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Corona in den USA Fahrrad-Boom und Instagram-Restaurants: So sieht New York ein Jahr nach dem Lockdown aus

Joe Biden steht am Pult mit dem Wappen des US-Präsidenten. Hinter ihm eine blaue Wand mit weißem "Covid-19 Response"-Schriftzug
Sehen Sie im Video: US-Repräsentantenhaus stimmt für 1,9 Billionen US-Dollar schwere Corona-Hilfen.






Der Weg für das 1,9 Billionen Dollar schwere Corona-Hilfspaket von US-Präsident Joe Biden ist frei. Nach der Abstimmung im Senat nahm der sogenannte "Amerikanische Rettungsplan" am Mittwoch die letzte parlamentarische Hürde im Kongress. Mit 220 zu 211 Stimmen setzten sich die Demokraten im Repräsentantenhaus durch. Biden sprach von einem historischen Sieg für die Amerikaner. Sieben Wochen nach seinem Amtsantritt kann er seinen ersten großen politischen Erfolg als Präsident verbuchen. Die Republikaner, von denen viele massive Hilfsprogramme unter Bidens Vorgänger Donald Trump unterstützt hatten, stemmten sich geschlossen gegen das Vorhaben. Sie befürchten, dass sich der US-Schuldenberg weiter aufbläht. Bidens Rettungsplan sieht unter anderem Einmal-Schecks in Höhe von 1400 Dollar für nahezu alle Amerikaner außer Besserverdiener vor. Außerdem sind Finanzspritzen für die Bundesstaaten und Kommunen, für Schulen und Kindergärten geplant. Familien mit Kindern bekommen Steuernachlässe. Die Arbeitslosenhilfe wird bis September aufgestockt. Und es soll mehr Geld in die Corona-Impfkampagne fließen. Kurz nach der Verabschiedung des Pakets im Kongress kündigte Biden mit den Chefs der US-Impfstoffhersteller Johnson & Johnson und Merck eine Initiative zur Steigerung der Produktion von Vakzinen an. Zuerst werde sichergestellt, dass Amerikaner versorgt würden. "Aber dann werden wir dem Rest der Welt helfen. Wenn wir einen Überschuss haben, werden wir ihn mit dem Rest der Welt teilen", sagte Biden vor Journalisten. Biden hat die Bekämpfung der Corona-Pandemie zur absoluten Priorität in der ersten Phase seiner Präsidentschaft erklärt. Die USA sind weltweit mit Abstand am stärksten von der Pandemie betroffen. Dort sind inzwischen mehr als 528.000 Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 registriert worden.
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Genau vor einem Jahr musste New York von heute auf morgen dicht machen. Die Metropole wurde zum Corona-Epizentrum in den USA. Wie sehr der Lockdown das Leben dort verändert hat – und wieso manches besser ist als vorher.

Im März 2020 hätte sich fast kein New Yorker vorstellen können, dass die historischen Ausgangsbeschränkungen in der Weltmetropole ein ganzes Jahr Ausnahmezustand nach sich ziehen würden. Alle müssten wegen Covid-19 von nun an zu Hause bleiben, sagte Gouverneur Andrew Cuomo am 20. März 2020. "Das sind die drastischsten Maßnahmen, die wir ergreifen könnten."

Damals zeigten die Ticker der US-Nachrichtensender noch an, dass insgesamt 196 Menschen in den USA an Covid-19 gestorben waren. Nachdem es nun mehr als eine halbe Million Corona-Tote in den Vereinigten Staaten gibt, wird das vergangene Jahr in New York in die Geschichtsbücher eingehen. Viel Leid und Schmerz hat es gegeben, vieles hat sich verändert – aber nicht alles zum Schlechten. Ein Überblick:

Die Schere zwischen Arm und Reich

"Corona betrifft alle gleich", hieß es zu Beginn der Pandemie in New York oft, oder: "Wir stecken da alle zusammen drin." Dass das dann doch nicht so ganz stimmte, wurde schnell klar: Viele reiche New Yorker – unter anderem aus Manhattan – verließen die Stadt zumindest zeitweise und quartierten sich auf dem Land oder am Strand ein – gemietet oder im Eigentum, auf jeden Fall mit mehr Platz zum Abstand halten.

Währenddessen explodierten die Infektionszahlen in Vierteln in Queens, der Bronx oder auch Brooklyn mit niedrigeren Durchschnittseinkommen, wo zudem meist eine Mehrheit der Menschen nicht-weiß ist und nicht von zu Hause aus arbeiten kann. Die Pandemie schien die Schere zwischen Arm und Reich zu vergrößern und gleichzeitig die Unterschiede offen darzulegen. Aber auch die Hilfsbereitschaft war und bleibt riesig. Zudem sind die Mieten teilweise etwas gesunken – und die Hoffnung ist gestiegen, dass das Offenlegen der Probleme künftig für Veränderungen sorgen könnte.

Home-Office-Kultur

Auch wenn das Leben – und zumindest teilweise der Tourismus – 2021 scheibchenweise nach New York zurückkommt, rechnen viele Firmen und Angestellte damit, noch lange von zu Hause zu arbeiten. Viele Städter mögen das Home-Office, und ihre Arbeitgeber in den Türmen Manhattans haben gemerkt, dass es auch ohne Großraumbüro-Kontrolle läuft. Flexiblere Arbeit könnte auch in der Pendler-Metropole New York zum neuen Standard werden. Einige denken weiter: Firmen könnten mit verkleinerten Büros sparen, Arbeitnehmer hätten die Möglichkeit aus dem Umland – oder sonstwo – zu arbeiten.

Outdoor-Dining und Fußgängerzonen

Die New Yorker sind auf den Geschmack des Draußen-Essens gekommen. Viele Straßen in Manhattan oder Brooklyn sind seit Monaten von (beheizten) Außenterrassen aus Holz gesäumt. Sie sind manchmal bunt angemalt oder mit Blumen verziert und – solange kein Schneesturm über die Stadt hinwegfegt – auch gut besucht. Einige Bewohner erinnerte das neue Straßenflair mit verkehrsberuhigten Zonen sogar an Straßenrestaurants in Europa – und es könnte bleiben: "Ich möchte, dass wir dieses Modell übernehmen und es für Jahre und Generationen zu einem Teil des Lebens von New York City machen", sagte Bürgermeister Bill de Blasio.

Instagram-Restaurants

Neben den traditionellen Restaurants hat sich durch die Pandemie in New York ein weiterer Gastronomie-Zweig entwickelt: Zahlreiche Köche und Bäcker verlagerten ihre Arbeit ins Internet, in sogenannte "Ghost Kitchens". Sie haben kein Ladenlokal, sondern kochen oder backen entweder zu Hause oder in einer speziellen Küche und liefern das Essen dann aus oder lassen es abholen. Viele konnten sich so den Lebensunterhalt sichern – und manche wurden sogar zu Gastronomie-Stars, wie etwa die 27 Jahre alte Kimberly Camara, deren von ihrer philippinischen Wurzeln geprägte Donuts via Instagram regelmäßig innerhalb von Minuten ausverkauft sind.

Comeback der Kultur

Die berühmte New Yorker Kulturszene ist von der Pandemie mit am stärksten gebeutelt worden. Bis zu zwei Drittel aller Jobs seien – zumindest vorübergehend – weggefallen, hieß es in Studien. Die Museen waren monatelang geschlossen, die Theater des Broadway machen wohl frühestens im Herbst wieder auf, die Metropolitan Opera sogar erst 2022. Aber nach einem schwarzen Jahr gibt es nun erste Hoffnungszeichen: Seit Kurzem dürfen die Kinos wieder eingeschränkt öffnen, ab April auch erste Theater. Museen kündigen für den Sommer schon neue große Ausstellungen an, zudem soll es ein großes Kulturprogramm unter freiem Himmel geben – und auch davon könnte etwas bleiben.

Fahrrad-Sharing boomt

New York, eine Fahrradstadt? Trotz mehr als 2000 Kilometern meist grüner Spuren für Radler nicht wirklich. Doch auch hier hat die Pandemie für ein Umdenken gesorgt. Fahrrad-Verkäufer kommen mit dem Nachschub nicht hinterher, und das Bike-Sharing-Angebot boomt, weil Zehntausende nicht mehr mit der U-Bahn fahren wollen. Deshalb werden zeitweise auch die über 50.000 Fahrradstellplätze im öffentlichen Raum knapp. Die Großstadt hat versprochen, mehr in die Infrastruktur zu investieren, denn das Fahrrad dürfte in New York auch in der Zukunft seinen Platz behalten.

"Little Island" auf dem Hudson

In der Pandemie waren Platz und Natur gefragt, und die New Yorker entdeckten wieder die Liebe zu ihren vielen Parks – ob klein oder groß, ob Central Park, Prospect Park oder Hudson River Park. Nun warten sie alle gespannt auf einen grünen Neuzugang: "Little Island", ein auf Stelzen im Hudson River gebauter und vom Medien-Mogul Barry Diller mit vielen Millionen Dollar finanzierter Park, soll noch "im Frühjahr" eröffnen.

les / Benno Schwinghammer / Christina Horsten DPA

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