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Vogelgrippe: Tote Zugvögel in Deutschland entdeckt

Die Sorge vor einem Ausbrechen der Vogelgrippe in Deutschland wächst weiter. In einem See in der Nähe von Neuwied in Rheinland-Pfalz wurden 25 tote Gänse und Enten entdeckt. In Indonesien hat es einen vierten Todesfall aufgrund der Vogelgrippe gegeben.

Bei den Tieren handele es sich vermutlich um Zugvögel - Graugänse und Stockenten -, die vom Veterinär der Kreisverwaltung Neuwied sichergestellt worden seien, teilte die Polizei in Neuwied mit. Ob die Vögel womöglich an der Vogelgrippe verendet seien, soll im Landesuntersuchungsamt in Koblenz untersucht werden.

Die Europäische Union will wegen der Vogelgrippe den Import von Zier- und Wildvögeln komplett verbieten. Das Verbot soll schon von diesem Dienstag an gelten, wie Bundeslandwirtschaftsminister Jürgen Trittin am Rande eines Treffens mit seinen EU-Kollegen am Montag in Luxemburg berichtete. Außer Deutschland hatte sich unter anderem Großbritannien für ein Importverbot stark gemacht. Dort war am Wochenende das auch für Menschen gefährliche Vogelgrippevirus H5N1 bei einem verendeten Papagei in einer Quarantänestation festgestellt worden.

Globale Strategie gegen Vogelgrippe

Fachleute aus mehr als 30 Ländern berieten am Abend in der kanadischen Hauptstadt Ottawa über eine globale Strategie gegen die Vogelgrippe. Der Generaldirektor der WHO, Jong-Wook Lee, warnte, die nächste globale Grippe-Pandemie unter Menschen könne "jeder Zeit" auftreten. Die wirtschaftlichen und sozialen Kosten einer solchen Pandemie wären "riesig". Darum müssten Milliarden von Impfdosen produziert werden.

Der kanadische Gesundheitsminister Ujjal Dosanjh kritisierte den Schweizer Roche-Konzern. Die internationale Gemeinschaft sei besorgt über die Unwillen des Pharmaunternehmens, generische Versionen seines Medikaments Tamiflu zuzulassen. Millionen Menschen könnten durch Generica geschützt werden. Roche hält das Patent für Tamiflu, das die Krankheitssymptome lindern kann, noch bis 2016.

Menschen derzeit nicht gefährdet

WHO-Sprecher Fernand Sauer betonte bei einem Arbeitstreffen der Weltorganisation in Kopenhagen, es bestehe derzeit kein "ernsthaftes Problem mit Blick auf die Ansteckung von Menschen". In der Debatte werde zu oft die reale Ausbreitung einer Tierseuche mit den potenziellen Gefahren für Menschen in einen Topf geworfen, die in Europa gegenwärtig nicht betroffen seien. "Derzeit haben es unsere Kollegen in der Tiermedizin mit einer akuten Notsituation zu tun. Im Bereich der Humanmedizin ist das aber absolut nicht der Fall."

Importverbot für Ziervögel

Der Präsident des Bundesinstituts für Tiergesundheit, Thomas Mettenleiter, begrüßte das von der EU geplante Importverbot für Ziervögel. "Das macht sicherlich Sinn", sagte Mettenleiter dem Sender NDR-Info. "Wir müssen versuchen, alle möglichen Einfuhrwege für dieses Virus in die EU zu stopfen." Der Fall des in britischer Quarantäne verendeten Papageis zeige, dass es eine prinzipielle Gefährdung durch importierte Ziervögel geben könne.

Das indonesische Gesundheitsministerium teilte am Dienstag mit, es habe einen vierten Todesfall aufgrund der Vogelgrippe in dem südostasiatischen Inselstaat gegeben. Ein Labor der WHO in Hongkong habe die Todesursache des 23-jährigen Mannes aus West-Java bestätigt. Der Patient war Ende September im Krankenhaus gestorben.

DPA

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