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Corona und Impfung Was stimmt eigentlich an den Argumenten der Impfgegner? Zehn Behauptungen im Wahrheitscheck

Corona und Impfung: zehn Behauptungen im Wahrheitscheck
Protest trifft auf Gegenprotest: Das Thema Corona-Impfung treibt Befürworter wie Gegner seit Monaten auf die Straßen
© Frank Rumpenhorst / DPA
Hilft impfen wirklich? Sind Geimpfte genauso ansteckend wie Nicht-Geimpfte? Und sind Letztere wirklich die häufigsten Überträger des Coronavirus? Hier liefert das Faktencheck-Team des Quality Board die zehn wichtigsten Argumente für Diskussionen mit Impfgegnern und Impfbefürwortern.

Inhaltsverzeichnis

Behauptung 1: Es sind bei uns doch schon fast alle Erwachsenen geimpft! Und viele dürfen sich aus medizinischen Gründen gar nicht impfen lassen!

Derzeit sind von den 69,4 Millionen Menschen über 18 Jahren 58,36 Millionen vollständig geimpft oder gar schon geboostert (Stand: 29. Januar). 11,2 Millionen Erwachsene haben also noch keinen hinreichenden Impfschutz, darunter 2,9 Millionen im Alter von über 60 Jahren und damit mit einem besonders hohen Risiko für eine schwere oder gar tödliche Covid-19-Erkrankung.

Gibt es medizinische Gründe, die gegen eine Impfung für bestimmte Menschen sprechen? Ausdrücklich gilt das nicht für Schwangere. Daten aus den USA zeigen bei einer Gruppe von mehr als 40.000 Schwangeren bei Impfung keine häufiger auftretenden Frühgeburten oder ein zu geringes Geburtsgewicht der Neugeborenen. Und auch Daten aus Schottland bestätigen, wie sinnvoll es auch für Schwangere ist, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen: Bei etwa 145.000 betrachteten Schwangerschaften von Dezember 2020 bis Oktober 2021 waren 98 Prozent der Frauen, die wegen einer Covid-19-Erkrankung intensivmedizinisch behandelt werden mussten oder bei denen es zu einer Totgeburt kam, ungeimpft.

Und auch bei vorerkrankten Menschen ist eine Corona-Impfung sicher, wie etwa jetzt eine englische Untersuchung für Menschen mit rheumatischen Erkrankungen belegte. Weil dabei für die Impfung unter Umständen problematische Autoimmunprozesse eine Rolle spielen, waren solche Probanden bei den Zulassungsstudien nicht berücksichtigt und erst später geimpft worden. Jetzt zeigt eine Auswertung der Daten von über 5000 Patienten aus 30 Ländern, dass es selbst bei dieser Vorbelastung nur in 0,5 Prozent der Fälle zu schwereren Nebenwirkungen durch die Impfung kam. Und die Spritze wirkte auch: Nur 0,7 Prozent der vollständig Geimpften infizierten sich danach noch mit dem Coronavirus.

Aktuell empfiehlt darum beispielsweise die Weltgesundheitsorganisation WHO nur bei Menschen mit einem sehr stark geschwächten Immunsystem, bei schwerer Gebrechlichkeit oder auch schweren bekannten Allergien, vor einer Corona-Impfung medizinischen Rat einzuholen. So gut wie alle können sich also gegen Covid-19 impfen lassen und sollten das auch tun.   

Quellen: Bundesministerium für Gesundheit (BMG); Nature Medicine; Annals of the Rheumatic Diseases; World Health Organization (WHO)

Behauptung 2: Geimpfte können sich oder andere genauso leicht infizieren wie Ungeimpfte!

Der Anteil von Ungeimpften am Infektionsgeschehen hierzulande spricht für sich: In zwei Drittel bis drei Viertel der Fälle werden Neuinfektionen von Ungeimpften verursacht, so die Analyse eines Teams um den Berliner Modellrechner und Komplexitätsforscher Dirk Brockmann vom vergangenen November.

Und wie ansteckend sind Geimpfte im Vergleich zu Ungeimpften? Bei einer eben vorveröffentlichten und darum noch nicht abschließend geprüften Schweizer Untersuchung wurde beispielsweise bestimmt, wie viel infektiöses Virus beide Gruppen im Fall einer eigenen Infektion im Nasen-Rachen-Raum entwickeln. Denn dieses "lebensfähige" Virus ist die eigentliche Gefahr, nicht unter Umständen nur in Bruchstücken vorhandenes Virus-Erbgut, wie es vom PCR-Test nachgewiesen wird. Die Schweizer Gruppe fand sowohl bei Delta als auch bei der Omikron-Variante bei den Ungeimpften eine höhere infektiöse Viruslast im Nasen-Rachen-Raum als bei den Geimpften, die sich infiziert hatten. Ungeimpfte waren also ansteckender.

Quellen: Universität Genf; Humboldt-Universität Berlin

Behauptung 3: Die Corona-Impfungen schützen nicht vor der Omikron-Variante!

Doch, sie schützen auch vor dieser Mutante. Für eine neue Studie aus Hongkong wurde beispielsweise untersucht, ob die Antikörper von dreifach Geimpften das Virus ausschalten können. Bei nur zwei Impfungen mit einem der mRNA-Impfstoffe war das nämlich nicht mehr ausreichend der Fall gewesen. Der Booster aber baute den Schutz für 88 Prozent der Geimpften auch gegen Omikron auf. Und auch israelische Daten bestätigen den Schutz nach einer dritten Impfung, wenngleich der bei Omikron nicht mehr ganz so hoch ist wie gegen die Delta-Variante. Unklar ist aber noch, wie lange der Schutz anhält. Eine ja schon in Angriff genommene Anpassung der mRNA-Impfstoffe an die Omikron-Variante ist also sicher empfehlenswert. Das gilt umso mehr, weil in Israel bereits zum Teil durchgeführte vierte Impfungen mit einem herkömmlichen mRNA-Impfstoff nach ersten Daten keinen nennenswerten Vorteil mehr bringen.

Bis dahin aber bieten Drittimpfungen genügend Sicherheit. Sie schützen zwar nicht immer vor einer Infektion, wohl aber vor einer symptomatischen Erkrankung mit deutlich über 90 Prozent. Das gilt sowohl für die Impfstoffe von Astra Zeneca als auch für die von Moderna und Biontech/Pfizer. Für Letzteren kommen aus den USA frische Daten zur Wirksamkeit der Booster-Impfungen auch gegenüber der Omikron-Variante: Vor Krankenhauseinweisungen schützt der dritte Schuss demnach zu 90 Prozent. Und nach den bisherigen Daten hält dieser Schutz vor einem schweren Verlauf auch an.

Quellen: United Kingdom Health Security Agency; Centers of Disease Control and Prevention (CDC)

Behauptung 4: Die Impfung wirkt allenfalls für kurze Zeit! Dann soll immer wieder geboostert werden!

Es ist zwar richtig, dass mit dem Aufkommen der Omikron-Variante die Gefahr einer Ansteckung auch für Geimpfte deutlich zunahm und erst durch eine Booster-Impfung wieder auf ein ähnliches Niveau wie zuvor gesenkt werden konnte. Doch war das Ziel der Corona-Impfung von Anfang an nicht das Ausschließen jeglicher Infektionen, sondern der Schutz vor einem schweren Verlauf oder gar dem Tod durch Covid-19. Und für diesen Schutz sorgen nicht nur die Antikörper, deren Konzentration mit den Monaten abnimmt. Ein zweiter Arm des Immunsystems spielt ebenfalls eine wichtige Rolle, die "zelluläre Abwehr", weil er das Virus auch dann noch bekämpft, wenn es schon in Körperzellen eingedrungen ist. Dieser Schutz aber scheint erheblich stabiler zu sein als der durch die Antikörper. Das gilt auch für die Omikron-Variante. Allerdings scheint es einer Harvard-Studie nach eine kleinere Gruppe von Menschen mit einer Grundimmunisierung zu geben – etwa 20 Prozent – bei der die zweite Linie der Abwehr gegen Omikron nicht hält. Noch ein Grund also, einen angepassten Impfstoff zu produzieren, mit dem dieses Loch in der Abwehr wieder geschlossen werden kann. Ob es danach immer wieder Booster-Impfungen geben wird oder gar muss, lässt sich derzeit noch nicht abschließend sagen. Dafür ist der Beobachtungszeitraum schlicht zu kurz.

Quellen: Statens Serum Institut, Kopenhagen; Harvard University

Behauptung 5: Es braucht gar keine Impfungen! Denn Covid ist nicht tödlicher als die Grippe!

Nach aktuellen Zahlen sind 1,27 Prozent der registrierten Covid-19-Kranken in Deutschland seit Beginn der Pandemie schon gestorben. Aktuell sind es immer noch gut 0,2 Prozent, die es trifft. Nimmt man die nur schätzbare Dunkelziffer der Infizierten dazu, ist die Zahl natürlich kleiner, vielleicht um den Faktor 2 oder 3. Allein in Deutschland sind das über 117.000 Tote, weltweit fast 5,6 Millionen. Damit liegt der Anteil Verstorbener an der Gesamtzahl der diagnostizierten Fälle bereits über der, die für die Schweinegrippe-Pandemie 2009 ermittelt wurde: Etwa 0,5 Prozent waren es damals, rund dreimal so viel sind es weltweit nach den aktuellen Zahlen.  

Und selbst das entspricht nicht der wahren Zahl von Covid-19-Opfern, die – je nach den Computermodellen, mit denen die Abschätzung der nicht registrierten Fälle vorgenommen wird – schon jetzt drei bis vier Mal höher sein dürfte.

Auch auf ein Land bezogen lastet Covid-19 deutlich schlimmer als die Grippe. So zeigte sich in einer Analyse für Frankreich, dass Covid-19 in den Krankenhäusern fast dreimal so oft zum Tode führte wie eine ebenfalls im Krankenhaus behandelte Influenza. Doppelt so viele Covid-19-Patienten wie schwer erkrankte Grippe-Patienten mussten beatmet werden. Und die Liegedauer auf der Intensivstation war bei Covid-19 ebenfalls doppelt so lang wie bei der schweren Influenza.

Vor solchen Risiken gibt es nur einen Schutz: die Impfung.

Quellen: Robert Koch-Institut (RKI); Universität Oxford; The Lancet Respiratory Medicine

Behauptung 6: Auf den Intensivstationen liegen etwa so viele geimpfte wie ungeimpfte Covid-19-Kranke!

Auf den ersten Blick kann das so erscheinen. Das Register der Intensivmedizin ("Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin" - DIVI) berücksichtigt seit Dezember bei den Neubelegungen auch den Impfstatus. Dabei zeigte sich folgendes Bild: Von 5275 Intensivpatienten waren rund 60 Prozent ungeimpft, der Rest geimpft oder genesen, in 8,4 Prozent der Fälle sogar schon geboostert. Damit ist der Anteil der Ungeimpften zwar immer noch deutlich höher, aber es bleibt ein beachtlicher Teil, der geimpft worden war und trotzdem auf der Intensivstation wegen Covid-19 behandelt werden musste. Nützt die Impfung also gar nicht so viel, wie von ihren Befürwortern immer behauptet wird?

Die Antwort gibt die Mathematik. Ein Rechenbeispiel: Sind in einer Gruppe 80 geimpft, 20 aber nicht und belegt diese Gruppe dann auf einer Intensivstation insgesamt 10 Betten mit 4 geimpften und 6 ungeimpften Kranken, ist das tatsächliche Risiko einer Intensiveinweisung nicht 40 zu 60 Prozent, sondern 5 Prozent bei den Geimpften (weil 4 von 80) und 30 Prozent bei den Ungeimpften. Die tragen demnach ein 6-fach höheres Risiko für einen sehr schweren Verlauf. Zu behaupten, eine Impfung schütze nicht, weil die Zahlen auf den Intensivstationen ja von ähnlicher Größenordnung sind, ist also schlicht falsch. Und um es auf die Spitze zu treiben: Wären alle geimpft, wäre die Belegung auf Intensivstationen immer 100 Prozent Geimpfte, sobald es auch nur eine Einweisung gäbe. Trotzdem wäre der Schutz vor einem so schweren Verlauf 99 Prozent.

Das Verhältnis der absoluten Zahlen ist für sich also ohne Aussagekraft. Zudem sind nicht alle Altersgruppen gleich betroffen, da Covid-19 einen starken Alterseffekt hat

Aber selbst, wenn man alle Erwachsenen ab 18 Jahren zusammenfasst, zeigen sich sehr klare Verhältnisse. Einen solchen Eindruck bietet der "Covid Data Tracker" für die besonders hart getroffenen USA mit einer vergleichsweise geringen Impfquote. Danach war für ungeimpfte Erwachsene das Risiko einer Krankenhauseinweisung für den zuletzt ausgewerteten Monat Dezember 16-mal höher als für vollständig Geimpfte. Noch drastischer fallen die Zahlen für die Todesfälle aus, wenn Booster-Impfungen berücksichtigt werden (Daten vom November 2021): Demnach trugen Ungeimpfte ein 68-fach höheres Risiko an Covid-19 zu sterben als Geboosterte.

Quellen: RKI; CDC

Behauptung 7: Die Corona-Impfung ist ein großer Menschenversuch, weil in den mRNA-Vakzinen Substanzen sind, die für den Einsatz am Menschen noch nicht geprüft wurden!

Diese Behauptung bezieht sich üblicherweise auf zwei sogenannte Nanolipide, also Fettsubstanzen, die für kleine Kugeln verwendet werden, in die der eigentliche Impfwirkstoff eingeschlossen wird: die mRNA des Spike-Proteins, mit dem sich das Virus in Zellen einschleusen kann. Über dieses isolierte Eiweiß des Corona-Virus soll ja durch die Impfung ein Schutz vor dem kompletten Virus aufgebaut werden, ohne den vollständigen Erreger verimpfen zu müssen. Wie gut das selbst bei der neuen Omikron-Variante funktioniert, wurde schon dargestellt. Damit aber die mRNA per Impfung in Körperzellen gelangen kann, um dort eine Immunantwort der Geimpften auszulösen, muss sie gewissermaßen "geländegängig" gemacht werden. Das erlauben die genannten Nanolipide, die die mRNA in die Körperzellen einbringen.  

Die beiden Substanzen ALC-0315 und ALC-0159, hergestellt von der US-amerikanischen Firma Echelon Biosciences in Salt Lake City, seien aber nur für Laborzwecke geeignet, nicht für den Einsatz am Menschen. So jedenfalls lautet ein Vorwurf. Tatsächlich werden die beiden Substanzen im Impfstoff von Biontech/Pfizer verwendet. Wie alle anderen aber auch, waren sie natürlich Teil aller Zulassungsstudien, die vor den großen Impfkampagnen durchgeführt wurden. Der Hinweis "for research use only" bezieht sich allein auf die Labor-Variante der Lipide, die im Onlineshop der Firma bestellt werden können. Werden die Substanzen aber für die Impfstoffproduktion verwendet, unterliegen sie den dafür üblichen behördlichen Vorsichtsmaßnahmen und Kontrollen.

Quellen: Echelon Biosciences; Food and Drug Administration (FDA)

Behauptung 8: Die Corona-Impfung hat viele Nebenwirkungen!

Dabei ist zwischen erwünschten und unerwünschten Wirkungen zu unterscheiden. Denn die am häufigsten genannten Auffälligkeiten nach einer Corona-Impfung gehen zumeist auf das aktivierte Immunsystem zurück, nicht auf den Impfstoff oder irgendeine seiner Komponenten selbst. Dabei werden die Vakzine nicht nur vor ihrer bedingten oder vollständigen Zulassung geprüft. Im Zuge der "Pharmakovigilanz" – also der laufenden und systematischen Überwachung auch jener Arzneimittel, die schon im Einsatz sind – werden auch die Impfstoffe weiter überwacht und die dabei gemachten Beobachtungen analysiert. Gegebenenfalls kommt es auch zu Anpassungen der Verwendungsempfehlungen.

Der bislang letzte Sicherheitsbericht des bei uns zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts stammt vom vergangenen Dezember und fasst den Stand bis Ende November zusammen. Danach waren in Deutschland bis zum Stichtag gut 123 Millionen Dosen gegen Covid-19 verimpft worden. Pro 1000 solcher Impfungen wurden in 1,6 Fällen Nebenwirkungen gemeldet. Und in 0,2 Fällen pro 1000 Impfungen bestand der Verdacht auf schwere Impfreaktionen. Zumeist wurden Schmerzen an der Injektionsstelle, Müdigkeit, Kopfschmerzen oder ein grippeähnliches Krankheitsgefühl gemeldet, das nach wenigen Stunden oder Tagen wieder verschwunden war.

Quelle: Paul-Ehrlich-Institut (PEI)

Behauptung 9: Allein in Deutschland wurden schon fast 2000 Todesfälle gemeldet, die im Verdacht stehen, auf Corona-Impfungen zurückzugehen!

Der schon zitierte Sicherheitsbericht des PEI nennt bei mehr als 123 Millionen Impfungen in Deutschland bis zum Stichtag der Auswertung am 30.11.2021 auch Meldungen, bei denen Todesfälle in einem – weit angesetzten – zeitlichen Zusammenhang mit einer Corona-Impfung stehen könnten. Der zeitliche Rahmen, der dabei berücksichtig wurde sind 289 Tage, gezählt vom Start der Impfkampagne in Deutschland im Januar 2021. Innerhalb dieser Zeit starben 1919 Menschen, die geimpft worden waren. Auf diese Zahl beziehen sich zumeist Impfgegner oder-skeptiker. Sie besagt aber nur, dass es zwischen Impfung und Tod eine "Korrelation" gab, dass also beide in einem bestimmten Zeitraum stattfanden. Ob es einen ursächlichen Zusammenhang gab, ist eine ganz andere Frage. Das PEI ist den gemeldeten Todesfällen nachgegangen und hat dabei festgestellt, dass in nur 78 Fällen ein kausaler Zusammenhang des Todes mit der Corona-Impfung "möglich oder wahrscheinlich" ist. Es gibt also mit Blick auf eine womöglich tödliche Wirkung der Corona-Impfung in Deutschland bis Ende November 2021 nicht 1919, sondern nur 78 derartige Verdachtsfälle – bei 123.347.849 Impfungen.

Quelle: PEI

Behauptung 10: Die Impfung hat gefährliche Langzeitfolgen!

Die ehrliche Antwort: Niemand kann zu hundert Prozent ausschließen, dass es nach Jahren doch noch zu irgendeiner unerwünschten Reaktion kommt, die auf eine Corona-Impfung zurückzuführen ist. Es wäre unseriös und unwissenschaftlich, für einen Zeitraum, der noch gar nicht zu überschauen ist, so etwas sicher zu verneinen. Tatsache ist aber auch, dass solche, erst sehr spät nach einer Immunisierung auftretenden Effekte bislang bei keiner anderen Impfung beobachtet wurden. Üblicherweise treten Nebenwirkungen spätestens in den ersten Tagen oder Wochen auf.

So war es im Fall der Impfstoffe von AstraZeneca und Johnson & Johnson auch bei den wenigen beobachteten speziellen Thrombosen, die besonders Frauen im Alter unter 55 Jahren betrafen. Ganz ähnlich verhielt es sich bei den Herzmuskelentzündungen, die bei jüngeren Männern nach einer mRNA-Impfung auftreten konnten und zumeist ohne merkliche Nachwirkungen bald ausgeheilt waren. Ob es in einigen wenigen Fällen als Folge solcher Entzündungen doch noch zu späten Beeinträchtigungen kommen könnte, lässt sich nicht ausschließen, ist aber unwahrscheinlich.

Und auch das muss bedacht werden: Natürlich kann man auch nach einer Covid-19-Impfung an verschiedensten Leiden erkranken und auch daran sterben. Ob es dann allerdings einen kausalen Zusammenhang gibt oder auch nur geben könnte, ist bei der Vielzahl möglicher Ursachen und mit in ein solches Krankheitsgeschehen hineinspielender Faktoren kaum noch auszumachen. Eine Rolle spielt schließlich auch, wie wir als Einzelne eingestellt sind und mit welcher Erwartungshaltung wir auf eine Impfung zugehen oder die auch nur in Erwägung ziehen.

So zeigte eine Auswertung der gemeldeten Nebenwirkungen bei den Zulassungsstudien, dass über ein Drittel der Meldungen von Probanden kam, die gar keinen wirksamen Impfstoff erhalten hatten, sondern zum sogenannten "Placebo"-Arm der Studien gehörten, der zu Kontrollzwecken üblich ist. Dass Symptome oder Nebenwirkungen gemeldet werden, obwohl gar kein Wirkstoff verabreicht wurde, nennen Fachleute den "Nocebo"-Effekt. Es treten also körperliche Effekte ein, weil sie erwartet wurden, nicht weil sie eine fassbare medizinische Ursache hätten. Bis zu drei Viertel aller gemeldeten Impfwirkungen in den Zulassungsstudien, so zeigten weitergehende Analysen, könnten auf sich selbst erfüllende Erwartungen zurückgehen.  

Quellen: RKI; PEI; WHO; Harvard Medical School

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