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Nina Hoss: Wer hat schon einen Vater, der sich ankettet?

Sie zählt zu den besten deutschen Schauspielerinnen. Und hatte als Tochter des Gewerkschaftsrebellen und Grünen-Mitbegründers Willi Hoss eine filmreife Kindheit. Ein Gespräch mit Nina Hoss über Leben und Sterben ihres Vaters, Antje Vollmers miese Tricks und den Kampf um einen Mars-Riegel.

Frau Hoss, ein Jahr nach dem Tod Ihres Vaters sind jetzt seine Memoiren erschienen, die Sie diesen Sonntag im Deutschen Theater in Berlin vorstellen. Warum kommt die prominente Tochter in dem Buch kaum vor?

Privates öffentlich zu machen wäre meinem Vater nie eingefallen. Meine Mutter und ich haben ihn zu dem Buch überredet, weil sein Lebensweg unglaublich beeindruckend ist: Hitlerjunge, 25 Jahre KPD, Gewerkschaftsrebell, Betriebsrat bei Daimler-Benz, Mitbegründer und Fraktionssprecher der Grünen und mit 62 dann Entwicklungshelfer in Amazonien.

Sie sind Jahrgang 75. Was sind Ihre frühesten Erinnerungen an den Politiker Willi Hoss?

Ich saß mit ihm auf Parteitagen der Grünen an diesen wahnsinnig langen Tischen. Wenn nicht gerade Udo Lindenberg auftrat, war das ziemlich langweilig, weil man ruhig sein musste. Aufregend fand ich nur, dass ich bei Abstimmungen immer seine Stimmkarte hochhalten durfte. Bei den Blockaden gegen die Raketennachrüstung Anfang der 80er hatte ich furchtbare Angst, wenn ich sah, wie die Polizeimacht meinen Vater an den Armen abschleppte und in ein vergittertes Auto verfrachtete. Ich wäre am liebsten dazwischengegangen. Er ist ja auch nachts in amerikanische Kasernen eingestiegen und hat da Schafe reingetrieben. Die Soldaten hätten auf ihn schießen können, das wäre ihr Recht gewesen.

Sie waren acht, als Ihr Vater 1983 in den Bundestag einzog. Beeindruckte Sie das?

Ich bin ab und zu mitgefahren, um mir eine Sitzung des Bundestags anzuschauen. Das hat mich nicht außerordentlich beeindruckt. Erst als mein Vater im Flick-Untersuchungsausschuss Helmut Kohl verhörte, fand ich das wahnsinnig spannend: Der Kohl muss meinem Vater Rede und Antwort stehen - unglaublich!

1984 kettete sich Ihr Vater in Ankara am Denkmal von Atatürk an, um für die Rechte der Kurden zu demonstrieren. Wussten Sie als Kind von seinen Vorhaben?

Ja, aber ich begriff die Gefahr nicht, denn ich hatte keine Ahnung, dass in der Türkei systematisch gefoltert wurde. Ich war bei seinen Aktionen immer gespalten. Einerseits nahm ich sie ihm übel und sagte mir: "Spinnt der eigentlich? Wenn er stirbt, habe ich keinen Papa mehr!" Andererseits war ich natürlich wahnsinnig stolz, denn wer hat schon einen Vater, der sich mit Petra Kelly und Gert Bastian in der Deutschen Botschaft in Pretoria ankettet, um gegen deutsche Konzerne zu demonstrieren, die mit dem Apartheidsstaat Geschäfte machen?

In dem Buch heißt es, Sie mussten neun Jahre mit demselben Schulranzen rumlaufen. Waren Ihre Eltern Konsumfeinde?

Es gibt eine Szene, aus der man ersehen kann, wie es bei uns so abging: Mit fünf stand ich mit meiner Mutter an der Supermarktkasse und wollte ein Mars haben. Als meine Mutter mal wieder zu Erklärungen anheben wollte, schrie ich: "Ich kann das Wort "verzichten" nicht mehr hören!" Meine Mutter musste loslachen, und ich bekam mein Mars.

Ihr Vater, erst Landarbeiter, dann Schweißer, ist in der politischen Kaste stets ein Fremdling geblieben. Haben Sie seine Nöte gespürt?

Er hat nie viel von sich gesprochen, aber es war mir klar, dass ihm Kungeleien, Egomanie und Machtmenschen nicht liegen. Seine jungen studierten Assistenten kamen morgens um neun in sein Büro und sagten: "So, Willi, heute müssen wir dich mit irgendwas in die Zeitungen bringen." Diese Art und Weise der Arbeit lag ihm nicht. Er konnte sich nicht d amit abfinden, dass man als Politiker anscheinend bestimmte Verhaltensweisen annehmen muss, um für Öffentlichkeit zu sorgen.

Nelson Mandela sagte bei einem Staatsbesuch zu Ihrem Vater: "Im Gefängnis habe ich die Entwicklung der Grünen verfolgt und mir immer eine Frage gestellt, die Sie mir vielleicht beantworten können. Warum haben sie sich nicht ordentlich angezogen, wenn sie ins Parlament gingen? Warum zogen sie keine Krawatte an?"

Mandela konnte schlecht wissen, dass das Äußere damals ein politisches Statement war. Es war für meinen Vater wichtig zu sagen: "Wir sind vom Volk gewählt, so, wie wir sind. Uns sind die Inhalte wichtig und nicht die Kleidung, die wir tragen." Das hatte damals eine Kraft. Deshalb gab es viele bunte Vögel, die im Parlament nur mit Turnschuhen und Schlabberpullis rumliefen. Mein Vater war immer ordentlich mit Jackett angezogen, nur Krawatten mochte er einfach nicht. Den ersten Smoking seines Lebens trug er, als ich 1996 auf dem Münchner Filmball eingeladen war. Weil es ihn Überwindung kostete, haben wir erst mal Witzfotos gemacht, wie er als Agent 007 im Smoking posiert.

Ihr Vater behauptet, Antje Vollmer habe ihm als gleichberechtigte Fraktionssprecherin systematisch Herrschaftswissen vorenthalten. Er schreibt: "Ich war unfähig, gegen solche kleinen Tricks zu protestieren, weil ich mich einfach schämte - für mich, dass mich das so stört, und für sie, dass sie das tut."

Er hat lange überlegt, ob er das öffentlich machen soll. Ich habe ihm zugeraten, denn es ist wichtig, dass wir erfahren, mit welchen Waffen diese Menschen arbeiten, nur um in der Öffentlichkeit glänzen zu können. Dass es ihnen nicht um die Sache ging, war meinem Vater völlig fremd. Er war gewohnt, in einer Gruppe zu agieren, und war auf dies en plötzlich herrschenden Individualismus nicht eingestellt. Wegen seiner Arglosigkeit wurde er auch überrascht von den Seilschaften seiner angeblich besten Parteifreunde bei der Kandidatenaufstellung 1990. Die Listenplätze waren schon längst im Vorfeld ausgekungelt worden. Er hat sich dann zurückgezogen.

Zu den Aktivisten, die morgens um 5.30 Uhr vor den Werkstoren von Daimler die Kampfschriften Ihres Vaters verteilten, zählte auch Joschka Fischer. Wie beurteilen Sie seine Entwicklung?

Ihm ist sein persönlicher Machterhalt so wichtig, dass er auf dem besten Wege ist, wesentliche Inhalte der Grünen durch Kompromisse auszuhöhlen und das auch noch als Erfolg zu verkaufen. Das ist der Unterschied zu meinem Vater, der peinlichst genau darauf geachtet hat, den Bezug zur Basis nicht zu verlieren. Schade eigentlich, denn ich habe mal viel von Fischer gehalten.

Warum fehlte bei der Beerdigung Ihres Vaters die grüne Prominenz?

Weil sie ein schlechtes Gewissen haben oder nicht mehr wahrhaben wollen, wie wichtig Willi Hoss für die Grünen war. Reinhard Bütikhofer war zwar da, aber er war nicht fähig, uns persönlich zu kondolieren. Rezzo Schlauch beschwerte sich in einem Zeitungsartikel auch noch, dass mein Vater ihn nicht mehr mochte - folglich man anscheinend weder zur Beerdigung kommen noch wenigstens einen Kondolenzbrief schicken muss. Das zeigt mir, wie klein die in ihrer Persönlichkeit sind, Piefke. Man muss doch die Verdienste eines Menschen über den persönlichen Kleinkram stellen. Wären da nicht Leute gewesen wie Lukas Beckmann, der zweimal aus Berlin angereist kam, um meinen Vater in den letzten Tagen zu begleiten, hätte ich wahrscheinlich meinen Glauben an die Menschheit verloren.

Über Ihre scheinbar mühelose Karriere als Schauspielerin prophezeiten Sie vor zwei Jahren: "Mein erster Bruch wird kommen, wenn ein Elternteil stirbt. Das wäre elementar."

Genau das ist eingetreten. Ein Loch, das man nicht stopfen kann und das unsagbar schmerzt. So starke Emotionen habe ich vorher noch nie erlebt. Das trage ich in mir, und davon werde ich zehren.

Woran ist Ihr Vater gestorben?

Prostatakrebs, durch Schlamperei von Ärzten leider zu spät entdeckt. Bis auf zwei Vorstellungen habe ich am Theater alles abgesagt und war zwei Monate jeden Tag bei ihm im Krankenhaus in Stuttgart. Meine Mutter und ich schliefen neben ihm auf dem Boden auf einer Isomatte, immer abwechselnd. Ich bekam jede Phase mit, und das vergisst man nie. Ich habe ihn noch einmal anders kennen gelernt, in der ganzen Reinheit seines Wesens. Als er nach einem Schlaganfall nach den richtigen Worten suchen musste und sich dann komisch ausdrückte, musste er über sich selber lachen. Das hat mich unwahrscheinlich beeindruckt, dass er sich selbst von dieser schweren Krankheit seinen Humor nicht hat nehmen lassen.

Haben Sie den Moment des Sterbens erlebt?

Wir haben ihn nach Hause geholt, weil er bei uns sterben sollte. Er hat dann noch eine Woche gelebt. Ausgerechnet in dieser Zeit hatte ich zwei Vorstellungen in Berlin. Meine Mutter rief mich nachts um vier an und sagte: "Sprich noch mal mit ihm. Ich habe Angst, dass er die Nacht nicht schafft." Ich sagte ihm am Telefon: "Papa, ich nehme morgen früh die erste Maschine. Warte auf mich!" Und er hat gewartet. Als ich an sein Bett trat, gab er einen kleinen Seufzer der Erleichterung von sich, wie ein Zeichen. Meine Mutter und ich wuschen sein Gesicht und cremten ihn ein, wie wir es immer taten. Nach einer Stunde kam ein letzter langer tiefer Ausatmer - und er war tot. Ich habe keine Sekunde das Gefühl, etwas Wichtiges verpasst oder ihm nicht gesagt zu haben. Das macht mir seinen Tod ein bisschen leichter.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(