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Kein Rettungsschiff in der Nähe: "Schwerste Tragödie": Bootsunglück im Mittelmeer – bis zu 150 Tote befürchtet

Im Mittelmeer hat sich erneut ein schweres Bootsunglück ereignet. Es werden bis zu 150 Todesopfer befürchtet. Derzeit ist kein Flüchtlingsrettungsschiff in der Region unterwegs.

Migranten sitzen in einem Boot

Auf dem Mittelmeer hat sich eine neuerliche Flüchtlingstragödie ereignet. Ein Schiff mit bis zu 300 Migranten ist vor der Küste Libyens gesunken. Ein Sprecher der libyschen Küstenwache bestätigte das Unglück und sagte, 115 Menschen würden vermisst. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) könnten bei dem Unglück noch deutlich mehr Menschen ums Leben gekommen sein: Das IOM spricht von bis zu 150 Toten.

Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) twitterte, Berichten zufolge seien bei dem Unglück vor dem Küstenort Al-Chums mehr als 100 Menschen ums Leben gekommen. 

UNHR spricht von "schwerster Tragödie im Mittelmeer" des laufenden Jahres

Nach Schätzungen der IOM könnten bis zu 300 Menschen in Seenot gewesen sein, unter ihnen Frauen und Kinder. Am späten Abend die Organisation mit, dass 87 Migranten an die libysche Küste zurückgebracht worden seien. 84 von ihnen seien in das Internierungslager Tadschura gebracht worden. 

Der Chef des UN-Flüchtlingshilfswerks, Filippo Grandi, sprach auf Twitter von der "schwersten Tragödie im Mittelmeer" des laufenden Jahres.

Er forderte, die Seenotrettung dort wieder aufzunehmen, die Internierung von Flüchtlingen und Migranten in Libyen zu beenden und mehr sichere Routen aus dem Land zu ermöglichen. "Sonst ist es für viele weitere verzweifelte Menschen zu spät", schrieb Grandi. 

"Alan Kurdi" will in die Region aufbrechen

Derzeit sind keine privaten Rettungsschiffe im Mittelmeer unterwegs. Die deutsche Organisation Sea-Eye kündigte allerdings am Donnerstag an, mit der "Alan Kurdi" in Richtung der Rettungszone vor der libyschen Küste aufzubrechen. Dort werde sie voraussichtlich Dienstag eintreffen, erklärte die Regensburger Organisation.

Innerhalb der Europäischen Union läuft ein Streit darüber, wie Migranten verteilt werden sollen, die im Mittelmeer gerettet werden. 

Derweil gab die italienische Abgeordnetenkammer am Donnerstag grünes Licht für einen Gesetzesentwurf, nach dem Seenotrettern in dem Land künftig Strafen von bis zu einer Million Euro drohen könnten, wenn sie mit ihren Schiffen unerlaubt in italienische Hoheitsgewässer fahren. Das neue Gesetz soll den Behörden im Fall einer Verletzung eines Einfuhrverbots auch ermöglichen, das betreffende Schiff zu konfiszieren. Damit wird der Druck auf Hilfsorganisationen, die im Mittelmeer Migranten retten, weiter erhöht.  

Im Mittelmeer kamen 2019 bereits mehr als 680 Migranten ums Leben

Das Mittelmeer gehört zu den gefährlichsten Fluchtrouten für Menschen, die nach Europa kommen wollen. Beim Versuch, es zu überqueren, kamen dieses Jahr nach IOM-Angaben bereits mehr als 680 Menschen ums Leben. Mehr als 3700 seien aufgegriffen und in Internierungslager in Libyen gebracht worden. Der nordafrikanische Staat ist ein Transitland für Tausende von Migranten.

mik / DPA