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Außenminister-Treffen in Brüssel: EU will Polizisten nach Haiti schicken

Die Europäische Union will mit 300 paramilitärisch ausgebildeten Polizisten für mehr Sicherheit in Haiti sorgen. Das zeichnet sich vor dem Treffen der EU-Außenminister in Brüssel ab. Deutschland hat eine Teilnahme an dem Einsatz abgelehnt.

Während hunderttausende Obdachlose aus der Hauptstadt Haitis flüchten, plant die internationale Staatengemeinschaft den Wiederaufbau. Vor ihrem Treffen in Brüssel haben mehrere EU-Staaten zugesichert, nach dem schweren Erdbeben auf Haiti Polizisten in den Karibikstaat zu entsenden. Die Beamten sollen helfen, die Hilfsgüter zu verteilen, erklärte der spanische Außenminister und amtierende EU-Ratsvorsitzende Miguel Angel Moratinos.

Frankreich hatte den Einsatz der EU-Polizeieinheit vorgeschlagen. Paris will dafür ein halbes Jahr lang 100 Gendarmen abstellen. Diplomaten zufolge will auch Italien 100 Beamte schicken, die Niederlande gut 50 und Spanien etwa 40. Die Vereinten Nationen hatten informell die Entsendung von 400 Polizeikräften angefragt.

Westerwelle lehnt Beteiligung an Mission ab

Deutschland will sich nicht beteiligen. Nach Ansicht der Bundesregierung sind vor allem französisch sprechende Polizisten gefragt, um in der einstigen Kolonie Frankreichs zu helfen. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) betonte, dass Deutschland 15 Millionen Euro für Hilfsaktionen bereit gestellt habe. "Entscheidend ist ja nicht die Struktur, oder wer (sich) mit welchem Organisationsmodell durchsetzt", sagte er. "Entscheidend ist, dass die Hilfe ankommt."

Außer in Brüssel will die internationale Staatengemeinschaft auch im kanadischen Montréal über den Wiederaufbau Haitis beraten. Im Vordergrund stehen dabei Gespräche zwischen US-Außenministerin Hillary Clinton und ihrem französischen Kollegen Bernhard Kouchner mit dem haitianischen Premier Jean-Max Bellerive.

Vor Ort steigt die Zahl der Obdachlosen derweil weiter. Das UN-Büro zur Nothilfe-Koordinierung rechnet mit 800.000 bis zu einer Million Menschen, die derzeit dringend Zuflucht suchen. Die Zahl der Toten geben die Vereinten Nationen jetzt mit 112.250 an, etwa 194.000 seien verletzt.

Massenexodus aus der Hauptstadt

Erst am Sonntag hatte ein Nachbeben der Stärke 4,7 den Karibikstaat heimgesucht. Über neue Schäden oder Verletzte ist bislang nichts bekannt. Allerdings steigt mit jedem weiteren Erdstoß die Angst der Menschen, dass die ohnehin brüchigen Häuser über ihnen zusammenbrechen.

235.000 Einwohner haben nach UN-Angaben die Hauptstadt verlassen. Mehr als ein Viertel von ihnen sei Richtung Norden nach Artibonite gefahren, dem größten der Departements Haitis. Hinzu kämen allerdings noch viele Überlebende, die Port-au-Prince auf eigene Faust verlassen hätten. Hilfsorganisationen bemühten sich, einen Überblick über die Flüchtlinge zu bekommen, um sie auch außerhalb der Hauptstadt versorgen zu können.

AFP/DAPD/DPA / DPA