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Fall Marco W.: Anwälte wähnen Marco W. in Lebensgefahr

Ein starkes Signal an das Gericht: Die Anwälte des in Antalya inhaftierten Marco W. bereiten derzeit den Gang vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte vor. Ihrer Ansicht nach befindet sich Marco in Lebensgefahr.

Wegen der andauernden Untersuchungshaft des deutschen Schülers Marco in der Türkei bereiten die Anwälte den Gang zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg vor. "Es geht bei diesem Schritt um ein Zeichen an das Gericht in Antalya", sagte Marcos Anwalt Michael Nagel. Bis zu diesem Donnerstag werde in Antalya Beschwerde gegen die Haftverlängerung eingelegt. Die Richter müssten darauf binnen drei Tagen reagieren. "Sobald negativ über die Beschwerde entschieden ist, rufen wir den Gerichtshof an." Der 17-jährige Marco sitzt unter dem Vorwurf des sexuellen Missbrauchs einer 13-jährigen Britin seit April in der Türkei in Untersuchungshaft.

Empfehlung an konkrete Lebensgefahr gebunden

Konkret wollen die Anwälte versuchen, eine sogenannte einstweilige Empfehlung des Gerichtshofs an das Gericht in Antalya zu erwirken mit dem Ziel, Marco vor der Haft zu verschonen. "Die Empfehlung ist an eine konkrete Lebensgefahr gebunden", erklärte Nagel. Anknüpfungspunkt solle Marcos angeborene schwere Neurodermitis sein. Es sei bekannt, dass psychischer Druck die Krankheit verstärken könne. Dies könne in Stresssituationen wie der sich zuspitzenden Lage vor Gericht lebensbedrohliche Folgen haben, sagte Anwalt Nagel.

Die Richter in Antalya hatten am vergangenen Freitag erneut einen Antrag auf Freilassung abgelehnt und den Prozess vertagt - unter anderem, weil das offizielle Vernehmungsprotokoll der in England befragten 13-Jährigen noch nicht vorlag. Die maximale Dauer der Untersuchungshaft beträgt in der Türkei ein Jahr, bei schweren Vergehen zwei Jahre.

Marco und das britische Mädchen Charlotte hatten sich während des Osterurlaubs im südtürkischen Badeort Side kennengelernt. Nach einem gemeinsamen Disco-Abend landeten beide mit anderen Jugendlichen in Charlottes Hotelzimmer. Dort sei es auf Initiative der Britin, die sich zudem als 15-Jährige ausgegeben habe, zu Zärtlichkeiten gekommen, erklärte Marco später. Nach einer Anzeige der Mutter wurde Marco noch im Hotel festgenommen. Der Prozess gegen ihn soll am 20. November fortgesetzt werden.

DPA / DPA