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Omi-Rindfleisch Omi-Wagyu: Dieses verbotene Fleisch machte die Samurai stark - heute ist es eine Delikatesse

Samurai-Krieger
Viele Jahrhunderte prägten die Samurai Japan. Diese Fotografie zeigt Samurai-Krieger um 1900.
© picture alliance / Photo12/Ann Ronan Picture Librar / Picture Alliance
Jahrhundertelang war der Verzehr von Rindfleisch in Japan verboten. Eine Sorte des Wagyu-Rinds stand bei den Samurai dennoch hoch im Kurs. Das Omi-Rindfleisch wurde als Medizin für die geschundenen Krieger eingesetzt.

Geht's um Fleisch, ist vor allem ein Name ganz groß: Wagyu. Das Fleisch der japanischen Rinder steht im Ruf, das delikateste, zarteste der Welt zu sein. Für viele Gourmets ist es daher das Nonplusultra, sie greifen für ein Stück des Luxusfleisches ganz tief in die Tasche. Wagyu, das ist Genuss pur. Das war aber nicht immer so. Ursprünglich war das Fleisch alles andere als ein Lebensmittel. Es galt als Medizin und verhalf den Samurai zu besonderer Stärke. 

Genauer gesagt geht es um das legendäre Omi- (auch Ohmi)-Fleisch. Es steht im Ruf, die älteste Wagyu-Sorte der Welt zu sein. Denn Wagyu ist nicht gleich Wagyu. Die Bezeichnung ist lediglich der Überbegriff für japanisches Rind. Mehr als 200 Sorten gibt es. Darunter die großen Drei: Kobe, Matsusaka und eben auch Omi. Letzteres soll bereits vor mehr als 400 Jahren produziert worden sein, in einer Zeit, in der der Verzehr von Rindfleisch in Japan offiziell verboten war. 

Fleischverzehr verboten

Japan und seine Fleischkultur ist jung. Jahrhundertelang war das Essen von Säugetieren in Japan per Edikt verboten. Der Verzehr von F​​​​​​isch, Meeresfrüchte und Wildvögeln war zwar in Ordnung, Fleisch von anderen Tieren aber verschwand vom Speiseplan. Nach buddhistischer Lehre und Shinto-Religion gilt das Töten von Tieren als falsch, gar als unrein. Weshalb bereits im Jahr 675 ein kaiserliches Edikt den Verzehr von Säugetieren unter Verbot stellte. Erst Ende der 1860er-Jahre kam es durch die Meiji-Restauration in Japan zu einem Umdenken in Sachen Fleisch, als eine Industrienation aufgebaut werden sollte. Der Regierung waren die Menschen zu klein und schwächlich, um den Ansprüchen als Arbeitskräfte und Soldaten zu genügen. Also sollten sie durch Fleisch aufgepäppelt werden.

Schon in der Edo-Ära (1603 bis 1868) wurde dem Fleisch eine heilende Kraft beigemessen. Daher wurde es dem Verbot zum Trotz dennoch vertrieben. Dafür nutzte man einen kleinen Kniff: Das Rindfleisch wurde nicht als Lebensmittel, sondern als Medikament klassifiziert. Hergestellt wurde das in Hikone, der heutigen Präfektur Shiga. Es fand hochrangige Abnehmer. Historischen Quellen zu Folge soll es Takayami Ukon, Verbündeter des großen Feldherrn Toyotomi Hideyoshi, gewesen sein, der die Samurai in den Endzügen der japanischen Vereinigungskriege mit dem Fleisch behandelte und für die Schlachten stärkte. Auch deswegen genießt das Omi-Rindfleisch heute in Japan so einen guten Ruf. 

Im Wagyu-Fleisch macht das Fett den Unterschied

Shiga auf der Insel Honshu ist die berühmteste Region für Rinderzucht in Japan und gilt als Geburtsstätte des Omi-Rindfleisch und damit als Wiege des Wagyu. Die Gegend ist bekannt für die Produktion von qualitativ extrem hochwertigen Fleisch. Zuträglich soll das Wasser sein, das die Rinder trinken. Es stammt aus dem dortigen Biwa-See, dem größten Süßwassersee Japans. 

Anders als andere Rindfleischsorten ist das Wagyu-Fleisch nicht von einer Fettschicht umschlossen. Das Fett zieht sich stattdessen in feinen Maserungen durch das Fleisch. In Japan nennt man dies "shimofuri niku", was so viel bedeutet wie Fleisch, das aussieht, als wäre Schnee darauf gefallen. Diese Eigenart sorgt dafür, dass das japanische Rindfleisch als besonders aromatisch und zart beschrieben wird. Wagyu-Rinder gelten heute als "lebendes nationales Kulturgut". Zum Marketing des gehypten Fleisches gehören auch Erzählungen zu den extravaganten Aufzuchtmethoden. So soll es japanische Landwirte geben, die ihre Rinder täglich massieren, sie mit Reiswein besprühen oder ihnen Musik vorspielen.

Auch wenn das Omi zu den wichtigsten Wagyu-Sorten gehört, ist das Fleisch von den schwarzen Rindern längst nicht so bekannt wie das der Kobe-Rinder. Eine Erklärung dafür ist in der Anfangszeit der Kommerzialisierung des Fleisches zu finden. Denn als der Fleischvertrieb in Japan Fahrt aufnahm, firmierte Omi-Fleisch noch unter falschem Etikett. Weil es vom Hafen Kobes aus nach Tokio verschifft wurde, wurde es als Kobe-Rindfleisch bezeichnet. Erst als das Fleisch direkt aus Omihachiman per Zug transportiert wurde, bekam es seine richtige Zuschreibung zurück. Inzwischen tragen vor allem zwei Produkte den Namen Omi - das Fleisch von Ochsen und das von Färsen. Letzteres gilt als besonders zart und trägt den Zusatz Hime (Prinzessin) im Titel. Das Fleisch der Färsen soll süßer, reiner und aromatischer sein als das der Ochsen.

Das Wagyu-Fleisch einmal seinen Siegeszug rund um den Globus antreten würde, war lange nicht abzusehen. Bis 2004 war der Export des Rindfleischs in Japan verboten, noch heute dürfen lebende Rinder und auch Genmaterial nicht exportiert werden. Dennoch gab es das Fleisch auch früher schon zu kaufen. Es stammte aber eben nicht aus Japan, sondern aus den USA. Dorthin durften Mitte der 90er-Jahre Tiere kurzzeitig legal zu wissenschaftlichen Zwecken exportiert werden. Aus ihnen wurde die amerikanische Wagyu-Zucht begründet. Inzwischen wird das Luxusfleisch auch in anderen Teilen der Welt gezüchtet. Das Fleisch darf sich aber nicht Kobe-Rindfleisch nennen, sondern lediglich "Kobe Style". In Deutschland wurden 2006 die ersten Wagyu-Rinder geboren.

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Quellen: Botschaft von Japan, Wagyu VerbandSüddeutsche Zeitung


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