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Belastete Lebensmittel Bis zu ein "Reiskorn" Plastik pro Mahlzeit: Forscher finden Mikroplastik in Meeresfrüchten

Mikroplastik in Meeresfrüchten: Fische und Muscheln liegen zur Kühlung auf Eis
Fische und Muscheln nehmen im Wasser Mikroplastik auf. Im Anschluss landen die Partikel als unerwünschter "Beifang" auf unseren Tellern. 
© AlexRaths / Getty Images
Forscher haben Meeresfrüchte gekauft, untersucht und in jeder einzelnen Probe Mikroplastik gefunden. Die Schalentiere und Fische waren jedoch unterschiedlich stark belastet – vor allem Sardinen fallen negativ aus. 

Muscheln, Tintenfische oder Sardinen: Meeresfrüchte und warme Sommertage gehören einfach zusammen. Wer sich abends eine Meeresfrucht-Platte schmecken lassen möchte, muss dafür nicht extra ans Mittelmeer fahren. Die Delikatessen gibt es oft auch hierzulande, etwa beim Italiener um die Ecke oder in einem klassischen portugiesischen Speiselokal.

Eine aktuelle Studie aus Australien macht allerdings wenig Appetit auf Spaghetti "Frutti di Mare" und gegrillten Pulpo. Wie Forscher im Fachblatt "Environmental Science&Technology" berichten, hatten sie verschiedenste Meeresfrüchte auf Mikroplastik hin untersucht – und sind in jeder einzelnen Probe fündig geworden. Auf dem Einkaufszettel der Tester standen Tintenfisch, Austern, Garnelen, Krabben und Sardinen. Die Ware stammte von einem australischen Markt. 

Plastik im Gewicht eines Reiskorns

"Ein Fischesser könnte ungefähr 0,7 Milligramm Plastik ausgesetzt sein, wenn er eine durchschnittliche Portion Austern oder Tintenfisch zu sich nimmt, und bis zu 30 Milligramm Plastik, wenn er Sardinen isst", so Studienautorin Francisca Ribeiro, Wissenschaftlerin an der Universität Queensland. "Zum Vergleich: 30 Milligramm sind das durchschnittliche Gewicht eines Reiskorns."

Meeresfrucht

Plastikgehalt (Mg/Gramm)

Durchschnittl. Portion (Gramm)

Mgl. Plastik-Aufnahme (Mg)

Tintenfisch

0,01

100

0,7

Austern

0,01

50

0,7

Garnelen

0,01

75

1,1

Krabben

0,03

100

3,0

Sardinen

0,3

100

30

Die Forscher zeigten sich vor allem über den hohen Plastikgehalt in den untersuchten Sardinen überrascht. Mikroplastik in Magen oder Darm der Tiere kann dabei keine Rolle gespielt haben; die Tiere waren bereits ausgeweidet. Das Plastik muss sich folglich in der Haut und dem Fleisch befunden haben. Wie es dorthin gelangte, ist unklar. Sardinen ernähren sich unter anderem von Plankton, an dem Mikroplastik haften kann. Es wäre denkbar, dass das Plastik durch nicht-fachmännisches Ausnehmen der Tiere aus dem Darm auf das Fleisch überging, schreiben die Forscher.

Mikroplastik - was ist das?

Als Mikroplastik werden Plastikstücke bezeichnet, die kleiner als fünf Millimeter sind. Mit bloßem Auge sind sie oft nicht zu erkennen. Mikroplastikpartikel können in der Umwelt praktisch nicht abgebaut werden, allerdings zerreiben sie sich im Laufe der Zeit in immer kleinere Partikel. "Weltweit wird eine Anreicherung von Kunststoffen an Stränden, in Meeresstrudeln und Sedimenten beobachtet", schreibt dazu das Umweltbundesamt. Fressen Meerestiere die winzigen Partikel, gelangt das Mikroplastik im Anschluss auch auf unsere Teller.

Ursachen für Mikroplastik gibt es viele. So produziert etwa ein einzelner Waschgang mit Fleece-Kleidung rund 2000 Kunststofffasern, die nicht von den Kläranlagen gefiltert werden können. Über die Flüsse gelangen die Fasern schließlich in die Meere. Wie lange Plastik im Meer überdauern kann, zeigte jüngst auch der Fund einer alten Quark-Packung. Sie lag etwa 20 Jahre lang auf dem Boden der Tiefsee – und wirkte selbst nach dieser langen Zeitspanne noch wie neu

Unklare Wirkung auf die Gesundheit

Welche Folgen aufgenommenes Mikroplastik für den menschlichen Körper hat, ist aktuell noch unklar. Größere Partikel gelangen über den Darm wieder aus dem Körper. Die Aufnahme kleinerer Plastikstücke (weniger als 150 Mikrometer) über die Schleimhaut des Darms dürfte nach vorläufigen Schätzungen sehr gering ausfallen. Es gibt allerdings Hinweise, dass schädliche Mikroorganismen bevorzugt an Plastikpartikeln haften – mit womöglich negativen Folgen für die Meeresfauna. 

Nicht nur in Gewässern ist Mikroplastik längst omnipräsent. Auch in Staub und sogar Trinkwasser sind die kleinen Partikel nachweisbar. Das australische Forscherteam weist daher darauf hin, dass Fisch und Meeresfrüchte auch durch unsachgemäße Lagerung mit Mikroplastik kontaminiert werden können – etwa wenn zum Transport Plastikboxen oder -tüten verwendet werden. 

Quelle:Environmental Science&Technology / Umweltbundesamt / Helmholtz-Zentrum / Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

ikr

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