HOME

Patzer im Champions-League-Finale: Karius-Diagnose "visuelle Dysfunktion": Was bei einer Gehirnerschütterung im Körper passiert

Liverpool-Torwart Loris Karius erlitt im Champions-League-Finale eine Gehirnerschütterung. Patzte er deshalb? Aus medizinischer Sicht wäre das nachvollziehbar.

Loris Karius weint nach dem Champions League Finale

Loris Karius nach dem Champions League Finale

Picture Alliance

Diese Szenen dürften vielen Fußball-Fans lange im Gedächtnis haften bleiben: Liverpool-Torwart Loris Karius (24) weint nach dem verlorenen Champions-League-Finale, zieht sein T-Shirt über das Gesicht, wischt sich über seine Augen. Karius wirkt fassungslos und entsetzt. Entsetzt über zwei schwere Patzer, die ihm während des Spiels passiert sind: Der Torwart will den Ball zu einem Mitspieler werfen - doch schleudert ihn direkt an den Fuß von Real-Spieler Karim Benzema, der das 1:0 für Real erzielt. Kurz vor Abpfiff rutscht Karius der Ball nach einem harmlosen Distanzschuss durch die Hände. Damit war das Schicksal seiner Mannschaft besiegelt: Liverpool verlor gegen Real Madrid mit 1:3.

Die Fußballwelt rätselt seitdem: Wie sind die Aussetzer des Keepers zu erklären? Eine mögliche Erklärung liefern nun Ärzte des Massachusetts General Hospital in Boston. Sie hatten den 24-jährigen Fußballer Ende Mai untersucht und festgestellt, dass Karius während des Spiels eine Gehirnerschütterung erlitten hatte. Real-Kapitän Sergio Ramos hatte Karius kurz vor dessen Aussetzern mit dem Ellbogen am Kopf verletzt. Der Torwart ging zu Boden. Nur zwei Minuten später passierte ihm der erste seiner folgenreichen Fehler.

Das Ärzteteam um Ross Zafonte veröffentlichte mit Karius' Einverständnis eine Mitteilung, in der es über den Gesundheitszustand des Fußballers informierte. Karius litt während des Spiels an einer "visuellen Dysfunktion", heißt es in dem Bericht. Die Dysfunktion beeinträchtigte das Sehvermögen des Spielers. Möglicherweise habe sich das auf die Leistung des Torhüters ausgewirkt, heißt es in dem Bericht.

Wie äußert sich eine Gehirnerschütterung?

Aus medizinischer Sicht wäre eine Gehirnerschütterung eine nachvollziehbare Erklärung für Karius' Patzer. Sie gilt als eine leichte Form des Schädel-Hirn-Traumas und tritt meist nach einer schlagartigen Gewalteinwirkung auf den Kopf auf. Der Schlag kann die Funktion des Gehirns vorübergehend stören -  als Grund gilt eine mechanische Reizung der Nervenfasern: Betroffene wirken mitunter benommen, sie haben Erinnerungslücken und können in Ohnmacht fallen. Auch Schwindel, Übelkeit und Kopfschmerzen können auftreten. Einige Betroffene klagen über gestörte Sinneswahrnehmungen: Sie reagieren sensibel auf Licht und Geräusche, wirken erschöpft, fahrig oder entwickeln Sehstörungen. Die Beschwerden können auch mit einigen Stunden Verzögerung auftreten.

Mit Gehirnerschütterung immer zum Arzt

Bei Verdacht auf eine Gehirnerschütterung sollte der Notarzt gerufen werden, schreibt das Fachportal "Neurologen und Psychiater im Netz". Eine Gehirnerschütterung heilt zwar meist ohne Folgen aus, kann aber zu Komplikationen führen - so ist etwa die Sturzgefahr oder das Risiko für Blutungen erhöht. Meist müssen Patienten für einige Stunden in der Klinik überwacht werden und können im Anschluss wieder nach Hause. Dann ist vor allem eines wichtig: viel Ruhe - und bei Bedarf leichte Schmerzmittel und Medikamente gegen die Übelkeit.

Einige Betroffene entwickeln nach einer Gehirnerschütterung ein sogenanntes "postkommotionelles Syndrom". Es äußert sich durch Reizbarkeit, depressive Verstimmungen, Angst oder Vergesslichkeit. Meist dauern diese Symptome für einige Wochen an, verschwinden aber wieder von selbst.

Keine bleibenden Schäden bei Karius

Für Torhüter Loris Karius stellen die Ärzte eine günstige Prognose: "Wir erwarten eine vollständige Genesung basierend auf den Untersuchungsergebnissen", heißt es in der Mitteilung des Krankenhauses. Bleibende Schäden seien nicht zu erwarten.

Karius hat sich zu dem medizinischen Bericht bislang nicht geäußert. Der 24-Jährige erholt sich derzeit von der Verletzung und ist im Urlaub - das einzig Richtige, um wieder vollständig gesund zu werden.

Training ohne Mitspieler: Hightech-Trainingsraum: Hier drillt Russland die Fußballprofis von morgen


Wissenscommunity