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Gondelabsturz: Angehörige fordern lückenlose Aufklärung

Der Betonkübel konnte sich vom Transporthubschrauber lösen und eine Gondel in die Tiefe reißen, weil ein Haken offen stand. Doch wer oder was den Haken öffnete, bleibt unklar.

Technischer Defekt oder menschliches Versagen - diese Frage stand für die Ermittler einen Tag nach dem tragischen Seilbahnunglück bei Sölden in Tirol im Mittelpunkt. Bei dem Unglück waren am Montag sechs jugendliche Skifahrer aus dem Schwarzwald und drei Betreuer aus Bayern getötet worden. Sieben weitere Menschen wurden verletzt. Inzwischen haben österreichische Ermittler erste Hinweise auf die mögliche Ursache erhalten. Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) forderte bei einem Besuch in Sölden eine rückhaltlose Aufklärung des Unglücks.

Österreichs Verkehrsminister Hubert Gorbach teilte am Morgen bei einer Pressekonferenz in Sölden mit, dass der Haken am Hubschrauber, mit dem der herabgestürzte Betonkübel am Seil gehalten wurde, offen, aber unbeschädigt gewesen sei. Möglich sei zum Beispiel ein elektrischer Fehler. Gorbach sprach von einem Flugunfall. Der Hubschrauber sei nicht überladen gewesen. Der Pilot soll bestritten haben, den Haken vom Cockpit aus während des Fluges per Knopfdruck geöffnet zu haben. Der Tiroler Polizeichef Oskar Galopp meinte, gegenwärtig könne weder ein technischer Defekt noch eine Fehlbedienung an dem Transporthubschrauber ausgeschlossen werden. Galopp sprach von einer möglichen Verkettung unglücklicher Umstände. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Innsbruck mit den Untersuchungen begonnen.

Trauerfeier mit den Angehörigen

Angehörige der Getöteten trafen in Sölden ein, wo noch am Nachmittag eine Trauerfeier stattfinden sollte. Ein Sprecher appellierte an die Öffentlichkeit, den Familien der Opfer die Möglichkeit eines stillen Abschieds zu geben. "Ich kann hier nur in Absprache mit den Eltern ausdrücken, dass der Schmerz sehr groß ist, dass es der Wunsch der Eltern ist, dass der Unfallhergang, sämtliche Hintergründe lückenlos aufgeklärt werden", sagte unter Tränen Günter Hujara vom Schwäbischen Skiverband. Es sei die Bitte von allen Seiten zu respektieren, dass keine Namen genannt würden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft konnten einige der Opfer nur über DNA-Analysen identifiziert werden.

Drei der neun Toten stammten aus Oberbayern. Ein 46-jähriger Mann war im Landkreis Starnberg bei München zu Hause, ein 35-jähriger Mann und eine 44-jährige Frau stammten aus dem Landkreis Garmisch- Partenkirchen. Bei den übrigen sechs Opfern handelt es sich um junge Skiläufer zwischen zwölf und 14 Jahren aus Baden-Württemberg. Mehrere kamen nach Rundfunkberichten aus dem Raum Villingen-Schwenningen und Tuttlingen. Die Gruppe war zum Sommerski-Training in das Gletschergebiet gereist. Die sieben Verletzten waren außer Lebensgefahr.

Der Transporthubschrauber hatte am Montag einen schweren Betonkübel verloren, der beim Absturz eine Gondel traf. Sie stürzte ab, Insassen anderer Gondeln wurden aus ihren Kabinen geschleudert. Bei dem Helikopter handelt es sich um eine Maschine des Typs "Lama SA 315 B" der Salzburger Firma Knaus. Nach Angaben von Knaus- Geschäftsführer Roy Knaus hatte der 35-jährige Pilot seit einem Monat die Lizenz zum Transport von Außenlasten. Er habe über 850 Flugstunden hinter sich.

"Fassungslos über dieses Unglück"

Zu der Pressekonferenz in Sölden war auch Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) angereist. Er sprach den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl aus und würdigte die Arbeit der österreichischen Retter. Stolpe sagte, er sei "fassungslos über dieses Unglück im schönsten Urlaubsgebiet Österreichs". Er gehe davon aus, dass die Behörden der Alpenrepublik alles tun werden, um die Ursache des Unglücks zu finden. Auch Bayerns Verkehrsminister Otto Wiesheu (CSU) reiste nach Sölden.

Das baden-württembergische Landeskabinett gedachte der Opfer mit einer Schweigeminute. Sprecher aller Parteien forderten eine schnelle Aufklärung des Unglücks. Mit Betroffenheit reagierte Papst Benedikt XVI. auf das Unglück im Tiroler Ötztal. Er bete für die Toten, hieß es in einem Telegramm an den Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer.

DPA / DPA