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Kohlsuppe: Wider die Dicknatur

Es gibt Zeiten, die man zugleich herbeisehnt und fürchtet. Die Badesaison etwa, zu deren Auftakt manch eine(r) nach durchvölltem, dunklem Winter in Farbe und Form dem Weißkohl gleicht. Wo aber die Not groß ist, ist auch das Rettende nah, und so scheint gerade der Kohl das probate Mittel, die Pfunde wieder loszuwerden

Wenn die Meisen Nester bauen, die Blondinen morgens mit wehendem Rock zur Arbeit radeln und Abspeckbücher gute Verkaufszahlen melden, kann man - ahhh - aufatmen: Jetzt kommt der Sommer.

Tatsächlich, die Meisen schwirren, Röcke bauschen sich im Wind, und zwei "Fatburner"-Bücher verkaufen sich wie verrückt.

Die Bücher heißen erstens "Die magische Kohlsuppe" und zweitens "Die magische Kohlsuppe - das Kultbuch". In beiden steht, wir ahnen es, das Gleiche; das zweite Buch ist die Erweiterung des ersten. Beide versprechen: Fatburnen, neudeutsch für Abnehmen, ist leicht.

Mit der Leichtigkeit des Abnehmens verhält es sich aber nun ähnlich wie mit der Leichtigkeit, eine Renten- oder eine Gesundheitsreform durchzuführen. Die Rezepte kennen alle, aber die Umsetzung geht irgendwie stets daneben.

Widrigkeiten hier und da, Lobbyisten, Verbandspräsidenten und Polit-Mineure jagen die besten Ansätze in die Luft. Am Ende siegt wieder der Jojo-Effekt, und die Lage ist schlimmer als vorher.

Fatburner aber ist ein tolles Wort, und sei´s nur, weil es lediglich einen Tippfehler von Fatburger entfernt ist. Beide stehen in sinnigem Zusammenhang. Denn wer sich zur Wollpulloverzeit mit Big Mäcs, Tiefkühlpizza, Instant-Terrinen und süßen Limonaden gegen den eigenen Körper versündigt hat, muss zur Bikinizeit eben leiden.

Fett, Weißmehl und Zucker pappen jetzt an Taillen und Hüften - und bleiben hartnäckig. Warum sie nicht verbrennen? Tolle Idee, aus Angst vor der Blamage am Strand ("Hey, Schwabbel, geile Badehose!") soll das Heil aus der Kohlsuppe kommen.

Ihr Trick: Die Suppe zu verdauen, verbraucht mehr Energie, als sie dem Körper zuführt. Abnehmen beim Essen? Das klingt wie Pomuskeln entwickeln beim Sitzen. Autorin und Verlag versprechen "bis zu 5 Kilo weniger in 7 Tagen". "Zaubertricks", behaupten sie, machten uns "blitzschlank am Wochenende".

was ist dran? Das Beste an der Kohlsuppe ist: Man muss sie selber frisch kochen. Das ist gut, denn wer kocht, sündigt nicht. Statt sich matt atmend vor dem TV-Gerät zu fläzen und anderen beim fiktiven Leben zuzuschauen, steht man eine Stunde in der Küche und erhält als Lohn ein frisches, gesundes, selbst bereitetes Gericht - keine sterilisierte Fertigkost.

So weit zum Guten. Aber soll man sich ernsthaft sieben Tage Kohlsuppe antun? Gewichtsverlust mag ja das Ziel sein - aber Flatulenz ist erst mal die Folge. Wer als mobile Biogasanlage durchs Büro laufen will, bitte schön.

Aber Warnung: Dieser Trip macht sehr, sehr einsam. Noch ein Nachteil: Die Rezepte sind ohne Fett und mit so wenig Eiweiß konzipiert, dass die Autorin zum Gang in die Apotheke rät, auf dass man "Eiweißpulver und je ein Vitamin- und Mineralstoffpräparat" zukaufe, plus Magnesium/Kalzium-Tabletten. Probiere das, wer mag. Im Kleingedruckten heißt es: "Autorin und Verlag übernehmen keine Haftung für die Resultate."

Wir haben unsere Köchin Kohlsuppen entwickeln lassen, die bestens schmecken und immer etwas Fett und Eiweiß enthalten, damit die Vitamine in all den frischen Zutaten vom Körper auch aufgenommen werden können. Einmal pro Woche verzehrt, wirken sie wunderbar, um das Gewicht allmählich zu reduzieren, so man sich von den Fettmachern Weißmehl, Zucker und Bier fern hält.

Eine Sieben-Tage-Kur mit unseren Kohlsuppen empfehlen wir Ihnen ausdrücklich nicht. Sie sollen nicht als Sozialleiche enden, und wir wollen uns am Ende nicht noch in Ihr Flatulenzbuch eintragen müssen.

Bert Gamerschlag

Blumenkohlsuppe

Für 2 Personen

1 kl. Blumenkohl
4 Möhren
2 Zwiebeln
1/2 rote Chilischote
70 g Feta-Käse (45 % Fett)
4 getrocknete Aprikosen
1/2 TL Schwarzkümmel
1 l Gemüsebrühe (s. Tipp)
1 kleine Zimtstange
1 Döschen Safranfäden (0,1 g)
1 EL Kreuzkümmel, gemahlen
1 Orange, unbehandelt
150 g Kichererbsen (Dose)
2 Scheiben Vollkorn-Fladenbrot (a. d. türkischen Lebensmittelladen)
1/2 Bund Minze
Salz

1 Blumenkohl putzen, waschen und in kleine Röschen teilen. Möhren schälen und in 1 cm dicke Scheiben schneiden. Zwiebeln abziehen und in dünne Spalten schneiden. Chili längs aufschneiden, entkernen und fein würfeln. Käse zerbröckeln, Aprikosen fein würfeln und beides mit Schwarzkümmel mischen.

2 Gemüsebrühe, Chili, Zwiebeln, Zimt, Safran und Kreuzkümmel zugedeckt 5 Minuten kochen. Blumenkohl und Möhren dazugeben und im geschlossenen Topf etwa 5 Minuten garen. Von der Orange die Hälfte der Schale mit einem Zestenreißer abziehen. Kichererbsen und Orangenzesten in die Suppe geben und kurz mitkochen.

3 Das Fladenbrot unter dem Grill oder im Toaster goldbraun rösten. Minze fein schneiden, 1/4 davon unter die Käsemischung heben, den Rest zur Suppe geben, Suppe mit Salz abschmecken, auf Teller füllen, Käse-Aprikosen-Mischung darüber streuen und mit dem Brot servieren.

Zubereitungszeit: 45-50 Minuten

Tipp: Die Brühe aus gekörnter Gemüsebrühe herstellen.

Michaela Pfeiffer

Scharfe Chinakohlsuppe mit Garnelen

Für 2 Personen

70 g Reis (z. B. Basmati)
Salz
150 g Garnelen (ohne Kopf und Schale)
1 Limette
300-350 g grüner Spargel
1 kleiner Chinakohl (ca. 450 g)
150 g Shiitake-Pilze
3 Knoblauchzehen
50 g Ingwerwurzel
1 kleine rote Chilischote
1 Bund Koriandergrün
1 EL Zucker
3 EL Sojasauce
1,5 l Gemüsebrühe (siehe Tipp/Blumenkohlsuppe)
3 TL Sesamöl (aus dem Asienladen)

1 Reis nach Packungsanweisung in Salzwasser garen und abtropfen lassen. Limettenschale abreiben. Garnelen der Länge nach halbieren und entdarmen, kalt abspülen, trockentupfen und mit der Limettenschale würzen.

2 Spargel waschen, das untere Drittel schälen, harte Enden abschneiden. Den Spargel in 4-5 cm lange Stücke schneiden. Chinakohl putzen und in mundgerechte Stücke schneiden. Pilze halbieren, die Stiele abschneiden (nicht verwenden). Knoblauch abziehen und grob hacken. Ingwer schälen und sehr fein würfeln. Chili längs aufschneiden, entkernen und fein würfeln. Koriandergrün grob hacken.

3 Einen Wok (oder breiten Topf) erhitzen. Zucker darin schmelzen lassen. Spargel darin unter ständigem Rühren 1-2 Minuten goldbraun anbraten. Pilze, Knoblauch, Ingwer und Chili untermischen und kurz mitdünsten. Zuerst mit Sojasauce, dann mit der Brühe ablöschen. Kohl und Reis dazugeben und etwa 2 Minuten kochen. Garnelen untermischen und etwa 1/2 Minute mitgaren. Mit Salz abschmecken. Die Suppe portionsweise mit Sesamöl beträufeln und mit Koriandergrün bestreut servieren.

Zubereitungszeit: 1 Stunde

Michaela Pfeiffer

Curry-Weißkohl-Suppe mit Linsen, Mango und Lamm

Für 2 Personen

3 gehäufte EL Kokosraspel
1 Orange, unbehandelt
1/2 kleiner Weißkohl
4 Möhren
2 Zwiebeln
3 Knoblauchzehen
1/2 kleine reife, aber feste Mango
150 g Lammfilet
1 Bund glatte Petersilie
3 TL Zucker
2 EL Curry
1 EL Paprikapulver
60 g rote Linsen
1 l Gemüsebrühe (siehe Tipp/Blumenkohlsuppe)
Salz
2 EL Zitronensaft

1 Kokosraspel in einer Pfanne ohne Fett unter Rühren goldbraun rösten. Von der Orange 1 TL Schale abreiben und mit den Kokosraspeln vermischen.

2 Weißkohl putzen und in mundgerechte Stücke schneiden, dabei dicke Blattrippen wegschneiden. 300 g davon abwiegen und den Rest anderweitig verwenden. Möhren schälen und grob würfeln. Zwiebeln und Knoblauch abziehen und grob würfeln. Mango schälen, in Spalten vom Stein schneiden und klein würfeln. Das Lammfilet in 1 cm breite Scheiben schneiden. Petersilie grob hacken.

3 Einen breiten Topf erhitzen und den Zucker darin, ohne zu rühren, schmelzen. Kohl, Möhren, Zwiebeln und Knoblauch darin unter Rühren goldbraun anbraten. Zuerst Curry und Paprikapulver, dann die Linsen untermischen. Mit Brühe auffüllen und zugedeckt 7 Minuten kochen. Das Fleisch salzen, mit den Mangowürfeln in die Suppe geben und etwa 2 Minuten leise köcheln. Petersilie und Zitronensaft untermischen, die Suppe noch einmal abschmecken. Kokosraspel portionsweise darüber streuen und servieren.

Zubereitungszeit: 1 Stunde

Michaela Pfeiffer

Wirsing-Graupen-Suppe mit Schweinefilet

Für 2 Personen

60 g Perlgraupen
Salz
2 Zwiebeln
250 g grüne Bohnen
1/2 kleiner Wirsing
5 Backpflaumen, entsteint
150 g Schweinefilet, ohne Sehnen und Häutchen
2 Stiele Liebstöckel
4 Stiele Dill
1,25 l Gemüsebrühe (siehe Tipp/Blumenkohlsuppe)
1 TL Kümmel, ungemahlen
2 TL Rapsöl
2 EL grobkörniger Senf
schwarzer Pfeffer aus der Mühle

1 Die Graupen in kochendem Salzwasser nach Packungsanweisung gar kochen, dann auf einem Sieb abtropfen lassen. Zwiebeln abziehen und grob würfeln. Bohnen putzen und in Stücke brechen. Wirsing putzen und in mundgerechte Stücke schneiden. 250 g davon abwiegen, den Rest anderweitig verwenden. Pflaumen in kleine Stücke schneiden. Schweinefilet in 1/2 cm dicke Scheiben schneiden. Liebstöckel, Dill fein hacken.

2 Gemüsebrühe mit Kümmel aufkochen, Bohnen und Zwiebeln dazugeben und offen 4 Minuten kochen. Wirsing dazugeben und weitere 6 Minuten offen kochen.

3 Eine Pfanne erhitzen, dann das Öl und die Filetscheiben hineingeben. Das Filet kurz von beiden Seiten anbräunen und salzen.

4 Erst Senf und reichlich grob gemahlenen Pfeffer, dann die Graupen in die Suppe rühren und etwa 1 1/2 Minuten köcheln lassen. Zum Schluss die gebratenen Fleischscheiben mit dem Öl, die Pflaumen und Kräuter unterrühren und servieren.

Zubereitungszeit: 55 Minuten

Michaela Pfeiffer

Mediterrane Brokkolisuppe

Für 2 Personen

500 g Brokkoli
1 mittelgroßer Fenchel (ca. 200 g)
300 g Kirschtomaten
2 Zwiebeln
4 Knoblauchzehen
40 g getrocknete Tomaten, ohne Öl
1 Zitrone
200 g Seeteufelfilet
2 kleine Weizenvollkornbrötchen
1/2 TL Fenchelsaat (evtl. aus dem Teebeutel)
1 EL Rosmarinnadeln, fein gehackt
2 EL Thymianblättchen, fein gehackt
schwarzer Pfeffer aus der Mühle
1,5 l Gemüse-Hefebrühe (Instant aus dem Reformhaus)
Salz
3-4 EL Kapern, abgetropft
1/2 Bund Basilikum
3 EL Parmesankäse, frisch gerieben

1 Brokkoli waschen, in Röschen teilen, die dicken Stiele schälen und klein schneiden. Fenchel putzen und in sehr dünne Spalten schneiden. Kirschtomaten halbieren. Zwiebeln und Knoblauch abziehen, Zwiebeln grob würfeln, 3 Knoblauchzehen grob hacken. Getrocknete Tomaten klein würfeln. Zitronenschale fein abreiben. Seeteufel in 1 cm breite Scheiben schneiden und mit Zitronenschale würzen. Die Brötchen in je 3 Scheiben teilen, goldbraun rösten und mit der restlichen Knoblauchzehe einreiben.

2 Zwiebeln, Knoblauch, getrocknete Tomaten, Fenchel, Fenchelsaat, Rosmarin, Thymian und reichlich Pfeffer mit der Gemüsebrühe zugedeckt 4 Minuten kochen. Den Brokkoli dazugeben und offen 3-4 Minuten garen. Fisch salzen und behutsam mit den Kirschtomaten und den Kapern unter die Suppe mischen. Kurz aufkochen, vom Herd nehmen und 1-2 Minuten ziehen lassen, salzen. Basilikum zerschneiden. Die Brötchenscheiben in Suppenteller legen, Basilikum darauf verteilen, die Suppe darüber schöpfen und mit Parmesan bestreuen.

Zubereitungszeit: ca. 1 Stunde

Michaela Pfeiffer

Wein-Tipp

Trockener Wein für alle Tage

Noch immer haben viele Weinjournalisten nur mitleidiges Lächeln für die Württemberger Weingärtner. Galt doch ihr Anbaugebiet lange als das schlechteste unter den deutschen Weinbaugebieten. Doch die Schwaben überraschen immer öfter mit hochkarätigen Gewächsen. Württemberg ist augenblicklich Deutschlands dynamischstes Weinbaugebiet.

Nicht nur dank großer Qualitätssteigerungen bei den etablierten Winzern, auch zahlreiche bislang unbekannte Güter bieten wirklich gute Weine. Seitdem die junge Winzergeneration in den Kellern schafft, geht es im Ländle steil bergauf.

Das Weingut Steinbachhof in Gündelbach ist so eine aufblühende Hoffnung. Seit dem Jahr 2000 baut das junge Winzerpaar Ulrich und Nanna Eißler seine Weine in Eigenregie aus. Nach mustergültigem Start haben sie jetzt mit soliden 2001er Qualitäten erneut überzeugt.

Ich möchte aber heute noch den trockenen 2000er Lemberger aus dem Holzfass empfehlen. In hellem Rot funkelt er munter im Glas. Er duftet nach reifen Kirschen. Geschmacklich zeigt sich der Lemberger von seiner feinen Seite: Er erscheint leicht und schlank, bringt aber einiges an Gehalt mit. Frische Aromen von roten Beeren und eine rauchige Note liefern zusätzliche Lebendigkeit.

Mit seiner finessenreichen Art ist dieser fruchtig-frische Lemberger prima als Alltagswein geeignet und schmeckt im Sommer auch leicht gekühlt.

Preis: 6 Euro pro Flasche, plus Versandkosten. Bezug über: Weingut Steinbachhof, Hofgut Steinbachhof 1, 71665 Vaihingen/Gündelbach, Tel. 07042/2 14 52, Fax 07042/2 47 90, weingut-steinbachhof@ t-online.de

Bernd Kreis