Fleischskandal "Ross und Reiter" nennen


Angesichts der Fleischskandale werden drastische Konsequenzen gefordert: So sollen die betroffenen Betriebe endlich namentlich genannt werden. Für 'gesprächige' Mitarbeiter wird über eine Kronzeugenregelung nachgedacht.

Verbraucherschützer rechnen mit weiteren Lebensmittelskandalen in Deutschland: "Das ist nur die Spitze des Eisberges", sagte die Chefin des Bundesverbands Verbraucherzentrale, Edda Müller, am Donnerstag im ZDF-Morgenmagazin. Nötig sei mehr Transparenz für Verbraucher. Sie verlangte, dass "Ross und Reiter" - die betroffenen Betriebe - genannt würden, damit Verbraucher auf Verstöße reagieren könnten. Die bisherigen Fälle seien durch Zufall, nicht durch reguläre Kontrollen entdeckt worden. Den Verbrauchern riet Müller, an der Fleischtheke genauer hinzuschauen und nach der Herkunft der Lebensmittel zu fragen.

'Kronzeugenregelung' für gesprächige Mitarbeiter

Die Verbraucher-Beauftragte der Union im Bundestag, Ursula Heinen, regte in der "Berliner Zeitung" (Donnerstag) eine Art Kronzeugenregelung für Mitarbeiter betroffener Unternehmen an. "Der Staat muss seine Informanten schützen." Bisher müssen Angestellte, die Behörden über Missstände in ihren Betrieben informieren, laut Bericht mit Kündigung rechnen. Heinen forderte eine bessere Ausstattung der Lebensmittelkontrolle. Im Zeitungsbericht sagte sie außerdem, die Koalition wolle die Funktion des Bundesamtes für Verbraucherschutz bei der Lebensmittelüberwachung stärken und die Qualitätssicherungssysteme der Wirtschaft besser mit denen des Staates verzahnen. Behörden suchen inzwischen in mehreren Bundesländern nach verdorbenem Fleisch.

Agrarminister Horst Seehofer (CSU) hatte von Bundesseite eine bessere Koordinierung der Kontrollen in den Ländern angekündigt. Nach seiner Auffassung ist auch eine Meldepflicht für Firmen nötig, denen schlechtes Fleisch angeboten wird. Die große Koalition will die Qualitätssicherung der Unternehmen besser mit der staatlichen verzahnen und mit einer Novelle des Kartellrechts den Verkauf von Lebensmitteln zu Dumping-Preisen verbieten.

Bauernverband glaubt an einen Einzelfall

Der Deutsche Bauernverband hält den Skandal um den Handel mit verdorbenem Fleisch für einen Einzelfall. Er glaube, dass die große Mehrheit der Betriebe, die in den Bereichen Schlachtung, Verarbeitung und Handel tätig seien, "saubere Unternehmen sind", sagte der Vorsitzende des Fachausschusses Vieh und Fleisch beim Bauernverband, Franz-Josef Möllers, im Radiosender NDR Info. Er sprach sich für den Einsatz von Sonderermittlern aus. "Ich glaube, wir müssen so etwas haben wie eine Task Force. Ganz ausgeschlafene Jungs, die förmlich riechen, wo was zum Himmel stinkt und sofort den Laden schließen", sagte Möllers. Wenn ein Unternehmen nicht gleich nachweisen könne, woher das Fleisch komme und wie lange es schon gelagert werde, müsse gehandelt werden.

Er begrüßte das Vorhaben des neuen Bundesagrarministers Horst Seehofer, die Namen betroffener Betriebe zu veröffentlichen: "Sobald sich der Verdacht verhärtet, raus damit, da kann ich ihn nur bestärken." Zugleich zeigte sich Möllers davon überzeugt, dass es sich nur um Einzelfälle handelt: "Von mafiösen Strukturen sind wir weit weg." Er verstehe aber nicht, warum in der Branche nicht aufgeheult und gesagt werde, "die paar Idioten verderben uns das Image und wir eliminieren diese Herrschaften".

Unternehmen müssen handeln

Auch die frühere nordrhein-westfälische Umweltministerin Bärbel Höhn forderte mehr Eigenverantwortung der Unternehmen. "Die Unternehmen müssen, wenn sie in einen solchen Skandal verwickelt sind, befürchten, dass das für sie auch Image schädigend ist. Dann werden sie auch von sich aus ihre Kontrollen verstärken", sagte sie der "Rheinischen Post" zufolge.

mit AP, DPA DPA

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