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Auch Deutschland ist dabei Ärzte, Suchhunde, Bergungsspezialisten – so hilft die Welt in Beirut

Sehen Sie im Video - Aus dem Auto heraus gefilmt: Druckwelle der Explosion zerfetzt Autoscheiben. |


Eine heftige Explosion im Hafen der libanesischen Hauptstadt fordert am Dienstag zahlreiche Menschenleben.  
Diese Handyaufnahme eines Autofahrers wurde bereits tausendfach auf Twitter geteilt.  
Zunächst sind nur Rauchwolken in einiger Entfernung zu erkennen.  
Die anschließende Druckwelle der Explosion trifft die fahrende Person unerwartet:  
Bereits nach einem kurzen Augenblick zerbrechen die Scheiben des Wagens.  
Nach offiziellen Angaben sind mehr als hundert Menschen durch die Explosion getötet und Tausende verletzt worden. 
Es wird vermutet, dass die Katastrophe durch eine große Menge Ammoniumnitrat ausgelöst wurde, die im Hafen gelagert wurde.  
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Nun ist die Staatengemeinschaft gefragt: Nach der verheerenden Explosion in Beirut bittet die Regierung des Libanon um Hilfe aus dem Ausland. Auch Deutschland hat seine Unterstützung zugesagt.

Die libanesische Hauptstadt Beirut sieht sich mit einer Katastrophe gigantischen Ausmaßes konfrontiert: Mehr als 100 Tote und 4000 Verletzte vermeldete das Rote Kreuz nach der schweren Explosion im Hafen der 2,3-Millionen-Einwohner-Stadt jüngst. Weite Teile der Metropole sind zerstört.

Es sind zu viele Menschen, die Hilfe brauchen, als dass das von Krisen geplagte Land diese versorgen könnte. Die Regierung des Mittelmeerstaates hat Hilfe aus dem Ausland angefordert – und soll sie bekommen. Selbst der Erzfeind Israel, mit dem sich das Land formal noch im Krieg befindet, hat seine Unterstützung angeboten. 

Auch deutsche Hilfe nach Explosion in Beirut zugesagt

Die deutsche Bundesregierung hat ihre Solidarität bekundet und Hilfe zugesagt. "Wir werden dem Libanon unsere Unterstützung anbieten", erklärte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer nach der Katastrophe im Namen von Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Wir prüfen, welche Hilfe wir unverzüglich anbieten können", teilte das Auswärtige Amt mit.

Doch was kann Deutschland bei einem solch verheerenden Ereignis, 2700 Kilometer von Berlin entfernt, leisten? Die Bundesrepublik verfügt über eine breite Palette an Institutionen, Personal und Material, um rund um den Erdball schnell Hilfe zu leisten – vom Technischen Hilfswerk (THW) bis zur Bundeswehr, von der fliegenden Intensivstation bis zum mobilen Lazarett, von Ärztinnen und Ärzten bis zu Vermisstenspürhunden.

Das Auswärtige Amt erklärte auf stern-Anfrage, es habe einen Krisenstab eingerichtet. Deutschland liege inzwischen eine Anfrage der libanesischen Regierung vor, bei der Suche nach Vermissten und Verschütteten zu helfen, sagte eine Sprecherin der Bundesregierung. Ein Team des THW soll dazu noch im Laufe des Tages in Richtung Libanon aufbrechen.

Mit Vertretern von Hilfsorganisationen sei zudem über die Möglichkeit gesprochen worden, im medizinischen Bereich zu helfen. Ebenso sollten Hilfsgüter geschickt und logistische Unterstützung angeboten werden. Was an weiteren Hilfen möglich sei, müsse man noch erörtern, hieß es aus dem Auswärtigen Amt weiter.

Außenminister Heiko Maas (SPD) sagte der "Bild"-Zeitung: "Ich bin mit meinem libanesischen Kollegen dazu in Kontakt, wie Deutschland jetzt schnell und unbürokratisch helfen kann und habe ihn gefragt, was am Nötigsten gebraucht wird. Im Krisenstab sind die Arbeiten angelaufen, um gemeinsam mit dem Innenministerium möglichst noch heute das THW zur Suche nach Vermissten in den Trümmern nach Beirut in Gang zu setzen. Mit der Bundeswehr und unseren humanitären Helfern schauen wir, wie wir weitere Hilfe für die Aufräumarbeiten und Versorgung der Zivilbevölkerung bereitstellen können."

Hilfe aus zahlreichen anderen Ländern angekündigt

Neben Deutschland leisten auch zahlreiche andere Staaten Hilfe bei der Bewältigung der Katastrophe: So hat ein Krankenhaus im Norden Israels Hilfe bei der Versorgung von Verletzten angeboten. Zuvor hatte die israelische Regierung ein Hilfsangebot über internationale Kanäle unterbreitet. Von libanesischer Seite wurden die Hilfsangebote aus Israel jedoch zurückgewiesen. 

Wie der Elysée-Palast in der französischen Hauptstadt Paris mitteilte, sollen bereits am Nachmittag zwei Flugzeuge der Armee mit tonnenweise medizinischer Ausrüstung und einer mobilen Krankenstation an Bord in der libanesischen Hauptstadt eintreffen. In der mobilen Krankenstation können demnach bis zu 500 Verletzte versorgt werden. An Bord der Maschinen befänden sich auch 55 Sicherheitskräfte, die auf Rettungs- und Räumungsarbeiten spezialisiert seien, teilte der Palast weiter mit.

Tschechien schickt ein Hilfsteam in den Libanon. Die Spezialeinheit der Feuerwehr werde am Nachmittag abfliegen, teilte Innenminister Jan Hamacek mit. Das Team ist auf die Bergung von Verschütteten spezialisiert. 

Auch die Niederlande schicken ein Experten-Team nach Beirut. Rund 70 Helfer sollten am Abend in die libanesische Hauptstadt reisen, kündigte die Handelsministerin Sigrid Kaag an. Zu dem Team gehörten Ärzte, Feuerwehrleute und Polizisten, die im Aufspüren von verschütteten Personen spezialisiert seien.

Der iranische Außenminister hat dem Libanon Hilfe angeboten. Der Iran sei bereit, Libanon jegliche notwendige Hilfe und Unterstützung zu leisten, so Mohammed Dschawad Sarif.

Die örtlichen Hilfsorganisation befürchten, dass trotz der angekündigten Unterstützung aus dem Ausland die Zahl der Toten und Verletzten weiter steigen wird.

wue / mit DPA- und AFP-Material

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