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Fähre sinkt vor Sansibar: Über 200 Menschen sterben - viele Vermisste

Der Untergang einer Fähre vor Sansibar hat mehr als 200 Menschenleben gefordert. Die Rettungsarbeiten dauern an, werden aber durch fehlende Ausrüstung erschwert. Viele Passagiere gelten noch als vermisst.

Der Tod kam kurz nach Mitternacht. Wenige Stunden zuvor hatte die Fähre "MV Spice Islander" mit mehr als 500 Menschen an Bord den Hafen von Sansibars Hauptinsel Unguja vor der Ostküste Afrikas verlassen. Aus zunächst ungeklärten Gründen sank das vermutlich überfüllte Schiff in der Nacht auf Samstag kurz vor der Küste der Nachbarinsel Pemba.

Das volle Ausmaß der Tragödie war am Samstagnachmittag - rund 14 Stunden nach dem Untergang - noch unbekannt. Die Rettungsarbeiten konnten in vollem Umfang erst nach Sonnenaufgang beginnen, hieß es von offizieller Seite. Im Dunkeln konnten die Rettungskräfte nicht arbeiten. Wertvolle Stunden gingen verloren.

Bis zum Nachmittag wurden 200 Tote geborgen, sagte ein Rot-Kreuz Mitarbeiter der dpa. "Die meisten der Opfer sind Frauen und Kinder", erklärte Joseph Kimaryo. Sansibars Minister für Notfälle, Mohammed Aboud sprach schon am Vormittag im britischen Sender BBC von 163 Toten. Bis zum späten Nachmittag erhöhte sich die Zahl der Geretteten auf 400, doch noch immer werden Menschen vermisst.

Wellengang behinderte Rettungsarbeiten

"Wir fanden Überlebende, die sich an Matratzen oder Kühlschränken festhielten, an allem, das irgendwie schwamm", berichtete der Hubschrauberpilot Neels van Eijk dem BBC-Radio von der Rettungsaktion. Er habe etwa 200 Überlebende gesehen, allerdings auch viele Leichen.

Einige Schiffe hatten bereits den Ort des Unglücks erreicht und suchten nach Überlebenden, sagte er. Die See war nicht sehr rau, aber die Retter konnten die Menschen im Wasser wegen des Wellengangs nur schlecht sehen. "Wir flogen zu den Schiffen und haben sie zu den Überlebenden geleitet", erzählte van Eijk.

Die etwa 60 Meter lange Fähre war für 45 Besatzungsmitglieder und 645 Passagiere zugelassen. Überlebende berichteten jedoch, das Schiff sei völlig überfüllt gewesen. Die Passagierangaben schwanken. Medien sprachen von über 500 bis zu 800 Menschen an Bord.

Brandung spült Leichen an den Strand

Rettungskräfte machten sich mit allen verfügbaren Transportmitteln auf die Suche nach Überlebenden. Schiffe der Marine, Fischerboote und sogar Motorboote für Wasserskis wurden eingesetzt. Doch mehr als 12 Stunden nach dem Unglück schwand die Hoffnung auf Wunder. Augenzeugen berichteten von Leichen, die an Sansibars Strände gespült wurden. Rot-Kreuz-Mitarbeiter suchen die Küste nach angeschwemmten Opfern ab.

In den Häfen von Unguja und Pemba bangten die Familien der Passagiere. Tausende hatten sich am Samstag dort eingefunden. Sie hofften, gerettete Freunde und Verwandte in die Arme schließen zu können. Für viele jedoch sollte dieser Samstag zu Trauertag werden. Ihnen blieb nur noch die Aufgabe, die Opfer zu identifizieren. Verletzte würden abtransportiert, aber man sehe auch viele Leichensäcke, berichtete eine britische Touristin der BBC.

Ob auch ausländische Touristen an Bord der Unglücksfähre waren, blieb zunächst offen. Deutsche sollen nicht betroffen sein, wie das Auswärtige Amt mitteilte. Die "Gewürzinsel" Sansibar ist jedoch ein beliebtes Urlaubsziel. Zehntausende Deutsche sonnen sich jedes Jahr an den kilometerlangen Stränden.

Es war nicht das erste Mal, dass die 1967 in Griechenland gebaute Fähre in Seenot geriet. Im September 2007, auf dem Weg von Oman nach Tansania, fielen die Motoren aus. Ein Schiff der US-Marine half bei den Reparaturen. Nach zwölf Stunden konnte die "MV Spice Islander" ihre Fahrt fortsetzen. Passagiere waren damals keine an Bord.

Shabtai Gold und Ivonne Marschall, DPA / DPA
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