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Urteil gegen Christoph Metzelder Lebenslänglich trotz Bewährung – so urteilt die Presse über den Metzelder-Schuldspruch

Ex-Fußballnationalspieler im Düsseldorfer Amtsgericht
Ex-Fußballnationalspieler im Düsseldorfer Amtsgericht
© Sascha Steinbach / Getty Images
Es war ein schnelles Urteil. Aber ist es auch gerecht? Wegen des Verschickens kinder- und jugendpornografischer Dateien hat Ex-Fußball-Nationalspieler Christoph Metzelder vom Amtsgericht Düsseldorf eine Bewährungsstrafe bekommen. Das Presse-Urteil über den Spruch der Richterin fällt zwiegespalten aus.

Zehn Monate – auf Bewährung. Das ist das – noch nicht rechtskräftige – Urteil des Amtsgerichts Düsseldorf gegen Ex-Fußball-Nationalspieler Christoph Metzelder wegen der Weitergabe kinder- und jugendpornografischer Dateien. Ein zu mildes Urteil? Die Kommentatoren deutscher Medien sind gespalten. Die Presseschau:

"Die Zeit" (Hamburg): "Natürlich gilt für Christoph Metzelder wie für jeden Angeklagten und jede Angeklagte, dass ein Geständnis strafmildernd zu bewerten ist, und so wie er es vorgetragen hat, ist man geneigt, ihm seine Reue abzunehmen – und doch bleibt der schale Beigeschmack, dass all das taktisch motiviert sein könnte. Wer sein Unrecht erst einsieht, als er erwischt wird; wer seinen Anwalt ausschickt, um eine Zeugin zu diffamieren und ihr öffentlich vorwerfen zu lassen, im Verbund mit Polizei und 'Bild' eine Intrige gegen den Ex-Fußballer gesponnen zu haben; wer es gar toleriert, Rafaela Jahn zu unterstellen, sie sei gar nicht fähig gewesen, die Posts in dem inkriminierenden Chat selbst zu verfassen, weil die Sprachkenntnisse der gebürtigen Serbin dazu angeblich nicht ausreichten – der muss sich die Frage gefallen lassen, ob er wirklich bereut, was er getan hat. Oder es nur bereut, erwischt worden zu sein."

"Bild" (Berlin): "Als Metzelder sein Geständnis vorliest, stockt die Stimme, er kämpft mit den Tränen. Es ist ein aufrichtiger, glaubhafter Moment. Er zeugt von einem zerstörten Leben. Seinem eigenen Leben. Aber um das geht es hier gar nicht. Es geht um die Kinder, verdammt! Metzelder behauptet, er sei nicht pädophil. Und spricht von einer Zäsur, er könne nicht mehr arbeiten, kriege seit der Razzia vor anderthalb Jahren keine Aufträge mehr. Bitte was? Will er sich hier zum Opfer erklären? Dieses ekelhafte Selbstmitleid. Unfassbar!"

RTL (Köln): "Oft genug kommen solche Urteile der Öffentlichkeit zu mild vor – vor allem, wenn der Täter um eine reale Haftstrafe herumkommt. Viele fordern martialische Strafen. Kaum jemand betrachtet diese Fälle nüchtern. Genau das ist aber die Aufgabe von Gerichten, egal, wie verachtenswert die Tat sein mag. Das Gericht trifft am Ende ein Urteil im Rahmen der bestehenden Gesetze. Das zweite Urteil trifft die Öffentlichkeit. Metzelder hat selbst gesagt: 'Die Anklage hat mein Leben zerstört!' – er hat wohl recht. Die Folge seiner Taten: Lebenslängliche Verbannung aus der Mitte der Gesellschaft. Das Urteil wird nicht zur Bewährung ausgesetzt."

Urteil gegen Christoph Metzelder: Lebenslänglich trotz Bewährung – so urteilt die Presse über den Metzelder-Schuldspruch

"Stuttgarter Nachrichten": "Die Frage, die nicht nur auf den Gängen des Düsseldorfer Amtsgerichts diskutiert wird, lautet: Ist die Strafe für Christoph Metzelder, zehn Monate auf Bewährung, angemessen? Metzelder wurde für die Weitergabe von kinder- und jugendpornografischen Dateien verurteilt. Ohne die Tat zu verharmlosen: Der Kanon der Grausamkeiten bietet leider noch weit Schlimmeres, auch, wenn es um Kinder und Sexualvorstellungen geht. Mögen diese krank oder einfach nur pervers sein. Das bedeutet, es braucht beim Strafmaß Luft nach oben. Und wer auf die Höhe der Strafe schaut, der muss auch einen Blick auf die Begleitumstände werfen. Der prominente Täter wird es deutlich schwerer haben, ins normale Leben zurückzufinden, als es ein weniger bekannter Verurteilter hätte. Das alles aber macht die Abscheulichkeiten natürlich nicht besser – und vor allem nicht ungeschehen."

"Der neue Tag" (Weiden): "Fälle wie der von Christoph Metzelder gehören zum bitteren Alltag der Justiz. Von der Verbreitung, dem Erwerb und dem Besitz kinderpornografischer Inhalte nimmt die Öffentlichkeit allerdings sonst kaum Notiz. Jetzt die schockierenden Details über das scheinbare Doppelleben des einstigen Fußballidols. Neben dem Straftatbestand an sich ist besonders perfide, dass Metzelder 2006 eine Stiftung für benachteiligte Kinder gründete und sich als "Schutzengel" in einem Verein für missbrauchte Kinder engagierte. Unsäglich auch die Rolle seiner Anwälte, die im Vorfeld des Prozesses alles versuchten, um eine Berichterstattung zu verhindern. Es bleiben in jeder Hinsicht verstörende Eindrücke. Metzelder kann sich seine Selbstmitleids-Tränen aus angesichts des Leides der betroffenen Kinder sparen."

mit DPA-Material

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