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Globaler Suizidbericht: Mehr Tote als durch Drogen, Aids und Verkehrsunfälle zusammen

800.000 Todesfälle jährlich - die WHO fordert alle Staaten auf, suizidgefährdeten Menschen stärker zu helfen. Doch auch die Rolle der Medien ist nach dem Tod von Robin Williams in den Fokus gerückt.

Laut WHO bringen sich jährlich 800.000 Menschen um. Sie fordert daher alle Staaten auf, mehr Prävention zu leisten.

Laut WHO bringen sich jährlich 800.000 Menschen um. Sie fordert daher alle Staaten auf, mehr Prävention zu leisten.

Alle 40 Sekunden tötet sich irgendwo auf der Welt ein Mensch. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat in Genf einen Bericht vorgelegt, der alarmiert. Weltweit bringen sich jährlich 800.000 Menschen um - noch weit mehr versuchten es. "Das ist eine riesige Tragödie", sagt WHO-Generaldirektorin Margaret Chan zur Veröffentlichung des ersten globalen Berichts zur Suizidprävention. Die Organisation ruft daher alle Staaten auf, mehr gegen die hohe Zahl von Suiziden zu tun. Größere Anstrengungen als bisher seien nötig, um gefährdeten Menschen zu helfen, forderte neben der WHO auch die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention (DGS). Chan verwies darauf, dass alle 194 Mitgliedstaaten der WHO im vergangenen Jahr einem Aktionsplan zugestimmt haben, der die Reduzierung von Selbsttötungen um zehn Prozent bis zum Jahr 2020 zum Ziel hat.

Allein in Deutschland nähmen sich laut WHO und DGS jedes Jahr rund 10.000 Menschen das Leben, rund 100.000 weitere versuchten es. "Selbsttötungen können jedoch verhindert werden", betonte Chan. Leider gebe es aber bislang in nur 28 Staaten nationale Programme zur Suizidprävention. Zu ihnen zählt auch Deutschland.

Suizide sind laut WHO im weltweiten Durchschnitt die Ursache bei 50 Prozent aller gewaltsamen Todesfälle von Männern, bei Frauen sogar bei 71 Prozent. Die Selbsttötungsrate sei bei den über 70-Jährigen am höchsten, es nähmen sich aber auch erschreckend viele junge Menschen das Leben. Suizid sei im globalen Durchschnitt bei 15- bis 29-Jährigen die zweithäufigste Todesursache. In Deutschland stürben laut der DGS ungefähr so viele Menschen durch Suizid wie durch Verkehrsunfälle, AIDS, illegale Drogen und Gewalttaten zusammen.

Medien stehen auch in der Verantwortung

Nach dem Suizid des Schauspielers Robin Williams war auch die Rolle der Medien bei der Suizidprävention erneut diskutiert worden. Eine Initiative der DGS wies der Berichterstattung einen großen Einfluss auf Folgesuizide zu. "Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass der Suizid prominenter Persönlichkeiten weitere Suizide zur Folge haben kann", wird die DGS im Deutschen Ärzteblatt zitiert. Besonders häufig würde bei Folgesuiziden die selbe Methode angewandt, sofern diese in der Berichterstattung ausführlich beschrieben würde. Auch die Nennung des Suizid-Orts könnte Nachahmer locken, merkt die DGS an.

Der WHO-Bericht wurde im Vorfeld des Welttages der Suizidprävention am 10. September veröffentlicht. Aus diesem Anlass forderte die DGS den Ausbau der Möglichkeiten zur palliativmedizinischen, leidensmindernden Sterbebegleitung in Deutschland. Die Legalisierung einer "gewerbsmäßig ausgeübten Suizidbeihilfe", wie sie derzeit in Deutschland debattiert werde, dürfe es hingegen nicht geben, erklärt Professor Armin Schmidtke, der Vorsitzende des Nationalen Suizidpräventionsprogramms für Deutschland (NaSPro).

mh/DPA / DPA

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