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Epidemie: Gefahr der Einschleppung von SARS ist möglich

Gesundheitsexperten sehen die Gefahr einer Einschleppung der gefährlichen Lungenkrankheit SARS nach Deutschland nicht gebannt. Dazu seien die Vorsichtsmaßnahmen an den Flughäfen nicht ausreichend.

Experten sehen geringes Ausbreitungsrisiko für Deutschland

Gesundheitsexperten sehen die Gefahr einer Einschleppung der gefährlichen Lungenkrankheit SARS nach Deutschland nicht gebannt. Der Virologe Wolfgang Preiser, der im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation fünf Wochen lang die SARS-Gefahr in Peking untersuchte, sagte am Montag im ZDF, auf Grund unzureichender Kontrollen werde nicht verhindert, dass ein schon Erkrankter an Bord eines Flugzeugs gelange.

"Bis das nicht wirklich in Ordnung kommt, werden wir mit Einschleppungen rechnen müssen", sagte Preiser. Das deutsche Gesundheitssystem sei jedoch "sehr gut vorbereitet", so dass es nicht in größerem Maß zu Sekundär-Infektionen kommen würde.

Ähnlich äußerte sich Klaus Stöhr von der Weltgesundheitsorganisation WHO. Er warnte im MDR zwar vor Reisen in asiatische Länder, gab jedoch für Deutschland Entwarnung. "Für Deutschland selbst kann man davon ausgehen, dass das Risiko sehr sehr gering ist." In Europa habe man die Infektionskrankheit nicht unterschätzt, meinte Stöhr. Alle Fälle der gefährlichen atypischen Lungenentzündung könnten schnell isoliert, erkannt und behandelt werden. Durch diese Maßnahmen lasse sich die Krankheit unter Kontrolle bringen, sagte der WHO-Experte

Preiser prognostizierte, in China müsse noch bis zu einem halben Jahr mit Erkrankungen gerechnet werden.

SARS erreicht in einigen Ländern seinen Höhepunkt

Die lebensgefährliche Lungenkrankheit SARS hat der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge in vier der am längsten betroffenen Staaten ihren Höhepunkt erreicht. Dazu gehört jedoch nicht China, das Land mit den meisten Infektionen.

In Kanada, Singapur, Hongkong und Vietnam werde nicht mit einem weiteren beträchtlichen Anstieg der Zahl der Infizierten gerechnet, sagte der WHO-Experte David Heymann am Montag Reuters. Der deutsche WHO-Virologe Wolfgang Preiser warnte vor einer Einschleppung der Krankheit nach Europa und bezeichnete die Maßnahmen an Chinas Flughäfen zur Eindämmung von SARS als unzureichend. In Genf kündigte die WHO an, Vietnam werde als erstes Land am Montag für SARS-frei erklärt. Der Schweizer Pharmakonzern Roche will nach eigenen Angaben bis Ende Juli einen SARS-Test auf den Markt bringen.

In allen Ländern, in denen am 15. März SARS-Infektionen gemeldet worden seien, sei offenbar der Höhepunkt erreicht worden, sagte Heymann. In China dagegen nehme die Zahl der Infektionen weiter zu, sagte der WHO-Experte in der thailändischen Hauptstadt Bangkok, wo sich Staats- und Regierungschefs asiatischer Länder am Dienstag zu Beratungen über die Lungenkrankheit versammeln sollten. Auf die Frage, ob er zuversichtlich sei, dass eine weitere Ausbreitung von SARS gestoppt werde könne, sagte Heymann: "Nein, sind wir nicht. Wir hoffen es." Entscheidend für die Eindämmung der Krankheit sei die Lage in China. Wenn die Krankheit dort nicht eingedämmt werde, könne ihre weltweite Ausbreitung nicht gestoppt werden.

Virologe: Kontrolle der Flugreisenden funktioniert nicht

Der Virologe Preiser, der im Auftrag der WHO China bereist hatte, äußerte sich im ZDF kritisch über die Maßnahmen in China: "Nach meinen eigenen Erfahrungen - ich bin am Samstag aus China zurückgereist - funktioniert die Kontrolle der Flugreisenden nach wie vor nicht." Es werde nicht verhindert, dass Erkrankte an Bord von Flugzeugen gelangten. "Bis das nicht wirklich in Ordnung kommt, werden wir mit Einschleppungen rechnen müssen." Wegen der hohen Qualität des deutschen Gesundheitssystems werde SARS in Deutschland jedoch keine größeren Ausmaße annehmen.

In China wurden mehr als 3100 SARS-Fälle offiziell bestätigt. Das Gesundheitsministerium teilte mit, bislang seien 139 Menschen an der Krankheit gestorben. Zeitungen berichteten, in der Hauptstadt seien etwa 7600 der rund 14 Millionen Einwohner unter Quarantäne gestellt worden, um eine Ausbreitung der Krankheit zu verhindern.

Das Schwere Akute Atemwegssyndrom (SARS) wurde zuerst Ende 2002 in Südchina beschrieben und hat sich auf mehr als 20 Staaten ausgebreitet. Weltweit wurde am Montag von mindestens 5300 Fällen und 318 Toten berichtet. Die meisten Opfer wurden in Südost-Asien registriert. In Kanada werden 21 SARS-Tote gezählt. Die Krankheit endet in offenbar mindestens sechs Prozent der Fälle tödlich. Ein Heilmittel ist nicht bekannt.

Vietnam werde am Montag von der Liste der von SARS betroffenen Länder genommen, sagte WHO-Sprecher Dick Thompson. In dem Land sind 63 SARS-Infektionen bekannt, fünf Menschen starben daran. Die letzte Infektion wurde vor drei Wochen gemeldet - dies entspricht der mehr als doppelten Inkubationszeit.

Roche teilte in Basel mit, ein SARS-Test könne bis Mitte Juni entwickelt und bis Ende Juli auf dem Markt sein. Der Pharmakonzern prüft auch, ob ein Mittel zur Behandlung von SARS entwickelt werden könnte. Die Bekanntgabe des Unternehmens wurde an den Märkten mit einem überdurchschnittlichen Anstieg der Roche-Aktien von rund zwei Prozent quittiert.

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