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Schlangenähnlicher Fisch: Aale sind vom Aussterben bedroht - nun haben sie noch ein Kokain-Problem

Aale sind eine bedrohte Fischart. Nun haben die schlangenartigen Fische noch ein weiteres Problem: In Flüssen landen immer mehr Drogenrückstände, die sich in den Fettdepots der Tiere ablagern. Dadurch wird die Tausende Kilometer lange Reise durch die Meere zur tödlichen Gefahr.

Für Aale sind die Kokainrückstände in Flüssen ein Problem

Für Aale sind die Kokainrückstände in Flüssen ein Problem

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Aale waren früher beliebte Speisefische. In einigen Regionen landen sie immer noch häufig auf den Tellern, obwohl ihr Bestand in freier Wildbahn seit den 1970ern rapide sinkt. Dafür gibt es mehrere Gründe: Dämme, Flussverbauungen und Wasserkraftwerke schränken den Lebensraum ein, zugleich wird der Bestand durch Überfischung reduziert. Nun taucht vermehrt ein weiteres vom Menschen gemachtes Problem auf, das für die sowieso schon vom Aussterben bedrohten Aale zum Problem wird: .

Kokain flutet Europas Flüsse

Aale werden im Ozean geboren, wandern dann aber Tausende Kilometer, bis sie sich in Flüssen niederlassen. Von denen sind aber immer mehr mit und dessen Abbauprodukten verseucht: Einer Studie aus dem Jahr 2009 zufolge befinden sich in Gewässern rund um Brüssel 753 Nanogramm Kokain pro Liter Wasser. Rund um spanische, niederländische und britische Metropolen ist die Konzentration ähnlich hoch, in deutschen Städten fallen zudem erhöhte Rückstände der Droge MDMA - auch bekannt als Ecstasy - auf.

Biologen von der Neapel haben festgestellt, dass sich das verheerend auf die dort lebenden Aale auswirkt. In einem Versuch lebte eine Aal-Kontrollgruppe 50 Tage lang in Wasser mit einer Konzentration von 20 Nanogramm Kokainlösung pro Liter. Aale verfügen über einen besonders hohen Fettanteil, sodass sich das Rauschmittel besonders gut im ganzen Körper festsetzen konnte - sogar im Gehirn, den Muskeln und in den Kiemen.

Aale werden hyperaktiv

Die wurden daraufhin hyperaktiv. Der Hormonhaushalt geriet durcheinander, der Darm verdickte sich. Einige Muskelzellen schwollen an oder bauten sich sogar ab. Selbst nach einem zehntägigen Entzug blieben die Folgen dramatisch.

Außerdem nimmt die Menge des die Tiere umgebenden Hautschleims ab, das zeigte sich schon 2015 in einem Experiment. Dadurch werden die Fische anfälliger für Parasiten. "Alle Grundfunktionen dieser Tiere wurden verändert", schreibt Anna Capaldo, Biologin an der Universität und leitende Wissenschaftlerin der Studie. Weil Aale für die Fortpflanzung zurück in die Ozeane schwimmen müssen, überstehen einige der durch das Kokain geschwächten Tiere die Tausende Kilometer lange Reise nicht.

Da der Drogenkonsum in den Großstädten vermutlich nicht zurückgehen wird, hoffen die Forscher, dass Drogenrückstände in Zukunft besser von den Klärwerken aus dem Abwasser gefiltert werden.

Ein Biber sitzt im flachen Wasser und hält sich mit den Vorderpfoten einen Ast vor sein Maul
cf