Der Lahn-Dill-Kreis hat die Entscheidung, das marode Parkhaus der Kreisverwaltung in Wetzlar teils abreißen und wieder aufbauen zu lassen, gegen Kritik verteidigt. Man beabsichtige, durch einen Vergleich eine wirtschaftlich akzeptable, zügige Fertigstellung möglichst im Rahmen des bereitgestellten Budgets zu erreichen, "ohne dass weitere bauliche Folgekosten und ein jahrelanger, kostenträchtiger Rechtsstreit mit vielen Gutachtern entstehen", erklärte eine Sprecherin des Landkreises auf Anfrage.
Am Ende solcher Rechtsstreitigkeiten stehe häufig ebenfalls ein Vergleich oder es bleibe offen, ob der Kreis mögliche Forderungen überhaupt noch vollstrecken könne, so die Sprecherin zur Begründung. Zwar stehe noch nicht fest, wann der teilweise Rückbau beginnen und das Parkhaus fertiggestellt sein werde, derzeit sei aber mit einer Bauzeit "von unter 1,5 Jahren" zu rechnen.
Parkhaus wegen Frostschäden nicht nutzbar
An dem Parkhaus, das sich nach wie vor im Rohbau-Zustand befindet, hatten sich den Angaben zufolge im Januar 2024 starke Frostschäden an den Betondecken ergeben. Laut der Sprecherin seien diese entstanden, da Wasser in die Spannbetonhohldielen, aus denen die Decken des Parkhauses bestehen, eingedrungen ist. Bei starkem Frost seien neun der insgesamt elf Ebenen des erst Ende Dezember 2023 fertiggestellten Rohbaus durch Abplatzungen und Risse im Beton stark beschädigt worden.
Deshalb sei das Parkhaus mit Autos nicht mehr befahrbar. Das Parkhaus soll neu mit einem weniger schadensträchtigen Stahltragwerk errichtet werden. Zuvor hatten mehrere Medien über das Thema berichtet.
Bund der Steuerzahler will Mitverantwortung von Landkreis prüfen
Der Bund der Steuerzahler erklärte: "Wenn mit Steuergeld ein Parkhaus gebaut wird, das dann nicht genutzt werden kann und sogar wieder abgerissen werden muss, dann schrillen beim Bund der Steuerzahler natürlich die Alarmglocken." Man schaue sich genau an, "inwieweit der Kreis für die Bauruine mitverantwortlich ist und ob er alles getan hat, um den entstandenen Schaden für die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler so gering wie möglich zu halten".
Für eine abschließende Bewertung sei es noch zu früh. Die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler hätten aber "das Recht auf Transparenz und Aufklärung".
Landkreis sieht kein eigenes Verschulden
Die Kreis-Sprecherin erklärte dazu, für den Lahn-Dill-Kreis seien die Schäden unvorhergesehen eingetreten und auch von dem betroffenen Bauunternehmen "weder beabsichtigt noch gewollt gewesen". Den Lahn-Dill-Kreis treffe kein Verschulden. Allerdings habe er auch nur Handlungsmöglichkeiten im Rahmen geltender Gesetze sowie gemäß der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen.
Insgesamt sind der Sprecherin zufolge 10,2 Millionen Euro im Kreishaushalt für das Projekt eingeplant. Die ursprüngliche Kostenberechnung aus dem Jahr 2020 habe bei rund 6,2 Millionen Euro gelegen. Wegen Baukostensteigerungen sei der Betrag auf etwa 8,1 Millionen Euro fortgeschrieben worden.
Hinzu kämen "bereits entstandene und noch entstehende Zusatzkosten", unter anderem für die Sicherung des Bauwerks und die Anmietung alternativer Parkflächen. Diese noch nicht abschließend zu ermittelten "Mängelfolgeschäden" dürften sich der Sprecherin zufolge auf 1,3 bis 1,6 Millionen Euro belaufen.