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Fähre in Flammen: Dramatische Rettung nach Schiffsunglück

Todesangst auf der Ostsee: Eine Fähre mit rund 240 Menschen an Bord gerät vor der Insel Fehmarn in Brand. Alle Passagiere und die Crew können gerettet werden. Die Schiffbrüchigen erreichen auf der Fähre "Deutschland" sicher Kiel.

Eine Ostsee-Fähre mit rund 240 Menschen an Bord ist vor der Insel Fehmarn in Brand geraten. Alle Passagiere und die Crew konnten gerettet werden. Auf der Fahrt von Kiel ins litauische Klaipeda löste vermutlich eine Explosion das verheerende Feuer aus. Die 204 Passagiere überwiegend aus Russland und dem Baltikum sowie die 32 litauischen Besatzungsmitglieder wurden bei einem Großeinsatz aller erreichbaren Schiffe rund elf Kilometer nördlich der Insel Fehmarn geborgen.

Dänische und deutsche Marinehubschrauber flogen nach Polizeiangaben drei Schwerverletzte von dem Schiff in Krankenhäuser. Knapp 20 Menschen wurden leicht verletzt, darunter auch Kinder. Das Fährschiff "Deutschland" nahm die Geretteten auf und brachte sie am Morgen nach Kiel.

Mehrere Hilfsschiffe kühlten den Rumpf des brennenden Wracks mit Wasser aus Löschkanonen, um dessen Untergang zu verhindern. Ein Spezialteam ging von einem Hubschrauber aus an Bord und ließ den Anker der "Lisco Gloria" fallen. Sie setzten das Schiff damit fest.

"Die Leute sind sehr erschöpft", sagte Revierleiter Uwe Marxen von der Wasserschutzpolizei. "Sie haben sehr schwere Stunden hinter sich." Die Verletzten hatten Rauchgas eingeatmet. Die Passagiere stammten überwiegend aus baltischen Staaten und Russland, sagte Marxen. Die Verletzten wurden in Kiel von Ärzten betreut. Für die Geretteten standen auch Psychologen und Seelsorger bereit. Einige kamen in die Universitätsklinik. Die "Deutschland" verließ am Vormittag wieder den Kieler Marinehafen.

Alle Schiffe in der Nähe waren nach dem Notruf sofort zur Hilfe geeilt. Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) schickte vier Seenotkreuzer. Passagiere und Besatzung waren zunächst in Rettungsboote und -inseln geklettert, aus denen sie gerettet wurden.

Die Unglücksursache war am Samstag noch unklar. Gegen Mitternacht sei es zu einer Explosion auf dem Oberdeck gekommen. Große Teile des 2002 gebauten Schiffes standen in Flammen. "Es gehen da Vermutungen rum, dass das Feuer auf dem Autodeck ausgebrochen ist. Aber wir wissen nichts Definitives", sagte der Sprecher der Reederei DFDS, Gert Jakobsen, in Kopenhagen. Die Zuständigkeit für die Ermittlung liege bei den deutschen Behörden.

Die DFDS in Dänemark ist Eignerin der litauischen Reederei Lisco, für die das in Brand geratene Schiff fährt. Nach Jakobsens Angaben sind alle 32 Besatzungsmitglieder Litauer. Mit dem Schiff, das stark von Lastwagen genutzt wird, habe es bisher keine Unglücke gegeben. Über mögliche Gefahrstoffe in der Schiffsladung konnte Jakobsen noch keine Angaben machen.

Das Feuer auf dem kombinierten Personen- und Frachtschiff kann nach Einschätzung von Fachleuten nicht schnell gelöscht werden. "Wir sind dabei, die Außenhaut des Schiffes zu kühlen", sagte der Sprecher des Havariekommandos, Wolfgang Harlos, in Cuxhaven. Damit soll der Untergang des 200 Meter langen Schiffes, das mit Schlagseite zunächst zwischen Fehmarn und Dänemark trieb, verhindert werden. Wenn immer mehr Löschwasser in die Fähre gepumpt würde, könnte sie kentern. Das Wrack sei zurzeit keine Gefahr für die Schifffahrt.

Auch die Reederei schickte am Samstagmorgen ein Bergungsschiff auf den Weg. Es soll bei der Brandbekämpfung helfen und das Schiff nach Ende der Löscharbeiten in einen Hafen schleppen. Weitere Einzelheiten zur geplanten Bergung waren noch nicht bekannt.

Jakobsen sagte, die Reederei werde den Passagieren die Möglichkeit geben, nach eigener Wahl entweder in Deutschland zu übernachten oder mit anderen Transportmitteln ihr Ziel Klaipeda in Litauen zu erreichen. "Wir werden alles tun, um den Reisenden zu helfen", sagte er.

Sönke Möhl, DPA / DPA