schule in die Tagesstätte. Anna bekommt eine Beurteilung und klare Vorgaben, in welchen Bereichen sie nacharbeiten muss, um ihren Traumberuf im »Krümelchen« zu erlernen.

Beim letzten Jahrgang fanden neun von elf Schülern der »Koop-Klasse« auf diese Weise eine Lehrstelle oder schafften den Sprung auf Berufsfachschulen. Für Vize-Rektor Jörder neun kleine Wunder - die es nicht gratis gibt: Die Klassen sind klein, ein Sozialarbeiter begleitet die Schüler auch noch während ihrer Lehrzeit. Hunderte Schulabbrecher in Mannheim hätten gern eine ähnliche Chance. »Die Lösung unserer Probleme ist total einfach«, so der Pädagoge, »wenn wir verstehen, dass wir kein schulisches, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem haben.«

Seit drei Jahren schon erprobt die Hildaschule das Modell »Kooperationsklasse«. »Um wirklich etwas zu verändern, braucht man fünf bis acht Jahre«, sagt Annette Czerwanski von der Bertelsmann Stiftung. Fantasievoller Unterricht, der Schüler mitdenken und -experimentieren lässt, kann aber schon morgen beginnen. Dazu müssen Lehrer keine Animateure sein, im Gegenteil: Sie rücken in den Hintergrund. Das bedeutet, Kontrolle aufzugeben, sich aus der Rolle des Allwissenden zu verabschieden. Ziemlich schwierig für das ohnehin gebeutelte Lehrer-Ego. Inzwischen profitieren sie aber nicht nur vom Beispiel Hunderter Schulen, sondern auch von vielen Konzepten.

Selbstständiges Lernen erst lernen

Ob Klippert oder der kanadische Trainer Norm Green, ob unterrichtszentriert oder ganzheitlich systemorientiert, Grundregel Nummer eins lautet: bewusst klein beginnen. Denn die Gefahr, dass sich Lehrer übernehmen und ihre Schüler überfordern, ist groß. »Wenn das nicht geschickt in den Unterricht eingebunden wird«, so Annette Czerwanski, »seufzen die Schüler: Jetzt kommt der schon wieder mit seinen Kärtchen.« Schüler müssten selbstständiges Lernen erst lernen. Weitere Tipps der Expertin vom »Bertelsmann-Netzwerk innovativer Schulen«:

- Schluss mit dem Einzelkämpfer-Dasein! »Viele Lehrer fürchten, im Vergleich mit Kollegen schlecht abzuschneiden. Bis sie merken, dass die auch nur mit Wasser kochen.« Schulentwicklung funktioniert nur mit dem kompletten Kollegium. »Einzelne Lehrer organisieren schon seit Jahren engagierte Projekte - aber die Abstimmung fehlt. So verpufft die Energie.« Erster Schritt: Lehrer eines Faches tauschen sich untereinander aus. In welcher Form bearbeiten sie den »Schimmelreiter« - mit Rollenspielen, einem Theaterstück? Dann überlegen sie gemeinsam mit Geschichts-, Geografie- und Biologielehrern, wie sich der Stoff fachübergreifend behandeln lässt.

- Nicht polarisieren! Die einen sind die Reformer, die andern werden als Bremser abqualifziert, so ist die Schulentwicklung gleich zu Ende. »Das spaltet jedes Kollegium, denn jeder fühlt sich in seiner Ecke wohl.« Besser ist es, Kollegen »über ihre Stärken zu gewinnen« und einzubinden. Zum Beispiel den theorielastigen Oberstudienrat, der insgeheim einer Karriere an der Universität nachtrauert. »Er ist die Idealbesetzung, um Kontakt zu seinem Fachbereich an der Uni aufzunehmen und Praktika für seine Schüler zu beschaffen.«

- Die Schulleiter gewinnen! Sie sind der Hebel jeder Schulentwicklung, ohne sie läuft nichts. Reformresistente Chefs lassen sich noch am ehesten durch konstruktive, sachliche Zusammenarbeit gewinnen. Viele Schulleiter gewichten falsch, kümmern sich um Verwaltungsaufgaben statt um die großen Ziele.

- Etappensiege feiern! Zum Beispiel einen schulinternen Lehrplan als »wichtigen Meilenstein«.

Solche Etappensiege gelangen dem Elsa-Brandström-Gymnasium in Oberhausen, das sich mehr Qualitätskontrolle bei der Arbeit zum Ziel setzte. Evaluation heißt das Schlüsselwort. »Das Selbstbewusstsein, aus Fehlern zu lernen, ist paradoxerweise bei Lehrern nicht ausgeprägt«, bemängelt Schulleiterin Erika Risse. Die besten Evaluierer sind dabei oft die Schüler selbst. In Oberhausen haben Paul, Alexander und Andreas ihr Computerprojekt »Logo für Fortgeschrittene« abgeschlossen. Zum Schluss schreiben sie einen Bericht über das Projekt, beurteilen Effizienz, Anleitung, Teamarbeit, Recherchemöglichkeiten und die eigene Leistung. Anschließend gibt der Lehrer seinen Kommentar ab.

Eine neue Prüfungskultur

Auch in Altingen bei Tübingen riskieren die Lehrer, auf die Meinung ihrer Schüler hören zu müssen. Im Schülerrat wird nicht nur der Ärger über Hausaufgaben und Mathearbeiten diskutiert, sondern auch Zoff mit den Mitschülern, werden Lösungen und Wiedergutmachungen gesucht. Der Lehrer hat eine Stimme. Auch die kann allerdings zu viel sein. Eine Zeit lang bekam Schulleiter Ulrich Scheufele von seiner Klasse einen Maulkorb verhängt. Die Schüler fanden, der Lehrer beeinflusse sie zu stark. Scheufele, so entschieden sie, durfte sich nur noch einmal pro Debatte zu Wort melden. Nach ein paar Monaten wurde er »begnadigt«.

Selbst der heiligsten Kuh des deutschen Schulsystems rücken die Reformer zu Leibe. 15 Schulen im deutschsprachigen Raum feilen an einer neuen »Prüfungskultur«. Schüler sollen neben Fachwissen auch andere Qualitäten beweisen können - etwa Einfühlung, Takt und Geduld bei der Betreuung einer gelähmten Frau während des therapeutischen Reitens. »Wir verabschieden uns von den obrigkeitsstaatlichen Schulformen, in denen die Lehrer zu Korrekturmaschinen verkommen«, sagt Waldorf-Pädagoge Rüdiger Iwan. Tatsächlich bröckelt das Dogma, allein Fachnoten zu erteilen, sogar in konservativen Ländern wie Baden-Württemberg.

Schüler - diese Einsicht setzt sich auch in den Ministerien durch - können viel mehr als Schräubchen sortieren in der Wissensfabrik. Und Eltern sind mehr als nörgelnde Kunden, die Lehrer als ihre natürlichen Feinde sehen.

Schulzentrum Lerchenstraße in Bremen. Schulleiter Harro Florstedt verkörpert den Typ des dynamischen Schulmanagers. Doch tatsächlich ist seine Macht beschnitten. Wichtige Entscheidungen muss er von der Schulkonferenz absegnen lassen. Dort besitzen Mütter und Väter gemeinsam mit Schülervertretern die Hälfte der Mandate. Kein anderes Bundesland billigt Eltern so viel Einfluss zu wie Bremen. Über die Schulkonferenz bestimmen sie mit, welche Klasse wie viele Unterrichtsstunden erhält, ob die Mittel für Computer, die Begrünung des Schulhofs oder ein Mädchencafé ausgegeben wird. Der Direktor schaut zu. Er ist nicht mal Mitglied der Schulkonferenz. Aber das führt an dem Schulzentrum mit Orientierungsstufe, Gymnasium, Haupt- und Realschule keineswegs zu Machtmissbrauch.

Als kostspieliger Exot belächelt

Die Eltern sind engagiert. Als eine Englischlehrerin der Klasse 5 länger erkrankte und sich keine Vertretung fand, überredete Elternvertreterin Antje Lachmann die Großmutter einer Schülerin. Die hatte ein Leben lang Englisch unterrichtet, war pensioniert und sprang ein. Das Beachvolleyballfeld haben Eltern gebaut, ebenso einen Zaun um den Fahrradplatz, der verhindern soll, dass Räder geklaut werden. Nicht sichtbar ist der informelle Einfluss: Eltern sitzen auch in Gesamtkonferenzen. Sobald die Lehrerleistung nicht stimmt, beschweren sie sich. Bei der Wahl des Schulleiters haben sie ein Wörtchen mitzureden.

Berlin-Neukölln. Wo Kleingärtner nach dem Krieg Gurken und Tomaten zogen, steht heute ein liebloser Plattenbau aus den Siebzigern, dahinter ein asphaltierter Schulhof und ein Sportplatz. Während sich ältere Schüler die Bälle zukicken, rutschen die Erstklässler auf dem Spielplatz vergnügt durch den Schlund eines rot-braun bemalten Spieldrachens. Die Grundschule in der Köllnischen Heide ist auf den ersten Blick eine stinknormale Bildungsanstalt - tatsächlich aber das, wovon viele Eltern träumen: eine staatliche Schule, die die Kinder nicht mittags nach Hause schickt.

»Platz ist das Geheimnis der Ganztagsschule,« sagt die Schulleiterin Astrid-Sabine Busse, »und natürlich viel Personal.« Geduldig hat sie das in den letzten Wochen auch den Besuchern erklärt, die sich neuerdings für ihre Schule interessieren: Kollegen, aber auch Politiker. Dabei wurde sie in den vergangenen Jahren oft als kostspieliger Exot belächelt - in der Millionenmetropole Berlin gibt es nur noch eine vergleichbare Einrichtung. »Manche glauben, es genügt, einfach Ganztagsschule draufzuschreiben und irgendeine Nachmittagsbetreuung anzubieten.«

Schule der Zukunft ist aber keine Vormittagsschule mit ein bisschen Remmidemmi und angepappter Suppenküche. Sie braucht ein umfassendes pädagogisches Konzept. In der Grundschule von Neukölln hat jede Klasse nicht nur einen Klassenlehrer, sondern auch einen »Klassenerzieher«, der oft schon morgens im Unterricht sitzt und nachmittags für die Kinder da ist. Nach dem Mittagessen wechseln sich regulärer Unterricht und Projekte ab. Ein ehemaliger Mathe-Lehrer bringt Kindern das Schachspielen bei. In der Holzwerkstatt werden Puzzles ausgesägt, und in der Lehrküche braten Kartoffelpuffer in der Pfanne. Nicht Anstalt, sondern harmonischer Lebensraum für Kinder will diese Schule sein.

Diese Idee hatte auch ein anderer. Der fasste die Zukunft der Schule in einem Absatz zusammen. Erstes Ziel moderner Didaktik müsse es sein, so schrieb er, einen Unterricht zu machen, in dem »Lehrer weniger zu lehren brauchen und die Schüler dennoch mehr lernen«. Der begnadete Bildungsreformer hieß Johann Comenius. Den Satz schrieb er 1638.

Ingrid Eissele

Mitarbeit: Gerd Elendt, Gesine Kulcke, Wigbert Löer, Johannes Metzler, Doris Schneyink, Regina Weitz, Susanne Witzel.

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(