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Erdbeben im Iran: Retter stellen Suche in den Trümmern von Bam ein

Im iranischen Erdbebengebiet haben die Rettungsteams die Suche nach Überlebenden aufgegeben. Es wird nicht ausgeschlossen, dass die Zahl der Opfer bis auf 40.000 steigen könnte.

Im iranischen Erdbebengebiet haben die Rettungsteams die Suche nach Überlebenden aufgegeben und konzentrieren sich jetzt auf die Versorgung der Verletzten und Obdachlosen. UN-Koordinator Ted Peran erklärte am Dienstag, aus den Trümmern der Stadt Bam und der umliegenden Dörfer seien bislang 28.000 Tote geborgen worden. Es wurde nicht ausgeschlossen, dass die Zahl der Opfer bis auf 40.000 steigen könnte. Der iranische Präsident Mohammad Chatami dankte den USA und anderen Ländern öffentlich für ihre Unterstützung.

Mindestens 12.000 Verletzte

"Es gibt immer noch Hoffnung, weitere Überlebende zu finden, aber das Zeitfenster schließt sich jetzt sehr schnell", sagte Peran. Zuletzt war am Montag in Bam ein zwölfjähriges Mädchen lebend geborgen worden. Da viele der traditionellen Lehmhäuser bei dem Erdbeben völlig zerfielen, bestand jedoch von Anfang an wenig Hoffnung, dass in den Trümmern genügend Hohlräume zum Atmen blieben. Die Zahl der Verletzten gab das iranische Gesundheitsministerium mit mindestens 12.000 an.

Hilfskräfte ziehen ab

Peran zufolge waren in den ersten Tagen nach dem Beben rund 1.700 Helfer aus 30 Ländern in Bam zusammen gekommen. Bis Dienstag sank die Zahl auf etwa 1.500, nachdem sieben Rettungsteams abgereist waren. Das Moskauer Ministerium für Notfälle erklärte, die 150 russischen Rettungskräfte würden in Kürze abgezogen. Schon am Mittwoch werde jedoch ein Flugzeug mit neuen Hilfsgütern ins Katastrophengebiet entsandt.

Auch das THW kehrt zurück

Auch die deutschen Suchmannschaften samt ihren Hunden traten den Rückflug an, wie das Technische Hilfswerk (THW) mitteilte. Es war ihnen nicht gelungen, in Bam Verschüttete lebend aus den Trümmern zu bergen. Im Bebengebiet blieben 13 THW-Spezialisten für Trinkwasser-Aufbereitung zurück.

Großzügige Hilfe der USA

Die USA verstärkten ungeachtet der politischen Differenzen mit Iran ihre humanitäre Hilfe. 80 Helfer mit medizinischen Versorgungsgütern trafen in Bam ein. Die Vereinigten Staaten gehörten neben den Nachbarländern am Golf zu den großzügigsten Helfern, erklärte der Sprecher der Provinzregierung, Asadollah Iranmanesch. US-Außenminister Colin Powell äußerte Hoffnung auf eine Verbesserung der Beziehungen zu Teheran.

Baldiger Wiederaufbau geplant

Dieser Hoffnung erteilte Chatami eine Absage. "Humanitäre Themen sollten nicht mit tiefen und chronischen politischen Problemen vermischt werden", sagte er. Wenn die US-Regierung ihre Haltung und ihren Ton ändere, würden sich die Beziehungen verändern. Das iranische Kabinett hatte zuvor in einer Sondersitzung über den Wiederaufbau Bams beraten. "Wir hoffen, dass die Stadt in den kommenden ein oder zwei Jahren wiederaufgebaut wird", erklärte Chatami.

Finanzhilfen der Golfstaaten

Die sechs Staaten des Golf-Kooperationsrats (GCC) sagten Iran dafür Finanzhilfen im Gesamtwert von umgerechnet 320 Millionen Euro zu. Der geistliche Führer Irans, Ayatollah Ali Chamenei, versprach eine Soforthilfe von einer Milliarde Rial (gut 100.000 Euro).

UNICEF bereitet Schulunterricht vor

Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF bereitete derweil die Aufnahme eines provisorischen Schulunterrichts im Erdbebengebiet vor. Die deutsche Sektion in Bonn erklärte, zahlreiche Kinder im Katastrophengebiet seien nach den schrecklichen Erfahrungen traumatisiert. Um ihnen psychischen Halt zu geben und eine schnelle Rückkehr in einen normalen Alltag zu ermöglichen, sei die Schaffung von Notschulen geplant.

DPA