Wien kennt sich mit dem Eurovision Song Contest (ESC) gut aus. Bereits 1967 und 2015 richtete die Stadt den beliebten europäischen Musikwettbewerb aus, derzeit folgt die dritte Auflage. Die enge Verbindung zur ESC-Geschichte wird in diesem Jahr dort auch mit einigen Ausstellungen, etwa im Haus der Geschichte Österreich und im Technischen Museum, gewürdigt. Der Blick zurück zeigt, wie sehr sich die Veranstaltung über die Jahrzehnte gewandelt hat.
1967: Glamour in der Hofburg - minimalistisch inszeniert
Die erste Wien-Ausgabe geht auf Udo Jürgens (1934-2024) zurück, der 1966 in Luxemburg mit "Merci Cherie" den damals noch "Grand Prix de la Chanson" genannten Wettbewerb gewonnen hatte. Österreich war daraufhin am 8. April 1967 erstmals Gastgeberland. Austragungsort war der Große Festsaal der Wiener Hofburg - laut einem Rückblick des "ORF" eine vergleichsweise glamouröse Kulisse, da der Wettbewerb zuvor meist in Fernsehstudios stattfand. Tickets für das breite Publikum gab es nicht, nur geladene Gäste, Delegationsmitglieder und Pressevertreter hatten Zutritt. Moderiert wurde die Gala von Schauspielerin Erica Vaal (1927-2013).
17 Länder traten an - und damit erstmals weniger als im Vorjahr. Damals galt die Regel, dass höchstens pro Auftritt maximal sechs Menschen auf der Bühne stehen durften. 1967 stellte das aber kein Problem dar: Es traten ausnahmslos Solokünstlerinnen und Solokünstler an - darunter Vicky Leandros (73) für Luxemburg. Die damals erst 17-Jährige erreichte den vierten Platz, fünf Jahre später gewann sie. Den Sieg in Wien holte Sandie Shaw (79) mit "Puppet on a String" nach Großbritannien, es war der erste Erfolg des Landes. Gastgeber Österreich, vertreten durch Peter Horton, landete auf dem 14. Platz. Der deutsche Beitrag, Inge Brück mit "Anouschka", platzierte sich auf Rang acht.
Die Inszenierung der Veranstaltung war minimalistisch: ein paar drehende Spiegel im Hintergrund, ein Standmikrofon, ein Orchester, unaufgeregte Outfits. "Melodie und Harmonie sind wichtiger als spitzfindige Effekte", fasste Kommentator Kollpacher den Ansatz zusammen. Sanftes Wippen, zum Text passende Mimik und einzelne Handbewegungen reichten aus, um das Publikum zu begeistern.
2015: "Building Bridges" in der Stadthalle
Knapp ein halbes Jahrhundert später kehrte der Wettbewerb nach Wien zurück. Nach dem Sieg von Thomas Neuwirth (37) alias Conchita Wurst mit "Rise Like a Phoenix" 2014 in Kopenhagen fand der 60. Eurovision Song Contest vom 19. bis 23. Mai 2015 in der Wiener Stadthalle statt. Das Motto lautete "Building Bridges". Durch den Abend führten Arabella Kiesbauer (57), Mirjam Weichselbraun (44), Alice Tumler (47) und Conchita Wurst.
Der Entscheidung für Wien war ein längeres Verfahren vorausgegangen. ORF und Europäischen Rundfunkunion (EBU) hatten sich bereits am 19. Mai 2014 darauf verständigt, den Wettbewerb ausschließlich in geschlossenen Hallen ohne Tageslichteinfall auszutragen. Damit waren Freiluft-Standorte wie das Wörthersee Stadion in Klagenfurt, das Gelände am Schwarzlsee oder der Flughafen Wien-Schwechat aus dem Rennen. Am 21. Juni 2014 verengte der ORF die Auswahl auf die Wiener Stadthalle, die Stadthalle Graz und die Olympiahalle Innsbruck. Die endgültige Entscheidung für Wien fiel am 6. August 2014. Die Stadthalle bot Platz für 13.500 Zuschauer.
40 Länder nahmen am Wettbewerb teil, 27 traten im Finale an - so viele wie nie zuvor. Gewonnen hat Schweden mit Måns Zelmerlöws (39) Song "Heroes". Es war der sechste schwedische Sieg, wodurch das Land in der Wettbewerbsgeschichte auf Rang zwei hinter Irland mit sieben Titeln vorrückte. Erstmals seit Einführung der kombinierten Wertung 2009 setzte sich nicht der im Televoting führende Beitrag durch - dieser kam aus Italien. Gastgeberland Österreich mit The Makemakes und Deutschland mit Ann Sophie blieben als im Finale gesetzte Teilnehmer beide ohne Punkte. Österreich wurde aufgrund der Startreihenfolge vor Deutschland platziert.
2026: Boykotte und ein Millionenbudget
Der 70. ESC findet vom 12. bis zum 16. Mai erneut in der Wiener Stadthalle statt, nachdem Johannes "JJ" Pietsch (25) mit dem Lied "Wasted Love" den Wettbewerb 2025 in Basel für Österreich gewonnen hat.
Neben Wien hatte sich auch Innsbruck mit der Olympiahalle beworben, zog aber den Kürzeren. ORF-Generaldirektor Roland Weißmann hatte bereits am Tag nach dem Finale 2025 angekündigt, den Wettbewerb in Österreich auszurichten. Der Sender führte anschließend ein zweistufiges Bewerbungsverfahren durch: Im ersten Schritt konnten Städte mit einer für acht Wochen verfügbaren Halle von rund 10.000 Plätzen Interesse bekunden. Bewerbungsschluss war der 4. Juli 2025, die Entscheidung für Wien gab der ORF am 20. August 2025 bekannt. Damit findet der ESC erstmals seit 2018 wieder in einer Hauptstadt statt.
Als inzwischen bleibendes Motto gilt auch in Wien diesmal: "United By Music". Durch die Shows führen Moderatorin Victoria Swarovski (32) und Schauspieler Michael Ostrowski (53). Emily Busvine (geb. 1996) empfängt die Acts nach dem Auftritt im Green Room. Organisiert wird die Veranstaltung vom Österreichischen Rundfunk im Auftrag der EBU. Die Stadt Wien plant mit einem Budget von maximal 22,6 Millionen Euro, das sind 5,6 Millionen Euro mehr als 2015.
35 Länder werden am Wettbewerb teilnehmen, das ist die geringste Zahl seit Einführung der Halbfinals im Jahr 2004. Irland, Island, die Niederlande, Slowenien und Spanien haben ihre Teilnahme aufgrund der Teilnahme Israels zurückgezogen. Bulgarien kehrt hingegen erstmals seit 2022, Rumänien erstmals seit 2023 und Moldau erstmals seit 2024 zurück. Weil mit Spanien ein Land der sogenannten Big Five fehlt, stehen im Finale nur 25 statt der seit 2012 üblichen 26 Teilnehmerländer auf der Bühne. Für Deutschland geht Sarah Engels (33) mit "Fire" ins Rennen.