Projekt gegen Antisemitismus Promis werben als Hologramme an Schulen für Toleranz

In Hologramm-Videos unterhalten sich Moderator Klaas Heufer-Umlauf und die Holocaust-Überlebende Ruth Winkelmann. Foto: Jens Kal
In Hologramm-Videos unterhalten sich Moderator Klaas Heufer-Umlauf und die Holocaust-Überlebende Ruth Winkelmann. Foto
© Jens Kalaene/dpa
Prominente wie Klaas Heufer-Umlauf, Bärbel Bas und Kida Khodr Ramadan sind dabei. Bei dem Projekt an Berliner Schulen unterhalten sie sich über Demokratie und Toleranz - auf eine ganz besondere Art.

In einem dunklen Saal einer Berliner Schule unterhalten sich die Holocaust-Überlebende Ruth Winkelmann und Moderator Klaas Heufer-Umlauf. Fast könnte man das Gefühl bekommen, sie sitzen gerade tatsächlich in dem Raum. Doch die beiden sind als sogenannte Hologramme auf zwei große Videowürfel projiziert, die mitten im Raum stehen. In dem Gespräch geht es um die Erfahrungen, die die 97-Jährige als Überlebende des Holocaust gemacht hat. 

An fünf Berliner Schulen findet in dieser Woche das Pilotprojekt statt, in dem es um Demokratieförderung und Zivilcourage geht. Initiiert wurde es vom Berliner Unternehmer Nicolai Schwarzer und seinem Verein "Nie wieder ist jetzt e.V.". Rund 400 Schülerinnen und Schüler der Klassen 8 bis 10 setzen sich unter anderem über die Hologramm-Technik mit Themen wie Antisemitismus, Rassismus, Diskriminierung auseinander.

Neben Winkelmann und Heufer-Umlauf sind auch andere Prominente wie Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD), der Regierende Bürgermeister Berlins Kai Wegner (CDU), Schauspieler Kida Khodr Ramadan oder Rapper Eko Fresh bei den Gesprächen via Hologramm dabei. 

Zeitzeugin steht seit Jahren vor Klassen

Ruth Winkelmann ist seit vielen Jahren als Zeitzeugin vor Schulklassen und bei Lesungen. Das Buch "Plötzlich hieß ich Sara" handelt von ihrem Leben in der NS-Zeit. Sie wuchs in Berlin auf und überstand die Verfolgung in einer Laube versteckt. 

Wie gut wird die Erinnerungskultur funktionieren, wenn irgendwann keine Zeitzeugen mehr da sind? Das könne sie nicht sagen, so die 97-Jährige. Doch ans Aufhören scheint sie nicht zu denken. "Solange wie ich lebe, mache ich jedenfalls jede Menge Vorträge in Schulen und auch privat", sagt sie. Die Arbeit mit den jungen Menschen habe sie als sehr interessant empfunden. 

Von der Idee zu den Hologrammen 

Das Schulprojekt entstand nach einer Demonstration im Dezember 2023, die der Verein "Nie wieder ist jetzt!" nach dem Überfall der Hamas in Israel am Brandenburger Tor organisiert hatte. Dabei stellte Initiator Nicolai Schwarzer fest, dass nur wenig junge Menschen dabei waren. 

Daraufhin habe er seinen Sohn gefragt, bei wem er denn ganz genau in der Schule zuhören würde, erzählt Schwarzer. "Papa, wenn du den Lehrer austauschst und Ronaldo oder Messi da in der Klasse stehen würden, dann würde ich da schon ganz besonders zu hören und auch mitarbeiten", habe er geantwortet, so Schwarzer. Daraufhin setzte sich der Unternehmer und selbst Nachkomme von Holocaust-Überlebenden, mit der Frage auseinander wie man Promis an die Schulen bringen könnte. So kam er auf die Hologramm-Technik. 

Projekt als Teil des Unterrichts 

In einigen Unterrichtseinheiten werden die Schülerinnen und Schüler vorbereitet. Dann sehen sie die Hologramme und können sich in einem interaktiven Teil im Anschluss genauer mit Themen beschäftigen - zum Beispiel mit der Frage, wie das Leben Winkelmanns als jüdisches Kind war. 

Erarbeitet wurde das Konzept, das sich mit den Herausforderungen der Demokratie auseinandersetzt, von einer Gruppe Berliner Pädagogen rund um Carolin Kleinfeld, Koordinatorin Mittelstufe an der Evangelischen Schule Frohnau, und Lehrer Sebastian Telschow. 

Beitrag zur Erinnerung

Die technische Umsetzung sowie die Finanzierung des Projekts habe etwas mehr Zeit in Anspruch genommen, erklärt Schwarzer. Nun sei er sehr glücklich, diese Hürden genommen zu haben. Aus der Pilotphase sollen nun die gesammelten Erfahrungen ausgewertet werden. Ziel sei es, "das Projekt nicht nur in ganz Berlin, sondern auch deutschlandweit ausrollen zu können", sagte Schwarzer. Dafür sollen sich zukünftig Schulen direkt bei dem Verein bewerben können.

Können die Hologramme einen Beitrag zur Erinnerungskultur schaffen? "Es wird nie ersetzen, wenn der Mensch vor dir sitzt und mit dir persönlich interagiert, aber es wird vielleicht dazu beitragen", sagt Schwarzer. "Und ich glaube, es ist zumindest eine Hilfestellung, dass wir die Vergangenheit und Menschen in Erinnerung behalten können auf eine besondere Art und Weise."

dpa

Mehr zum Thema