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Lebensmittelcheck mit Tim Mälzer: Achtung Verbrauchertäuschung! Darum sollten Sie keinen cremig-gerührten Joghurt essen

Regionale Lebensmittel, die gut schmecken, fair und bezahlbar sind. Ist das ein Mythos oder gibt es die wirklich? TV-Koch Tim Mälzer geht dem genauer auf die Spur.

Die Deutschen lieben Fleisch: Im Jahr 2016 wurden 59 Millionen Schweine, 3,6 Millionen Rinder und 601 Millionen Mastvögel wie Hühner, Puten und Enten geschlachtet. Die Produzenten verdienen an unserem Fleischeshunger Milliarden. Fakt ist aber auch: Je niedriger der Preis fürs Fleisch, desto weniger spielt artgerechte Tierhaltung eine Rolle. Ist es denn möglich,  einzukaufen, die sowohl regional, artgerecht in Bezug auf Fleisch, von guter Qualität und bezahlbar sind?

TV-Koch und Gastronom möchte dieser Frage im ARD-Lebensmittelcheck nachgehen. Mälzer führt selber mehrere Restaurants und muss zugeben, dass er im Hinblick auf Regionalität an die Grenzen stößt. Was auffällt: Wenn Deutschland beim Marmeladenglas draufsteht, müssen die Früchte nicht automatisch aus Deutschland stammen. Meist kommen die Früchte aus Osteuropa, China oder Übersee. Hersteller und Handel werben zwar mit heimischer Erzeugung. Meist verbirgt sich dahinter aber nur eins: Augenwischerei und gutes Marketing.

Ab wann sind Lebensmittel regional?

Der Begriff 'regional' ist nicht geschützt, für manch einen ist es der 20-Kilometer-Umkreis, für den anderen das Bundesland oder gar . Was zudem unklar ist, was an dem Produkt regional ist? Das können sowohl die Zutaten, die Zubereitung oder die Produktion sein. Der Begriff Regionalität wird daher oft missbraucht. 


Beispiel Milch

Wo steht die Kuh, die die produziert? Kommt beispielsweise die Milch der Marke "Sachsenmilch" wirklich aus Sachsen? Eine Drehgenehmigung kriegt Tim Mälzer zwar nicht beim Konzern, vor Ort wird aber schnell klar, die Milch stammt aus der Ukraine und aus Polen. 15 Prozent werden importiert, äußert sich der Konzern.

Bei Molkereiprodukten ist es noch schlimmer: beispielsweise der cremig gerührte Joghurt. Der wird oft mit Milchpulver versetzt, die Zutat muss nicht deklariert werden, weiß die Verbraucherzentrale Bayern, weil es ja Bestandteil der Milch ist. Das erschreckende: Milchpulver muss nicht aus der Region stammen. Es kann auch zugekauft werden - beispielsweise aus  oder Osteuropa.

Es geht aber auch anders. Beispielsweise beim Verband Berchtesgadener Land. Die Molkerei zahlt den Bauern konstant 40 Cent (im Vergleich: der konventionelle Milchpreis liegt momentan bei 33 Cent. Ein Minusgeschäft für die Bauern). Die Kunden kaufen die Berchtesgadener Milch trotz des höheren Preises - für gute Qualität und fair bezahlte Bauer. 


Beispiel Fleisch

Mittlerweile findet man zumindest im Supermarkt und Discounter den Hinweis, wo das Tier aufgewachsen und geschlachtet worden ist. Bislang fehlt aber die Information, wo das Tier geboren ist. Daher können Tiere oft Hunderte Kilometer unter schlimmsten Bedingungen von der Brüterei zum Ort der Aufzucht transportiert werden. Große Konzerne wollen mit der "Initiative Tierwohl" gegensteuern. Auch die ist Augenwischerei: Der Handel zahlt zwar für jedes verkaufte Kilo Fleisch vier Cent, es ist aber egal, ob das Tier aus einem geförderten Stall stammt oder nicht. Bessere Qualität bedeutet auch weniger Produktion. Etwas, was weder die Konzerne, noch die Politik möchte. Aber nur die könnten etwas verändern.

Tim Mälzers Tipps für gute Lebensmittel

  • Nach der Herkunft der Produkte fragen
  • Molkerei nach dem Milchpreis für die Bauern fragen
  • Der Begriff "regional" ist nicht gesetzlich geschützt
  • Auch Alpen- und Weidemilch sind nicht geschützt
  • Bei Heu-, Bergbauern- und Biomilch sind die Kriterien geregelt
  • Gutes Fleisch kostet, billiges kann nicht von artgerecht gehaltenen Tieren stammen
  • Nur die Siegel der Bio-Verbände (Bioland, demeter, etc.) garantieren artgerechte Tierhaltung

Die komplette Sendung können Sie hier sehen!

Kochserie "Jetzt gibt's Gemüse!": Die besten Tomaten-Rezepte von Tim Mälzer