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TV-Vorschau für das Jahr 2011 Viel Casting, noch mehr Talk, weniger Risiko


Das Fernsehprogramm wird im neuen Jahr von Casting- und Talkshows beherrscht wie nie zuvor. Spielshows werden dagegen etwas kürzer treten müssen. Und Kultur findet nur noch in Nischen statt. Viel Grund zum Feiern hat die ARD.
Von Carsten Heidböhmer

Wer weder Casting- noch Talkshows mag, wird 2011 seinen Fernseher öfters ausschalten müssen. Denn genau diese Formate dominieren das neue TV-Programm auch im neuen Jahr: Aufgrund des großen Zuschauerinteresses wird es neue Staffeln von "DSDS", "Das Supertalent" (beide RTL), "Germany's next Topmodel" und "Popstars" (beide ProSieben) geben. Mit "X Factor" hat auch Vox erfolgreich eine Castingshow etabliert, die im kommenden Jahr in die zweite Runde geht.

Auch für Talkshows war 2010 ein Boom-Jahr. Alle vier Gesprächssendungen der ARD konnten einen Zuschauerzuwachs verbuchen, auch "Maybritt Illner" konnte für das ZDF zu später Stunde satte Quoten einfahren. Ab Herbst wird im deutschen Fernsehen noch mehr geplappert: Günther Jauch drängt sich als fünfter Talk-Moderator in die ARD. Da möchte auch Sat1 nicht zurückstehen und plant eine Neuauflage von "Talk im Turm", der Mutter aller Polit-Talkshows.

Mehr Quizsendungen

Für Spielshows werden die Spielräume dagegen enger: Nach dem schweren Unfall bei "Wetten, dass..?" Anfang Dezember werden viele Sender noch vorsichtiger agieren und auf gefährliche Spiele verzichten. Dafür gibt es mehr Rateshows: Das ZDF hat bereits weitere Quizsendungen für den Hauptabend angekündigt, schon jetzt ist dort Jörg Pilawa mit seiner Show "Rette die Million!" unterwegs. Die ARD schickt Neuverpflichtung Kai Pflaume mit "Das neue Star Quiz" ins Rennen.

Das Showprogramm von ProSieben ist weiter fest in der Hand von Dieter Bohlen: Zu seinen Dauerbrennern "TV total", "Schlag den Raab" und "Schlag den Star" gesellt sich ab Ende Januar "Unser Song für Deutschland". In drei Live-Shows entscheiden die Zuschauer darüber, welchen Song Lena Meyer-Landrut im Mai beim Finale des Eurovision Song Contest singen soll. ProSieben überträgt die beiden Halbfinals, das Finale läuft dann im Ersten.

RTL setzt zu Beginn des Jahres auf einen Klassiker des schlechten Geschmacks: Nachdem "Ich bin ein Star - holt mich hier raus" 2010 ausfallen musste, schickt der Kölner Sender ab dem 14. Januar neun Prominente ins Dschungelcamp. Gesitteter wird es bei der Neuauflage der Promi-Tanzshow "Let's dance" (RTL) zugehen. Und ab Herbst werden dann bei "Bauer sucht Frau" wieder einmal Landwirte ihr Liebesglück suchen.

Das Mittelalter lockt

Im Bereich der fiktionalen Unterhaltung wird nach den Erfolgen der "Wanderhure" und des Vierteilers "Die Säulen der Erde" der Trend zu aufwendig produzierten historischen Stoffen weitergehen. Doch auch nette, kleine deutsche Serien werden ihren Platz finden: RTL bringt ab Januar die dritte Staffel von "Doctor's Diary", ProSieben bringt die 5. Staffel von "Stromberg"; Hauptdarsteller Christoph Maria Herbst darf sich daneben auf weitere Auftritte als Kommissar Kreutzer freuen. Mit Spannung darf man auf die hoch gelobten US-Serien "Glee" und "True Blood" warten, die auf den kleinen Sendern Super RTL und RTL2 Deutschlandpremiere feiern.

Und sonst? Die ARD kommt aus dem Feiern gar nicht mehr raus. Nach den groß zelebrierten Jubiläen von "Tatort" (40) und "Lindenstraße" (25) stehen 2011 wieder jede Menge Jubeltage an: Die "Sportschau" wird 50, "Musikantenstadl" 30; "Großstadtrevier" feiert seinen 25., "Panorama" seinen 50. Geburtstag. Und der "Tatort" kommt auch im neuen Jahr nicht ohne rundes Jubiläum aus: Die 800. Folge steht vor der Tür. Der "Polizeiruf 110" hat ebenfalls Grund zum Feiern: Er wird 40. Beide Krimiserien führen neue Ermittler ein, der "Tatort" schickt Stefan Gubser und Sofia Milos in Luzern auf Sendung, Sibel Kekilli wird ab Herbst offiziell Axel Milberg zur Seite gestellt, und Nina Kunzendorf und Joachim Król nehmen in Frankfurt ihre Arbeit auf. "Polizeiruf 110" bringt mit Matthias Brandt und Anna Maria Sturm ein neues Münchner Gespann an den Start, und Maria Simon wird künftig für den RBB ermitteln.

Die Hochkultur findet fast ausschließlich in den Nischen statt: 3Sat wird sich den großen Jubilaren des neuen Jahres widmen und setzt Schwerpunkte zu Gustav Mahler (100. Todestag) und Heinrich von Kleist (200. Todestag), daneben gibt es Reihen zu Themen wie "Amour Fou" und "Film, Food and Taste". Auch Arte bringt einige interessante Filmreihen, während der Berlinale etwa zum Thema "Schwul-lesbisches Kino", im März stehen unter dem Titel "Das große Schaudern" ausgewählte Horrorfilme auf dem Programm. In Themenabenden widmet man sich 100 Jahren Hollywood oder dem französischen Musike Serge Gainsbourg. Ganz abschalten muss den Fernseher 2011 also keiner: Casting- und Talkshow-Muffel mögen hier ein Asyl finden.

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