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Verbrauchertäuschung: WWF und NDR decken auf: Das dunkle Geheimnis unserer Grillkohle

Grillen ist fester Bestandteil des Sommers. Nur wenige können ahnen, dass das Brutzeln von Würstchen, Steak und Käse zu massiver Waldzerstörung beitragen könnte. Der WWF und der NDR haben das schmutzige Geschäft der Grillkohle aufgedeckt.

Grillen mit Holzkohle

Grillen mit Holzkohle hat ein Geschmäckle

Getty Images

Der Sommer ist zum Grillen da. b im Garten oder im Park, dafür reicht bereits der kleine Kohlegrill, den man ohne Probleme transportieren kann. Dann benötigt man noch Grillgut wie Fleisch, Gemüse, Grillkäse und eben die Grillkohle. Und um genau die geht es. Besser gesagt, darum, woher das Holz eigentlich stammt.

Der NDR und der WWF haben sich den Ursprung der Grillkohle mal etwas genauer angesehen. 36 Grillkohlen aus Baumärkten, von Tankstellen, Supermärkten und Discountern wurden untersucht. Die Ergebnisse? Erschreckend. Die in Deutschland verkaufte Grillkohle enthält bedenklich hohe Anteile an Tropenholz und Holz aus geschützten osteuropäischen Urwäldern. Den Verbrauchern ist das häufig nicht bekannt. Zwar habe die Holzkohle-Branche, nach Aussage des NDR, große Sprüche geklopft, sich für Artenschutz und Waldwirtschaft einzusetzen, augenscheinlich hat sich aber nichts geändert.

Erstmals fanden Forscher des Thünen-Instituts auch Tropenholz in Produkten mit den Öko-Siegeln FSC (Non-Profit-Organisation, die nachhaltige Forstwirtschaft zertifiziert) und PEFC (internationales Waldzertifizierungssystem): "Grill-Meister-Briketts" werden bei Lidl verkauft, "Best of BBQ-Holzkohle" bei Netto. Und auch die getesteten Produkte von Aldi, Penny, Rewe und von anderen Märkten enthalten Tropenholz. Der einzige Unterschied zu den Produkten von Lidl und Netto: Sie tragen kein Öko-Siegel.

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Tropischer Hölzer in Holzkohle

Die Holzkohle von Lidl und Netto stammt vom polnischen Händler Dancoal, der Anbieter ist einer der Großen in der Branche. Auf Nachfrage antwortet Lidl ausweichend. Sie werden der Sache nachgehen. Grundsätzlich vertraue man aber auf die Zertifizierung durch den FSC, außerdem seien Lieferanten vertraglich verpflichtet, nur Kohle aus nachhaltiger Forstwirtschaft zu verwenden. Netto lässt über Dancoal ausrichten, dass es sich um Resthölzer aus der Produktion in den Tropen handele. Dem Zertifizierer PEFC schreibt Dancoal hingegen, dass die Hölzer aus Spanien und Polen stammen.

Zudem wird gezielt getäuscht: Auf der Holzkohle "Flash Barbecue Season" von Bauhaus beispielsweise stehe zwar der Aufdruck "Kein Tropenholz". Die Tester des Thünen-Instituts stellten aber - wie im Vorjahr schon fest - dass die Ware zu mehr als der Hälfte aus tropischen Holzarten besteht.

In Deutschland werden pro Jahr 250.000 Tonnen Holzkohle verbraucht, dieses Jahr wegen des guten Wetters sicherlich noch mehr. Ohne zu wissen also, tragen die Deutschen zur Zerstörung von Tropen- und Urwäldern bei. Das Problem: Es ist zwar illegal Tropenholz oder Stammholz aus osteuropäischen Urwäldern zu importieren, aber nicht, wenn diese Hölzer vorher zu Kohle verarbeitet wurden.

Einziger Lichtblick: Es gibt zwei einheimische Hersteller für Holzkohle. Das Startup Nero in Saarbrücken und pro Fagus in Bodenfelde. Letztere haben zwar bislang bei Penny Holzkohle vertrieben, die Tropenholz enthalte. Dabei soll es sich aber um Altware handeln. Mittlerweile verwenden diese nur noch FSC-zertifizierte Produkte.

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