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Im Dschungel der Warenzeichen: Diese sechs Bio-Siegel müssen Sie kennen

Welche Wurst, welches Steak kann ich ruhigen Gewissens essen? Das erklärt der neue Fleisch- und Wurstführer von WWF. Doch was bedeuten die zahlreichen Biosiegel? Das erklären wir.

Von Sophia Voß

Bio-Weine erfordern großes Fingerspitzengefühl. In diesem Jahr stellte das Wetter die Winzer vor große Herausforderungen: viele nasse Wochen im Sommer und lange Trockenperioden im Herbst. 

Bio-Weine erfordern großes Fingerspitzengefühl. In diesem Jahr stellte das Wetter die Winzer vor große Herausforderungen: viele nasse Wochen im Sommer und lange Trockenperioden im Herbst. 

Biofleisch tut Menschen, Tieren und Umwelt gut - das sagt auch der neue Fleisch- und Wurstführer von WWF (World Wide Fund for Nature). In welchem Stall das Schwein auf unseren Tellern einmal gelebt hat, erfahren wir meist nicht genau, denn aufgrund der hohen Nachfrage expandiert auch die Bioproduktion. Allerdings unterliegt sie strengen Richtlinien:

Bioland, Demeter, Naturland, Biopark, Biokreis – was bedeuten all diese Zeichen? Aus unterschiedlichen Anlässen und zu unterschiedlichen Zeitpunkten gegründet, deutschland- oder sogar weltweit vertreten, haben die privaten ökologischen Anbauverbände eines gemeinsam: Sie setzen höhere Maßstäbe, als es die EG-Öko-Verordnung vorschreibt. Welche das sind? Wir helfen durch den Dschungel der Biosiegel.

1. EU-Bio

Möchte ein Produkt "Bio" sein, muss es mindestens die Standards der EG-Öko-Verordnung erfüllen – erst dann gibt's das grüne EU-Bio-Siegel. Seit 2010 löst es seinen bekannten sechseckigen Vorgänger ab. Das Warenzeichen garantiert eine möglichst nachhaltige Herstellung der Produkte. Die Verwendung chemischer Pestizide, Düngemittel und Antibiotika unterliegt strengen Regeln, ist jedoch nicht komplett untersagt. Nutztieren soll Auslauf und eine gute Behandlung gewährt werden. Pro Hektar sind 230 Legehennen, 580 Masthühner und 14 Schweine zugelassen. Mindestens 95 Prozent der Zutaten des Endproduktes müssen ökologischen Ursprungs sein, trotzdem sind etwa 45 Zusatzstoffe erlaubt.

Damit diese Anforderungen erfüllt werden und das Produkt das EU-Bio-Siegel tragen darf, wird jeder Hersteller einmal jährlich kontrolliert. Die verschiedenen Bio-Verbände, also Naturland, demeter und Co., setzen noch strengere Kriterien für ihre Produkte an.

2. Bioland

Jedes Steak war mal eine Kuh. Wer sich für Bioland entscheidet weiß zumindest, dass sein Steak im lebendigen Zustand angemessen behandelt wurde: Auslauf oder Weidegang sind Pflicht, bei Krankheit bekommen die Tiere nach Möglichkeit homöopathische Mittel. Wie alle privaten Öko-Verbände lässt Bioland Gentechnik nicht zu. Das Warenzeichen ist deutschlandweit mit knapp 6000 angeschlossenen Erzeugern und über 1000 Herstellern der führende ökologische Anbauverband. Bioland legt seine Richtlinien in verschiedenen Punkten strenger an, als es die EG-Öko-Verordnung vorschreibt.

Öko zu 100 Prozent

So muss ein Bioland-Betrieb sein Öko-Versprechen zu 100 Prozent einhalten, die jeweiligen Landwirte dürfen parallel nicht konventionell anbauen - nach EU-Richtlinien wären jedoch beide Arten der Bewirtschaftung auf einem Betrieb zulässig. Außerdem müssen Bioland-Produkte komplett ohne synthetische Pestizide auskommen. Fischmehl ist als Futterbestandteil tabu – die EU hingegen erlaubt Fischmehl beispielsweise zur Fütterung von Geflügel. Die Tieranzahl pro Hektar ist auf 140 Legehennen, 280 Masthühner und 10 Mastschweine begrenzt.

3. Naturland

Mehr als 38.000 Bauern weltweit bewirtschaften Naturland-Betriebe, damit ist Naturland einer der größten internationalen ökologischen Anbauverbände. Die Richtlinien für das Warenzeichen gehen ebenfalls in verschiedenen Punkten über die der EG-Öko-Verordnung hinaus. Der Tierbesatz pro Hektar umfasst wie bei Bioland nur 140 Hennen, 280 Masthähnchen und zehn Schweine; auch Naturland-Betriebe dürfen nebenher keine konventionellen Produkte anbauen. Außerdem verbieten die Richtlinien im Gegensatz zur EG-Öko-Verordnung sogenannte Kuhtrainer, also elektrische Erziehungshilfen, die das natürliche Verhalten der Kühe beim Koten unterbinden. Naturland engagiert sich zusätzlich in der Fischproduktion für ökologische Aquakultur, darüber hinaus auch in den Bereichen Kosmetik, Waldnutzung und Textilherstellung.

4. Demeter

Demeter-Rinder dürfen ihre Hörner behalten. Darf doch jede Kuh? Leider nein: In den meisten Betrieben werden die Tiere auf schmerzhafte Weise enthornt, damit sie auf engerem Raum gehalten werden können. Nicht nur diese Prozedur bleibt den Kühen erspart, auch ansonsten macht Demeter verglichen mit anderen ökologischen Anbauverbänden die strengsten Vorgaben. Gegründet wurde der Verband 1928 – damit ist Demeter das älteste Biosiegel. Die Landwirtschaft der angeschlossenen Betriebe ist besonders nachhaltig; Demeter setzt zudem auf anthroposophische Prinzipien.

Die Umstellung auf Demeterware kann erst nach dreijähriger zertifizierter Öko-Bewirschaftung erfolgen; auch dabei dürfen nur von Demeter anerkannte Präparate eingesetzt werden. Die Richtlinien erlauben lediglich 22 Zusatzstoffe, die ebenfalls genauen Vorschriften unterliegen - Nitritpökelsalz oder natürliche Aromen dürfen beispielsweise nicht verwendet werden. Ansonsten: Extrem kurze Transportwege, ausschließlich Biofutter, gänzlicher Verzicht auf synthetische Dünger oder chemische Pflanzenschutzmittel. Demeter ist am meisten "öko" von allen.

5. Biopark

Es waren einmal ein paar engagierte Bauern und Wissenschaftler aus Mecklenburg-Vorpommern. Die gründeten 1991 Biopark, den jüngsten der im WWF-Führer aufgelisteten Anbauverbände. Nach ihren Grundsätzen und Zielen erweiterten diese Bauern und Wissenschaftler den Verband: Heute ist Biopark in 15 Bundesländern mit etwa 700 angeschlossenen Betrieben vertreten. Viele von ihnen bewirtschaften ihre Flächen in Naturschutzgebieten, um Landschaft und Natur zu bewahren. Auch Biopark schreibt strengere Richtlinien vor als die EG-Öko-Verordnung. Betriebseigene Dünge- und Futtermittel und artgerechte Haltung mit viel Auslauf und Weidengang für die Nutztiere sind Pflicht. Laut eigenen Angaben wurde auf Initiative von Biopark die erste gentechnikfreie Region Deutschlands gegründet.

6. Biokreis

Regional ist erste Wahl. Dieser Grundsatz gilt für die meisten Biosiegel, Biokreis jedoch legt besonderen Wert auf die Regionalität der Produkte. Der Verband entstand in Passau als Resultat einer Verbraucherbewegung, deren Intention darin bestand, Bauern und Verarbeiter für eine ökologische Betriebsweise zu begeistern. Heute möchte Biokreis die Zusammenarbeit aller Beteiligten nach ökologischen Grundsätzen auf regionaler Ebene unterstützen; dabei setzt der Verband auf regionale Netzwerke zwischen Bauern und Verarbeitern. Selbstverständlich müssen sich auch bei Biopark alle angeschlossenen Betriebe an strenge Vorgaben halten, die in vielen Punkten über die EU-Richtlinien hinausgehen.

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