Fastnacht Narren mobilisieren letzte Kräfte


Zum Ende des Karnevals haben mehrere hunderttausend Närrinnen und Narren noch einmal alles gegeben und bei Fastnachtsumzügen ausgelassen gefeiert. Die Faschingsbilanz der Polizei fiel allerdings in vielen Städten betrüblich aus.

Hunderttausende Narren haben an Fastnacht den Karneval auf den Straßen ausklingen lassen. In München begingen die Marktfrauen das Faschingsende mit ihrem traditionellen Tanz auf dem Viktualienmarkt. In Rheinland-Pfalz säumten mehr als 100.000 Menschen die Strecken der Umzüge unter anderem in Bad Dürkheim, Ramstein und Neuwied. Allein 200.000 Schaulustige kamen zum Fastnachtsumzug in die Stuttgarter Innenstadt. Auch in anderen Städten Baden-Württembergs, etwa in Karlsruhe, in Villingen-Schwenningen im Schwarzwald oder in Rottweil mobilisierten die Narren noch einmal alle Kräfte.

Als sich in Frankfurt-Heddernheim um 14.31 der Zug auf den Weg machte, hatten sich bereits weit über 100.000 Menschen an der Strecke eingefunden. In vielen Städten Hessens wie Dieburg, Babenhausen und Lorsch wurden ebenfalls Hunderttausende zum Ausklang des Straßenkarnevals gelockt. Im nordrhein-westfälischen Mönchengladbach sahen sich am "Veilchendienstag" bei Sonnenschein zehntausende Jecken den letzten Umzug des Rheinlands an.

Betrübliche Bilanz der Polizei

In Köln und Düsseldorf wurde die Stimmung durch die Karnevalsbilanz der Polizei ein wenig getrübt: In den rheinischen Hochburgen ging es an den tollen Tagen diesmal brutaler zu als in früheren Jahren. So registrierte die Düsseldorfer Polizei von Weiberfastnacht am Donnerstag bis zum Veilchendienstag 195 Körperverletzungen - im Vorjahr waren es nur 112. "Bei der Gewaltbereitschaft hat sich schon etwas verändert. Früher wäre es in vielen Fällen bei Wortgefechten geblieben", sagte ein Polizeisprecher.

In Köln lag die Zahl der Körperverletzungen während der Karnevalstage sogar bei 347. "Wir haben eine erheblich gestiegene Zahl der Körperverletzungsdelikte", sagte eine Polizeisprecherin, allerdings ohne eine konkrete Vergleichszahl zu nennen. Der schlimmste Tag in Köln war Weiberfastnacht, als ein Familienvater von Schlägern lebensgefährlich verletzt wurde. Am Rosenmontag fielen der Polizei mehrere Überfälle in der Altstadt auf, bei denen die Opfer aus einer Gruppe heraus angesprochen und dann ohne Vorwarnung geschlagen wurden. Außerdem verletzte ein Messerstecher in einer S- Bahn eine 42-jährige Frau.

Die Bundespolizei nahm am späten Rosenmontag in Düsseldorf einen sturzbetrunkenen Karnevalisten und seinen zwei Jahre alten Sohn in Gewahrsam. Der 52-Jährige war mit dem Kleinkind auf dem Arm und 2,2 Promille Alkohol im Blut durch den Hauptbahnhof getorkelt. Insgesamt waren in Düsseldorf mehr als 600 Erwachsene und Jugendliche so betrunken, dass sie in Krankenhäuser gebracht werden mussten. Über 450 Ärzte, Sanitäter und Feuerwehrleute waren im Einsatz.

Körperverletzungen und Beleidigungen

In Dortmund trübten drei brutale Überfälle auf der Straße die Rosenmontagsbilanz. An einer belebten Straßenbahnhaltestelle in der Innenstadt wurde am Montagabend ein 17-Jähriger von sechs Jugendlichen zu Boden gestoßen und getreten, ohne dass ein Passant einschritt oder Hilfe holte. Ebenfalls in der Innenstadt beleidigten am frühen Dienstagmorgen zwei Betrunkene einen 34-jährigen Schwarzafrikaner mit ausländerfeindlichen Sprüchen, bevor sie auf ihn einschlugen. In einem Vorort schlugen und traten zwei Jugendliche einen 16-Jährigen und raubten ihn aus. Die Rosenmontagszüge im Ruhrgebiet verliefen nach Einschätzung der Polizei jedoch weitgehend friedlich.

Im Mainz landeten nach den Rosenmontagsfeiern 36 Menschen wegen Körperverletzungen und Beleidigungen vorübergehend in Gewahrsam. Die meist ehrenamtlichen Helfer der Rettungsdienste verzeichneten rund 477 Einsätze.

Die Jecken in Köln und Düsseldorf hinterließen während der tollen Tage bergeweise Müll. In Köln wurden seit Weiberfastnacht 1358,5 Kubikmeter Unrat beseitigt, in Düsseldorf rund 1000 Kubikmeter. In Mainz beseitigten die Müllwerker nach den Feiern rund 75 Tonnen Abfall aus den Straßen.

DPA DPA

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