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Ausgekügelte Grenzanlagen: So schottet sich Europa ab

Hohe Zäune, enge Maschen, der berüchtigte Nato-Stacheldraht - mehrere Länder versuchen durch ausgeklügelte Grenzanlagen die Zuwanderung von Flüchtlingen aus Krisengebieten zu verhindern. 

Von Beke Detlefsen

Dicke Mauern, hohe Zäune, Nato-Stacheldraht - Europa schottet sich ab gegen Migranten und Flüchtlinge

Ein provisorischer Grenzzaun trennt Serbien und Ungarn. Am gerollten Stacheldraht sind rasiermesserscharfe Schneiden befestigt: der sogenannte Nato-Draht

Ein vier Meter hoher Metallzaun, gespickt mit messerscharfem Stacheldraht - 175 Kilometer lang wird er am Ende sein, der neue Grenzzaun in Ungarn. Die nationalkonservative Regierung in Budapest lässt seit Mitte Juli die Anlage an der Grenze zum Nachbarstaat Serbien bauen. Bis Ende August soll sie nach offiziellen Plänen fertig gestellt sein - und dann Migranten und Flüchtlinge an der Einreise hindern.

 Die europäische Grenzschutzorganisation Frontex verzeichnet für den Juli eine Rekordzahl: fast 50.000 Flüchtlinge kamen nach Griechenland, mehr als im gesamten Jahr 2014. Erste Rufe werden laut, die Außengrenzen des Schengenraums stärker zu kontrollieren oder sogar die innereuropäischen Grenzen zu reaktivieren.

Zäune gegen Flüchtlinge

Ungarn ist nicht das erste Land in Europa, das versucht, die Zuwanderung von Flüchtlingen durch Mauern und Draht zu stoppen. Griechenland hat seit 2012 einen Grenzzaun zu seinem Nachbarstaat Türkei. In Bulgarien wurde Mitte 2014 mit dem Bau einer ähnlichen Anlage begonnen. Aus der Türkei versuchen vor allem syrische und irakische Flüchtlinge über den Landweg ins sicherheitsversprechende Europa zu gelangen. In Afrika wagen noch immer viele Menschen die Flucht über das Mittelmeer. Die spanischen Enklaven in Marokko - Ceuta und Melilla - sind bereits seit Anfang der 90er Jahre durch hohe Zäune vom afrikanischen Umland abgeschirmt.

Dicke Mauern, hohe Zäune, Nato-Stacheldraht - Europa schottet sich ab gegen Migranten und Flüchtlinge

Die Zäune an den Außengrenzen in Europa - und in der französischen Hafenstadt Calais


Doch die Menschen lassen sich nicht aufhalten, weder von Zäunen und Stacheldraht noch von Grenzposten oder Wachpersonal. In der französischen Hafenstadt Calais kamen bei Versuchen, durch den Eurotunnel illegal nach England einzureisen kürzlich mehrere Menschen ums Leben. Hunderte versuchen es jeden Tag wieder. Trotz starker Bewachung der Auto- und Eisenbahn, trotz Stacheldrahtzaun. Und in Ungarn wächst angeblich die Nachfrage nach Drahtscheren.