H5N1-Epidemie Vogelgrippe jetzt auch in der Schweiz


In der Schweiz sind die ersten Fälle von Vogelgrippe aufgetaucht. In Deutschland sind fünf weitere Wildvögel in Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern durch das H5N1-Virus verendet.

Die Vogelgrippe hat nach Angaben der Regierung in Bern auch die Schweiz erreicht. In der Region Genf und in Stein am Rhein am Bodensee habe es positive Tests gegeben, sagte ein Regierungssprecher am Sonntag. Nähere Angaben machte er zunächst nicht. Die Behörden hatten sich schon seit einigen Tagen für ein Übergreifen der Tierseuche auf Schweizer Gebiet bereitgehalten, da unmittelbar jenseits der Grenzen zu Deutschland und Frankreich der Erreger H5N1 bei toten Vögeln entdeckt worden war.

In Gebieten der Kantone Thurgau und Schaffhausen, die direkt an Baden-Württemberg grenzen, wurde bereits die Einrichtung von Schutzzonen angeordnet. Auf deutscher Seite waren zuvor weitere Vogelgrippe-Fälle entdeckt worden.

Fünf weitere Fälle in Deutschland

In Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern ist bei fünf weiteren Tieren die Vogelgrippe festgestellt worden. Damit hat sich die Zahl der Fälle in ganz Deutschland auf 124 erhöht.

Das baden-württembergische Landwirtschaftsministerium teilte in Stuttgart mit, bei einer in Öhningen am Bodensee gefundenen Tafelente und einer in Singen verendeten Ente sei das Virus H5N1 nachgewiesen worden. Noch stehe nicht fest, ob die Tiere mit dem besonders aggressiven asiatischen Typ des Erregers infiziert gewesen seien. Bei einem in Überlingen am Bodensee gefundenen Vogel war der hochpathogene Erreger festgestellt worden. In Mecklenburg-Vorpommern wurde nach Angaben der Landesregierung bei drei weiteren Tieren - zwei Schwänen und einer Gans - H5N1 nachgewiesen. Damit sind allein in dem nordostdeutschen Bundesland 117 Wildvögel nachweislich an der Tierseuche gestorben.

In der ebenfalls betroffenen Uckermark in Brandenburg wollte sich Ministerpräsident Matthias Platzeck am Vormittag ein Bild von der Lage machen. Bei zwei am Rande der Stadt Schwedt verendeten Tieren war ebenfalls H5N1 nachgewiesen worden. Brandenburg ist damit nach Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg das vierte Bundesland, in dem die Tierseuche aufgetreten ist.

Kritik vom Katastrophenforscher

Der Leiter der Katastrophenforschungsstelle der Universität Kiel, Wolf Dombrowsky (57), hat die ersten Maßnahmen zur Bekämpfung der Vogelgrippe auf Rügen kritisiert und mit dem schlechten Zustand des deutschen Katastrophenschutzes begründet. "Die Ereignisse von Rügen zeigten wieder mal, dass unser Katastrophenschutz eine einzige Katastrophe ist", sagte er der "Bild am Sonntag". Er schlug vor, eine hauptberufliche Spezialtruppe, "eine Art GSG 9 des Katastrophenschutzes" zu gründen.

Im Katastrophenschutz herrsche "Chaos und Kompetenz-Wirrwarr". "Eifersüchteleien der Länder" hätten dafür gesorgt, dass das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe so gut wie keinen Einfluss habe, sagte Dombrowsky dem Blatt.

China warnt vor massiver Verbreitung

China hat vor einer "massiven Verbreitung" der Vogelgrippe gewarnt und zwei neue Infektionen von Menschen gemeldet. Das Gesundheitsministerium berichtete, ein 9-jähriges Mädchen und eine 26-jährige Bäuerin hätten sich mit dem gefährlichen Virus infiziert. Das Mädchen aus dem Kreis Anji in der Provinz Zhejiang sei in einem kritischen Zustand. Es habe sich bei einem Besuch bei Verwandten in Guangde in der Provinz Anhui infiziert, wo Geflügel erkrankt und gestorben sei, berichteten die amtliche Medien am Sonntag. In der selben Provinz habe sich auch die Bäuerin im Kreis Yingshan angesteckt. Sie habe Kontakt zu Geflügel gehabt, das an der Geflügelseuche erkrankt und verendet sei.

Landwirtschaftsminister Du Qinglin konnte in einem Bericht an den ständigen Ausschusses des Volkskongresses «die Möglichkeit einer massiven Ausbreitung der Vogelgrippe nicht ausschließen». In 13 Provinzen sei der Erreger bereits festgestellt worden. 22 Millionen Tiere seien im vergangenen Jahr notgeschlachtet worden. Mit 15 Milliarden Tieren hält China ein Fünftel des weltweit gezüchteten Geflügels. Mehr als 30 Ausbrüche sind berichtet worden, doch befürchten Experten, dass das wahre Ausmaß nicht bekannt ist. Vielfach werden Infektionen von Tieren und Menschen wegen rückständiger Ausrüstung oder Unkenntnis gar nicht erkannt.

AP/Reuters/DPA AP DPA Reuters

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