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Sexuelle Belästigungen in der Küche US-Starkoch Anthony Bourdain: "Ich schämte mich, ein Mann zu sein"

Anthony Bourdain
Anthony Bourdain über das erniedrigende System Gastronomie
© Frank Gunn/Picture Alliance
Der amerikanische TV-Koch Anthony Bourdain ist eigentlich bekannt für sein Bad-Boy-Image. In einem Interview gibt er erstaunlich offen zu, dass das System Gastronomie "penisgesteuert" und absolut grausam ist. 

Zum Sexismus-Skandal um Harvey Weinstein hat US-Starkoch Anthony Bourdain einen persönlichen Bezug: Er datet die Italienerin Asia Argento, die Schauspielerin, die dem Hollywood-Mogul vorwirft, sie vor 20 Jahren in einem südfranzösischen Hotelzimmer zum Oralsex gezwungen zu haben. Das berichtete die 42-jährige dem "New Yorker". Argento sagte, sie gehe mit ihren Anschuldigungen erst jetzt an die Öffentlichkeit, da sie Angst gehabt habe, Weinstein würde sie ""zerschmettern". Lesen Sie mehr dazu hier.

Kein Wunder also, dass ihr Freund, der Starkoch Anthony Bourdain, für das Thema sensibilisiert ist. Nur ist Bourdain nicht wirklich bekannt für seine einfühlsame Seite. Im Gegenteil: Ihm haftet das Image des Bad Boys an. Früher sei er ein Arschloch gewesen, der in der Küche Teller zerschmetterte, um sich schlug, Schimpftiraden über seine Mitarbeiter losließ und die Stimme erhob, offenbart er in einem Interview mit dem Online-Magazin "Slate". Sexuell belästigt habe er aber niemals eine Mitarbeitern, versichert Bourdain. "Ich mag es zu denken, dass ich niemals jemanden dazu gebracht habe, sich am Arbeitsplatz unwohl, verstört, genötigt oder sexualisiert zu fühlen." Was Bourdain aber als persönliches Versagen empfindet ist, dass er nicht die Person war, der sich die Frauen anvertrauen konnten. Was wiederum an seinem Image liegen könnte.

Seit 18 Jahren arbeitet Anthony Bourdain in der Gastronomie und hat sich dafür gefeiert, dass er der Bad Boy war und den rauen Umgangston in dem männlichen Business diktieren konnte: "Ich war ein Kerl in der Welt der Kerle, der ein System gefeiert hat (...) Ich fand mich in diesem sehr alten, offen gesagt, sehr penisgesteuerten, sehr perversen System wieder und ich war stolz auf mich, weil ich es überlebt habe."

"Ich schämte mich, ein Mann zu sein"

In jungen Jahren wiederum hat er sich unwohl gefühlt, wenn er mit einer Männergruppe unterwegs war, die schönen Frauen hinterher gepfiffen haben: "Ich wollte nie Teil der Bro-Kultur sein", sagt Bourdain erstaunlich offen im Interview. "Ich fühlte mich unwohl und schämte mich, ein Mann zu sein."

Dass Erniedrigungen in den Küchen nichts Neues sind, erzählt der Starkoch außerdem im Interview. Sie folgten gewissermaßen einem traditionellen System oder auch Schema: Der männliche Küchenchef misshandelte seinen Koch, der männliche Koch misshandelte seinen Sous-Chef. Der Sous-Chef ließ die Erniedrigung physisch an seinen Köchen aus. "Gott bewahre, wenn du damals eine Frau gewesen wärest", so Bourdain über das System. "Das System selbst war von Anfang an erniedrigend, männlich dominiert und grausam jenseits der Vorstellungskraft."

Bourdain kommen jüngst immer mehr Geschichten über Frauen zu Ohren, die in Küchen belästigt wurden - und das über Jahre. Erst jetzt aber sprechen sie darüber. Auch dank dem Anstoß der Sexismus-Debatte in Hollywood. Dass die Frauen aber bislang keinen Weg gefunden haben, sich an eine vertrauenswürdige Institution oder ähnliches zu wenden, sieht Bourdain die Schuld im System, das sich dringend ändern muss. 

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