HOME

Kältewelle in Europa: Deutschland wird zum Eiskeller

Der Winter hat Deutschland fest im Griff: In vielen Gegenden wurde in der Nacht die Marke von minus 20 Grad unterschritten. In Polen waren es am Morgen sogar bis zu minus 35 Grad. Europaweit wächst die Zahl der Kältetoten.

Deutschland hat die bislang kälteste Nacht dieses Winters erlebt: In Teilen Thüringens und Sachsens wurden von Donnerstag auf Freitag Temperaturen von minus 22 Grad gemessen. In Bad Elster im sächsischen Vogtlandkreis rutschte das Thermometer sogar auf minus 23,6 Grad, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach berichtete.

Meteomedia meldete von seinen Messstationen sogar noch eisigere Temperaturen. Der Wetterdienst maß am Funtensee in Bayern minus 35,3 Grad. Im sächsischen Morgenröthe-Rautenkranz waren es immerhin minus 27,8 Grad und in Deutschneudorf im Erzgebirge minus 26,4 Grad.

Die Bundesbürger werden auch am Wochenende bibbern. Für die Nacht zum Samstag wird laut DWD erneut strenger Frost von bis zu minus 20 Grad erwartet. "Es bleibt vorerst noch kalt", sagte Meteorologin Dorothea Paetzold. Zudem bringe ein Tief über der Ostsee etwas Schnee nach Norddeutschland. "Das ist entstanden durch die Kaltluft, die sich über die Ostsee schiebt", erklärte die Wetterexpertin.

Mehr als 100 Kältetote in der Ukraine

In der von der extremen Wetterlage besonders betroffenen Ukraine ist derweil die Zahl der Kältetoten erneut gestiegen. Mindestens 38 weitere Menschen fielen den Temperaturen bis minus 32 Grad zum Opfer. Damit sind in der ehemaligen Sowjetrepublik seit dem Wochenende nach Angaben des Zivilschutzministeriums 101 Menschen erfroren. Mehr als 1200 Menschen werden wegen Erfrierungen in Krankenhäusern behandelt. Beobachter vermuten, dass es tatsächlich noch weit mehr Opfer gibt.

Die ukrainische Regierung erhöhte die Zahl der Wärmestuben, in denen Frierende mit heißen Getränken und Essen versorgt werden, deutlich auf fast 3000. Landesweit sind 88 Prozent der Schulen wegen des harten Winters geschlossen, Hunderttausende Schüler haben "kältefrei".

Minus 35 Grad in Polen

In Polen wurden nach der bisher kältesten Nacht des Winters an vielen Orten Temperaturen von bis zu unter minus 30 Grad gemessen. In dem südostpolnischen Dorf Stuposiany war es minus 34 Grad kalt, in der ostpolnischen Stadt Bialystok betrug die Bodentemperatur minus 35 Grad. Vor allem in ländlichen Regionen wurde der Schulunterricht abgesagt.

Russland nannte unterdessen nach Angaben der Agentur Itar-Tass erstmals offizielle Zahlen zu den Kälteopfern im größten Land der Erde: Demnach erfroren im Januar insgesamt 64 Menschen. In Moskau mussten in der Nacht zum Freitag erneut etwa 20 Menschen mit Erfrierungen in Krankenhäuser gebracht werden. Die Fährverbindung zur Insel Putjatina unweit der Großstadt Wladiwostok am Pazifik war erstmals seit Jahren wegen dicker Eismassen unterbrochen.

Die Kaukasus-Republik Georgien meldete mit bis zu minus 20 Grad die tiefsten Temperaturen seit 1998. Wegen der schweren Schneefälle und Glatteis gebe es deutlich mehr Unfälle und verletzte Fußgänger, teilten die Behörden mit. In Weißrussland mussten rund 900 Schulen wegen der Eiseskälte schließen.

Tausende Italiener ohne Strom

Eis und Schnee haben auch Norditalien fest im Griff. Betroffen seien Tausende von Menschen, die in ihren Häusern keinen Strom mehr hätten oder in Zügen im Schnee stecken geblieben seien, berichteten italienische Medien am Freitag. Bei eisigen Temperaturen erfror in Mailand ein Obdachloser.

Die Verwaltung der Region Ligurien warf Italiens Staatsbahn vor, nicht auf die angekündigte Wetterlage vorbereitet gewesen zu sein. In der Toskana gab es ähnliche Kritik an dem Stromriesen Enel. Weil sich die Kältefront nach Süden verlagert und auch in Rom bis zu zehn Zentimeter Schnee erwartet werden, fällt in Italiens Hauptstadt der Schulunterricht aus.

mad/DPA/AFP / DPA