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Staatsanwaltschaft zu Germanwings-Absturz: Copilot war am Absturztag krankgeschrieben

In der Wohnung des Germanwings-Copiloten Andreas L. haben Ermittler eine zerrissene Krankschreibung gefunden, die für den Absturztag galt. Seinem beruflichen Umfeld hatte er das verheimlicht.

Copilot Andreas L. bei einem Halbmarathon in Hamburg im März 2013

Copilot Andreas L. bei einem Halbmarathon in Hamburg im März 2013

Der Copilot des abgestürzten Germanwings-Fluges war nach Erkenntnissen der Ermittler am Tag der Katastrophe krankgeschrieben - und hatte das offenbar seinem Arbeitgeber verheimlicht. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf fand in der Wohnung des 27-Jährigen eine zerrissene Krankschreibung für den Absturztag. Das teilte die Behörde in einer Pressemitteilung mit, die Sie hier im Wortlaut nachlesen können. Weder sei ein Abschiedsbrief noch ein Bekennerschreiben gefunden worden.

Es seien "Dokumente medizinischen Inhalts" sichergestellt worden, "die auf eine bestehende Erkrankung und entsprechende ärztliche Behandlungen hinweisen", erklärte die Staatsanwaltschaft. Die Ermittler in Frankreich wurden laut Düsseldorfer Staatsanwaltschaft von den vorläufigen Ergebnissen der Durchsuchungen unterrichtet. Einzelheiten zur Erkrankung des Mannes wollte die Staatsanwalt auf Anfrage nicht nennen.

Einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge stammt die Krankschreibung von einem im Rheinland arbeitenden Neurologen und Psychiater, bei dem L. seit einer Weile in Behandlung gewesen sein soll. Der "Tagesspiegel" berichtete außerdem, dass L. in der Uniklinik Düsseldorf wegen Depressionen behandelt wurde.

Schon zuvor war bekannt geworden, dass Andreas L. in den letzten Jahren unter schweren Depressionen litt und zeitweise sogar seine Pilotenausbildung unterbrechen musste.

Kein politisches oder religiöses Motiv

Vernehmungen und die Auswertung von Behandlungsunterlagen werden den Angaben der Staatsanwaltschaft zufolge noch einige Tage in Anspruch nehmen. Die Ermittlungsbehörden hatten am Donnerstag die Wohnungen des Copiloten in Düsseldorf und in Rheinland-Pfalz durchsucht.

Grundlage der Durchsuchung war ein Ersuchen der französischen Justiz. Anhaltspunkte für einen politischen oder religiösen Hintergrund des Geschehens seien nicht gefunden worden.

Andreas L. steht im Verdacht, den Piloten des Flugs 4U 9525 aus dem Cockpit ausgesperrt und den Airbus mit 150 Menschen an Bord mit voller Absicht auf Todeskurs gebracht zu haben. Airlines in Deutschland und weltweit ziehen schnell Konsequenzen aus dem Vorfall und verschärfen ihre Regeln für die Besetzung im Cockpit. Kein Pilot soll sich künftig mehr allein dort aufhalten dürfen.

Angehörige wieder in Düsseldorf

Angehörige der Absturzopfer aus der Germanwings-Maschine sind in der Nacht zu Freitag wieder in Düsseldorf gelandet. Die Hinterbliebenen der Passagiere und der Crew seien getrennt mit Flugzeugen von Lufthansa sowie Germanwings zurückgekehrt, bestätigte ein Sprecher des Flughafens am Freitag.

In der Maschine mit den Angehörigen sei die Stimmung "sehr ruhig und gefasst" gewesen, sagte ein Lufthansa-Sprecher, der mit an Bord war.

Etwa 50 Angehörige der bei dem Absturz ums Leben gekommenen Menschen #link;http://www.stern.de/panorama/germanwings-absturz-angehoerige-reisen-mit-sonderfluegen-nach-frankreich-2182923.html;waren am Donnerstagmorgen von Düsseldorf aus zur Unglücksstelle in Südfrankreich gestartet#. Mit an Bord war ein etwa 20-köpfiges Betreuerteam aus Seelsorgern, Ärzten und Psychologen. Nach Lufthansa-Angaben flogen die meisten Angehörigen der ums Leben gekommenen Passagiere in der Nacht wieder nach Düsseldorf. Nur vereinzelt seien Hinterbliebene in Frankreich geblieben.

Bergungsarbeiten ziehen sich hin

Der Lufthansa-Sprecher lobte die französische Organisation: So seien die Busse mit den Angehörigen auf dem zweieinhalb bis dreistündigen Rückweg von Seyne-les-Alpes nach Marseille von Polizei-Motorrädern eskortiert worden. Die Kreuzungen auf der Strecke seien dadurch abgeriegelt, und es sei so eine rasche Fahrt zum Flughafen ermöglicht worden.

Die Bergungsarbeiten, die am Freitag in den vierten Tag gingen, können sich in dem unwegsamen Gelände derweil noch hinziehen. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Suche nach dem zweiten Flugschreiber, der weitere Erkenntnisse zum Geschehen im Cockpit liefern könnte.

kis/DPA/AFP / DPA