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Hochwasseralarm im Osten: Lage in Sachsen weiter ernst

Katastrophenalarm in Sachsen, angespannte Hochwasserlage in Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Nach tagelangem Dauerregen sind die Flüsse im Osten Deutschlands sowie in Polen und Tschechien wieder übervoll. Viele Häuser und Straßen standen bereits vor sieben Wochen unter Wasser.

Knapp zwei Monate nach dem August-Hochwasser kämpft der Osten Deutschlands schon wieder gegen die Wassermassen. Die heftigen Regenfälle der vergangenen Tage haben die Flüsse in Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt anschwellen lassen. In den Landkreisen Görlitz und Meißen lösten die Behörden in der Nacht zu Dienstag vorsorglich Katastrophenalarm aus. In Bautzen wurde ein Wohnhaus evakuiert. In Zittau drohte erneut eine Überflutung des Zoos - im August waren dort 48 Tiere ertrunken.

An sieben Pegeln in Sachsen galt nach Angaben des Landeshochwasserzentrums am Dienstagmittag die höchste Alarmstufe. Betroffen waren dort die Flüsse Große Röder und Schwarze Elster, Schwarzer Schöps und Lausitzer Neiße.

Der Pegel steigt weiter

Nach Angaben des sächsischen Landesamtes für Umwelt und Geologie war die Lage östlich der Elbe weiter angespannt. In der Lausitzer Neiße in Zittau sei der Höchststand in der Nacht schon erreicht worden, sagte Sprecherin Karin Bernhardt. In Görlitz steige der Wasserstand dagegen noch leicht an und scheine sich - höher als zunächst vorhergesagt - bei 6,30 Metern einzupegeln.

"Wir gehen davon aus, dass es sich auch länger auf diesem Niveau bewegen wird", sagte Bernhardt. Alarmstufe vier bleibe vorerst bestehen. Aus Sicht von Landrat Bernd Lange ist die Lage nicht dramatisch. Die Dämme hielten und würden kontrolliert. "Es ist eine vollkommen andere Lage als Anfang August, weil sich das Wasser gleichmäßig verteilt und langsam statt in einer reißenden Welle kommt", sagte Lange.

Die Region entlang der Neiße war besonders betroffen vom August- Hochwasser. Bei den massiven Überschwemmungen nach heftigen Regenfällen im Raum Chemnitz und in Ostsachsen waren damals drei Menschen ums Leben gekommen, es entstanden Schäden von rund 800 Millionen Euro.

Auch die Elbe war im Laufe des Dienstags stark angestiegen und lag gegen Mittag bei 4,67 Metern in Dresden bei steigender Tendenz. Bis zum Donnerstag soll der Höchststand bei 5,60 Meter bis 5,80 Meter erreicht werden - normal sind zwei Meter. In Brandenburg und Sachsen-Anhalt ist die Lage entspannter. Auch dort wurden einige Straßen und Keller überschwemmt. Die Situation war jedoch nicht so bedrohlich wie in einigen Teilen Sachsens. Vom Hochwasser in Sachsen-Anhalt war die Gemeinde Kabelsketal besonders betroffen. Das sonst nur ein Meter breite Flüsschen Kabelske trat über die Ufer, teilte die Feuerwehr mit.

Auch Polen und Tschechien sind wieder betroffen

Das Hochwasser verschonte auch Polen und Tschechien nicht. In Niederschlesien im Südwesten Polens waren die Pegel rapide gestiegen. Die Alarmstände seien an 21 Stellen überschritten, hieß es aus dem Krisenzentrum in Breslau. Der Pegel des Flusses Miedzianka im Dreiländereck lag am Montagabend 1,40 Meter über dem Alarmstand.

Im Norden Tschechiens stürzte das zweite Hochwasser innerhalb weniger Monate die Menschen in tiefe Verzweiflung. Die nordböhmische Region Liberec an den Grenzen zu Sachsen und Polen war besonders betroffen. Das tschechische Fernsehen zeigte Bilder von überfluteten Feldern, Gärten, Straßen und Kellern. "Ich habe solche Angst, dass es wieder so schlimm wird wie vor ein paar Wochen, das möchte ich nie mehr erleben", sagte eine weinende alte Frau im Dorf Dolny Libchava, nahe der deutschen Grenze.

DPA/ben / DPA