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Diät und Abnehmen: Wie Sie Ihr Traumgewicht erreichen und halten

Viele wollen abnehmen, doch schnelle Diäten oder radikales Fasten sind der falsche Weg. stern hat fünf Menschen porträtiert, die ihren Lebensstil geändert haben - und ihr Traumgewicht halten.

Von Doris Schneyink und Nicole Simon

Nicole Keßler hat es geschafft: Mit der für sie passenden Methode hat sie 24 Kilo abgenommen.

Nicole Keßler hat es geschafft: Mit der für sie passenden Methode hat sie 24 Kilo abgenommen.

Er war jung, dick und glücklich. Wenn er vor dem Spiegel stand und seinen Bauch betrachtete, dachte er: "Was für ein Koffer!" Er wog 130 Kilo. Er konnte literweise Cola-Weizen trinken. Niemals wäre Felix Mörder, heute 31 Jahre, auf die Idee gekommen, abzunehmen. Er war ein überzeugter Hedonist, ein Pfundskerl, seine Frau liebte ihn so, wie er war, seine Freunde akzeptierten ihn. "Ich habe mich nie zu dick gefühlt", sagt er und schaut einen aus seinen blauen Augen an.

Felix Mörder arbeitet als Justizwachtmeister in Freiburg. Er sitzt im Besprechungsraum der Staatsanwaltschaft auf einem Plastikstuhl und isst einen Apfel. Unter seinem hellblauen Hemd zeichnet sich ein durchtrainierter Oberkörper ab. Wo einst Fett war, sind heute Muskeln - und dass das so ist, hat er dem Land Baden- Württemberg zu verdanken. "Herr Mörder, für Ihre Verbeamtung sehe ich schwarz." Gleich auf seinem ersten Lehrgang hatte seine Ausbildungsleiterin ihn mit diesem Satz begrüßt. Das war im November 2012, und für Felix Mörder brach eine Welt zusammen. Dass der Staat von seinen Dienern nicht nur Loyalität, sondern auch eine gewisse Fitness verlangt, hatte er nicht gewusst. Bei seinen 130 Kilo und 1,78 Metern spricht man von starker Fettsucht. Seine "inneren Werte" waren zwar immer in Ordnung gewesen - Blutdruck, Cholesterin, Blutzucker -, doch sein Risiko war stark erhöht, in zehn oder 20 Jahren an Diabetes, Herz-Kreislauf-Störungen oder Gelenkschmerzen zu erkranken. "Ich wollte unbedingt verbeamtet werden", sagt Felix Mörder. Er hatte die Motivation seines Lebens. 40 Kilo galt es in nur zwölf Monaten abzuspecken.

Felix Mörder, 31, Justizwachtmeister.   Ausgangsgewicht: 130 Kilo.   Zielgewicht: 90 Kilo.  Motivation: "Ich wollte  unbedingt  verbeamtet  werden"  Methode:  keine Kohlenhydrate,  kein Alkohol,  Ausdauer- und  Krafttraining

Felix Mörder, 31, Justizwachtmeister. Ausgangsgewicht: 130 Kilo. Zielgewicht: 90 Kilo. Motivation: "Ich wollte unbedingt verbeamtet werden"

Methode: keine Kohlenhydrate, kein Alkohol, Ausdauer- und Krafttraining

Und so leidenschaftlich, wie er zuvor gegessen hatte, so leidenschaftlich widmete er sich seiner Diät. Gemeinsam mit einem Trainer aus dem Fitnessstudio erarbeitete er einen Plan, seine ganz persönliche Mörder-Diät: weg mit den Kohlenhydraten, Schluss mit dem halben Liter Trinkschokolade zum Frühstück, mit den vielen Rosinenbrötchen vormittags und dem Gulasch mit Knödeln zum Mittagessen. Schluss mit der Riesenportion Spaghetti oder dem Geschnetzelten in Sahnesauce zum Abendessen. Weg mit den Chips beim Fernsehen. Stattdessen: morgens und mittags Obst und Rohkost, abends eine warme Mahlzeit - gern mit Fleisch und Gemüse, aber ohne Nudeln und Kartoffeln. Dazu viel Wasser und Tee sowie Ausdauersport und Krafttraining. Die Pfunde purzelten nur so. Gleich im ersten Monat verlor er zwölf Kilo. Nach vier Monaten konnte er zehn Kilometer beim Joggen durchlaufen; in den ersten Tagen war ihm bereits nach einer Minute die Puste ausgegangen. "Wenn mein Appetit auf Deftiges zu groß wurde, habe ich mir morgens Leberwurst auf die Möhren gestrichen", sagt er. Wurst war ja erlaubt.

Potente Dickmacher: Stress und Angst

Die Aphrodite, sein Lieblings-Work-out, benannt nach der griechischen Göttin der Schönheit, schafft er mittlerweile in 30 Minuten. Zur Aphrodite gehören 50 Burpees - das sind Liegestütze, in die man aus dem Stand hineinspringt und aus denen man blitzschnell wieder hochkommt. 50 Squats, das sind fiese Kniebeugen, und 50 Sit-ups. "Das definiert", sagt er stolz und klopft sich auf den Bauch. Er wiegt jetzt 85 Kilo.

Felix Mörder ist gelungen, was nur fünf von 100 Menschen schaffen, die abnehmen: nämlich viel Gewicht zu verlieren - und zwar dauerhaft. 95 Prozent der Diät- Kandidaten dagegen kämpfen mit dem Jo-Jo-Effekt. Und verlieren diesen Kampf. Nicht weil sie zu willensschwach wären. Sondern weil sie nach der Diät weniger Kalorien verbrennen als vorher. Dafür gibt es bislang keine überzeugende wissenschaftliche Erklärung. Die Ursachen für Übergewicht und Fettsucht sind komplex: Mindestens 50 Gene haben die Forscher identifiziert, die mit der Neigung zum Dickoder Schlanksein zusammenhängen sollen. Jeder einzelne Erbgutabschnitt trägt nicht mehr als ein paar Kilogramm zum Gewicht bei. Legen die Gene gemeinsam los, kann das schwerwiegende Folgen haben.

Als äußerst potente Dickmacher gelten auch psychosoziale Faktoren wie Stress, Ängste, Überforderung, Arbeitslosigkeit, Einsamkeit oder in der Kindheit erlernte Verhaltensmuster. Hinzu kommt eine Industrie, die die Konsumenten mit energiereichen, billigen Lebensmitteln mästet: Instant-Food, Fertiggerichte, Snacks, die zu viel Fett, Zucker und weißes Mehl enthalten.

Laut einer Studie des Robert- Koch-Instituts sind in Deutschland 23 Prozent der Männer und 24 Prozent der Frauen adipös, haben also einen Überschuss an Körperfett und damit ein stark erhöhtes Risiko, etwa an Diabetes zu erkranken. Die Zahl dieser hochgradig Übergewichtigen, also der Menschen mit einem Body-Mass- Index jenseits der 30, steigt kräftig an. Viele von ihnen laufen Gefahr, wegen der Folgen ihres Gewichts früher zu sterben.

Zucker und Fett stimulieren ähnlich wie Drogen

Diesen Menschen zu sagen: "Essen Sie gesünder", ist so, als würde ein Arzt einem Depressiven empfehlen: Lachen Sie doch mal wieder. Denn schon lange wissen Forscher, dass die Lust- und Frustzentren in unserem Gehirn auch dann ein Verlangen nach Essen auslösen können, wenn der Körper noch über ausreichend Energiereserven verfügt. Es sind die gleichen Systeme, die auch bei Süchtigen aktiv werden, wenn sie nach dem nächsten Kick gieren. "Unsere Forschung stützt die Hypothese, dass Nahrungsmittel, die reich an Zucker und Fett sind, das Gehirn in ähnlicher Weise stimulieren wie Drogen", sagt der Neurowissenschaftler und Psychologe Joseph Schroeder aus Connecticut. Gegen die Forderungen der neuronalen Gefühlszentren ist der eigene Wille oft ohnmächtig.

Also: Was machen die fünf Prozent, die es dauerhaft schaffen, anders als die anderen? Wie überlisten sie den "Setpoint"? So nennen manche Adipositas-Forscher den Sollwert, der offenbar im Gehirn des Menschen ein bestimmtes Gewicht verankert, das der Organismus - auch wenn es gegen sein Interesse ist - für sinnvoll hält und der sich nur schwer verändern lässt. Erstens: Sie lösen sich von falschen Idealen.

Nicole Keßler

glaubte lange, wahnsinnig sportlich sein zu müssen, um ihr Traumgewicht dauerhaft zu halten. Mit Weight Watchers hatte sie 24 Kilo abgespeckt, von 91 auf 67 Kilo in einem Jahr. Zu ihrem neu en Lebensstil sollten mindestens dreimal die Woche Joggen gehören plus das regelmäßige Training im Fitnessstudio. Doch immer wieder scheiterte Nicole Keßler daran, feste Sporttermine in ihrem eng getakteten Alltag mit zwei kleinen Kindern einzuhalten. "Ich bin nicht der Typ dafür", sagt sie. Nicht sie war falsch. Das Ideal war es.

Nicole Keßler, 35, Hausfrau. Ausgangsgewicht:  91 Kilo  Zielgewicht  67 Kilo  Motivation  "Ich wollte  nicht länger  unzufrieden  sein"  Methode  Weight Watchers,  Bewegung und  Belohnungen

Nicole Keßler, 35, Hausfrau. Ausgangsgewicht: 91 Kilo Zielgewicht 67 Kilo Motivation "Ich wollte nicht länger unzufrieden sein" Methode Weight Watchers, Bewegung und Belohnungen

Andere sollen sehen, wie aktiv sie ist

Nun baut die 35-Jährige auf ganz natürliche Weise Bewegung in jeden Tag ein. So oft wie möglich lässt sie das Auto stehen, fährt Fahrrad oder geht zu Fuß. Mindestens 10.000 Schritte am Tag. Schafft sie die nicht, läuft sie die Treppen in ihrem Haus abends ein paarmal extra rauf und runter. Ein smartes Armband am Handgelenk zählt mit und lädt die Daten ins Internet. Dort gibt es immer jemanden, der zuschaut. "Es spornt mich an, dass andere sehen können, wie aktiv ich bin", sagt sie. 10.000 Schritte am Tag - das klingt längst nicht so spektakulär wie ein Marathon im Jahr. Aber es wirkt. Beim Toben auf dem Klettergerüst muss sie ihren Kindern nicht mehr tatenlos von unten zuschauen. Mama klettert mit.

Zweitens: Sie lassen sich nicht blenden. Diäten sind längst Teil einer milliardenschweren Unterhaltungsindustrie geworden, ein Tummelplatz für Narzissten, Voyeure, Motivationsgurus und Geschäftemacher. "Die Super Shred Diät. 10 Kilo in 4 Wochen." "Mit sichtbaren Ergebnissen ist nach 4 - 12 Wochen zu rechnen." Das erste Versprechen stammt von dem amerikanischen Bestsellerautor und Mediziner Ian K. Smith, der aussieht wie ein Topathlet. Die zweite Prophezeiung von einem noch jungen Trend, der Kryolipolyse, in den USA auch "Coolsculpting" genannt: Fettzellen sterben dabei den langsamen Kältetod. Die Problemzonen werden in ein Gerät eingesaugt und in einem Vakuum auf minus ein Grad runtergekühlt. Das Ganze ist verrückt, teuer, macht blaue Flecken und hilft wirklich dicken Menschen nicht weiter. Aber Hauptsache, im Abnehm-Zirkus werden neue Sensationen geboten.

Volker Baitinger, 50, Versicherungsmathematiker.  Ausgangsgewicht: 103 Kilo  Zielgewicht: 90 Kilo  Motivation: "Nach fünf Kilometern  Joggen aus der  Puste zu sein fand  ich frustrierend"  Methode: lange Pausen  zwischen den  Mahlzeiten

Volker Baitinger, 50, Versicherungsmathematiker. Ausgangsgewicht: 103 Kilo Zielgewicht: 90 Kilo Motivation: "Nach fünf Kilometern Joggen aus der Puste zu sein fand ich frustrierend" Methode: lange Pausen zwischen den Mahlzeiten

Abnehmen ist eine intime Sache

Die amerikanische Website dietbetter. com verspricht mächtig Spaß beim Abspecken - "the most fun you'll ever have losing weight!" Abnehmwillige schließen eine Wette ab - zum Beispiel, dass sie gegen Danni antreten, die Gewinnerin aus NBCs Diätshow "Biggest Loser". Das Ziel des Duells: 20 Kilo in zehn Wochen. Der Einsatz: 25 Dollar. Je mehr mitmachen, desto größer ist der Pott. Je lauter, je schneller, je extrovertierter, desto besser.

Manche Menschen brauchen das. Doch die meisten brauchen Ruhe. Abnehmen ist eine intime Sache. Es geht um Gefühle, Ängste, Verletzungen. Als

Sonja Ebeling

, 45, zum ersten Mal das Adipositas-Zentrum in Hamburg-Wilhelmsburg besuchte, spürte sie, dass hier ein guter Geist herrschte. "Ich fühlte mich als Mensch wahrgenommen", sagt sie. Vor allem die Gespräche mit Ernährungsberatern und Psychologen taten ihr gut. Die Kauffrau lernte, zu verstehen, warum Essen zu ihrem Feind geworden war. "Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der nichts auf dem Teller zurückbleiben durfte", sagt sie. Sowohl ihr Vater als auch ihre Mutter hatten im Krieg Hunger erlebt. Ein Trauma. "Iss auf, Kind", hieß es zu Hause. Und Sonja aß auf. Sie war kein dickes Mädchen, aber ein kräftiges. Als Kind fühlte sie sich wohl in ihrer Haut, doch als Teenager wurde sie zunehmend unsicherer. Man muss keiner jungen Frau in Deutschland sagen, dass das Schönheitsideal vorschreibt, extrem dünn zu sein. Jedes Mädchen hat dieses Ideal längst aufgesogen - aus den Medien, den taxierenden Blicken. Die Jungs auf dem Schulhof riefen Sonja hinterher: "Was hat die denn für eine dicke Kiste!"

Fasten allein reicht eben nicht

Der Beginn einer jahrelangen Diät-Karriere. Sie probierte alles aus: Trennkost, Low Carb, Low Fat, Akupunktur, Weight Watchers. Vergeblich. Vor allem in der Schwangerschaft nahm sie stark zu und fühlte sich als Versagerin, weil sie ihr Problem nicht in den Griff bekam. Sie meldete sich im Fitnessstudio an und ging nicht hin; im Bad machte sie das Licht nicht mehr an, um sich nicht im Spiegel sehen zu müssen - Verdrängungsstrategien von Übergewichtigen. Sie wog 104 Kilo. "Ich litt unter Depressionen", sagt Sonja Ebeling.

Durch Zufall stieß sie auf das Adipositas- Zentrum in Hamburg-Wilhelmsburg. Und war bereit, sich darauf einzulassen: 52 Wochen lang regelmäßig medizinische Checks, viel Sport, Ernährungs- und psychologische Beratung. In den ersten drei Monaten müssen sich die Patienten zudem einer strengen Formula-Diät unterziehen. Das Essen wird dabei ersetzt durch fünf Trink-Shakes am Tag, die maximal 800 Kalorien enthalten - und trotzdem sämtliche Nährstoffe wie Eiweiße, Kohlenhydrate, Fettsäuren, Vitamine und Ballaststoffe. Eine Studie der australischen Universität Melbourne vom Oktober zeigt, dass solche, durchaus umstrittene, Diäten nicht weniger wirksam sind als langfristig angelegte. "Wichtig ist das Rahmenprogramm", sagt Dorit Roeper, die Leiterin des Zentrums. Fasten allein reicht eben nicht.

Sonja Ebeling verlor durch die Formula- Diät in drei Monaten 17 Kilo. "Anfangs empfand ich es schon als Entbehrung, nicht essen zu dürfen. Mir fehlte das Kauen", sagt sie. Andererseits steigerte der schnell sichtbare Erfolg ihre Motivation. Nach dem Ende der Fastenphase lernte sie, sich gesund zu ernähren: Mittags aß sie in der Kantine ihres Arbeitgebers einen Salat statt wie früher deftige Hausmannskost. Und beim abendlichen Kochen ließ sie die Instant-Saucen aus dem Supermarkt weg, die sie früher geliebt hatte. Viel zu salzig und zu fettig. Sie begann wieder Handball zu spielen und diskutierte in der kleinen Gruppe am Adipositas-Zentrum einmal wöchentlich Erfolge und Niederlagen, Probleme und mögliche Lösungen.

Nach Ablauf des Jahres hatte sie knapp 27 Kilo abgespeckt und passte wieder in die Jeansgröße 38. Vier Jahre ist das her. Und sie gehört zu jenen fünf Prozent, die ihr neues Gewicht dauerhaft halten.

Die Gesellschaft reagiert hysterisch auf Übergewichtige

Der Ernährungspsychologe Professor Christoph Klotter aus Fulda sagt: "Wir wissen genau, wie erfolgreiche Adipositas-Behandlungen funktionieren - sie brauchen Zeit und eine kompetente Begleitung. Es geht nicht um den Waschbrettbauch im Sommer 2015, sondern um den Waschbrettbauch in fünf Jahren." Das will natürlich niemand hören, weder die Dicken noch die Diät-Branche noch die Krankenkassen. Angebote wie das Adipositas-Zentrum in Hamburg sind in Deutschland selten und müssen von den Patienten finanziert werden. Fast 3000 Euro zahlte Sonja Ebeling für die 52 Wochen.

Christoph Klotter regt sich über die Ignoranz beim Umgang mit Dicksein auf: "Unsere Gesellschaft reagiert geradezu hysterisch auf Übergewichtige, wir sprechen von einer Adipositas-Epidemie, aber wir lassen die Menschen allein und setzen die simpelsten Regeln nicht durch."

So ist schon lange bekannt, dass dicke Kinder, die in einer Klinik erfolgreich abnehmen, zu Hause eine ambulante Betreuung durch Ernährungsexperten brauchen, um nicht in alte Muster zurückzufallen. "Doch es passiert nichts", sagt Klotter. "Und nach drei Jahren sind die Kinder dicker als zuvor und kommen wieder zurück in die Klinik." Ein anderes Beispiel seien Hausärzte. Die wüssten durchaus, so Klotter, dass sie ohne Ess-Protokolle ihre Diabetespatienten nicht ordentlich behandeln könnten. "Aber die Ärzte fordern sie nicht ein, weil es ihnen zu zeitintensiv ist."

Birgit Mulsow, 52, Angestellte bei der Post.  Ausgangsgewicht: 120 Kilo  Zielgewicht: 60 Kilo  Motivation: "Mein Arzt hatte  bei mir Diabetes  festgestellt"  Methode: Magenverkleinerung  durch einen Bypass

Birgit Mulsow, 52, Angestellte bei der Post. Ausgangsgewicht: 120 Kilo Zielgewicht: 60 Kilo Motivation: "Mein Arzt hatte bei mir Diabetes festgestellt" Methode: Magenverkleinerung durch einen Bypass

So werden die Patienten dicker und dicker, und wenn alles zu spät ist, bleibt als Ausweg nur noch eine Operation. Birgit Mulsow entschloss sich vor vier Jahren zu diesem drastischen Eingriff. Damals hatte der Arzt bei der 52-Jährigen Bluthochdruck und Diabetes diagnostiziert. "Mir war klar, dass etwas passieren muss, ich wollte auf keinen Fall mit der Zuckerkrankheit leben."

Sie wog 120 Kilo bei einer Größe von 167 Zentimetern und hatte es mit zahlreichen Diäten probiert. Die Krankenkassen zahlen die rund 8000 Euro für eine Magenverkleinerung nur, wenn der Body-Mass-Index über 40 liegt - das bedeutet hochgradige Fettleibigkeit. Außerdem müssen Diäten und Fitnessprogramme versagt haben. Ist ein Patient zuckerkrank, kann ab einem BMI von 35 operiert werden. Die Erfolgsaussichten sind enorm: Egal, ob der Magen zu einem Schlauchmagen verkleinert oder ein Magenbypass gelegt wird - die Patienten verlieren in den folgenden Jahren oft mehr als 50 Prozent ihres Übergewichts, so erhöht sich die Lebenserwartung. Beate Herbig, Chefärztin der Adipositas-Abteilung in der Schön Klinik in Hamburg-Eilbek, sagt: "Viele Diabetiker können als Folge des Eingriffs ihre Medikamente reduzieren oder ganz auf sie verzichten."

Viele glauben, dass eine Operation alles richtet

Am 1. Oktober 2010 trennte die Chirurgin den Magen von Birgit Mulsow wenige Fingerbreit unterhalb der Speiseröhre ab. Den neuen Magen - ein kleiner Sack, der nur noch 20 Milliliter fasst - schloss die Chirurgin an den mittleren Teil des Dünndarms an und umging so einen Teil des Darms. Folge: Die Verdauungssäfte kommen viel später mit der Nahrung in Berührung, und für die Aufspaltung der Bestandteile bleibt weniger Zeit. Der Körper nimmt deutlich weniger Kalorien auf. Nach der Operation halbierte Birgit Mulsow ihr Gewicht - 60 Kilo in 18 Monaten. Ihr Zuckerstoffwechsel normalisierte sich, die Medikamente setzte sie ab, der Blutdruck sank.

Allerdings gehen ihr durch den Magenbypass auch wichtige Eiweiße, Vitamine und Mineralien verloren, die sie nun ersetzen muss. "Die Erwartung, dass eine Operation alles alleine richtet, ist bei Patienten oft sehr hoch", sagt die Chirurgin Herbig. Dabei müssen sie auch bei dieser Methode ihr Leben umstellen - auf die Ernährung achten und sich bewegen. Doch Birgit Mulsow ist bereit, diesen Preis ihr Leben lang zu zahlen. "Ich bin superglücklich", sagt sie. Auch für die Hamburgerin Sonja Ebeling ist das Thema Ernährung nicht erledigt. Vier Jahre nach ihrem Erfolg besucht sie noch immer alle 14 Tage eine Gesprächsgruppe des Adipositas-Zentrums. "Ich habe akzeptiert, dass Übergewicht mein Lebensthema ist", sagt sie.

Und der Justizwachtmeister Felix Mörder, der so entschlossen 40 Kilo abgespeckt hat und sein Gewicht seitdem hält, macht eine merkwürdige Beobachtung: "Ich fühle mich heute dicker als früher", sagt er. "Vermutlich bin ich viel eitler geworden."

Am 1. November 2013, exakt ein Jahr nachdem ihn seine Ausbildungsleiterin gewarnt hatte, er sei viel zu dick, hatte Felix Mörder sein großes Ziel erreicht: Er legte in den Räumen der Staatsanwaltschaft Freiburg seinen Amtseid ab. "Ich schwöre, dass ich mein Amt nach bestem Wissen und Können führen, das Grundgesetz (...) und das Recht achten und verteidigen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werden. So wahr mir Gott helfe."

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Nicole Simon und Doris Schneyink