Kaschmir Ein Wettlauf gegen den Hunger


Die Zahl der Erdbebenopfer in Kaschmir steigt nach wie vor. Die Überlebenden sind akut gefährdet, weil die Hilfsgüter 500.000 Menschen noch gar nicht erreicht haben.

Im Katastrophengebiet in Kaschmir ist das Leben von 500.000 Bewohnern akut gefährdet, weil sie auch mehr als eine Woche nach dem Erdbeben keinerlei Hilfe erhalten haben. Die Hilfsaktion für die 3,3 Millionen obdachlosen Überlebenden wird immer mehr zu einem Wettlauf gegen die Zeit.

Die Behörden in Pakistan befürchten, dass die Zahl von schätzungsweise 54.000 Toten nach dem Erdbeben vom 8. Oktober weiter steigen wird. "Es gibt noch schätzungsweise eine halbe Million weitere Menschen da draußen in verzweifelter Not, die noch niemand hat erreichen können", sagte der Direktor des Welternährungsprogramms (WFP) der Vereinten Nationen, James Morris. Die Hilfsaktion sei eine der größten Herausforderungen, der sich die Welt jemals ausgesetzt gesehen habe. Der beginnende Winter bedrohe die obdachlosen Überlebenden mit Unterkühlung. Es sei nur noch sehr wenig Zeit übrig, um eine weitere Katastrophe zu verhindern, sagte Morris.

Lebensmitteltransporte zu Fuß

Mit Hubschraubern wurden am weiter Hilfsgüter in Regionen gebracht, die wegen zerstörter Straßen auf anderem Weg nicht erreichbar sind. 80 Soldaten wurden ins Neelum-Tal nördlich der Stadt Muzaffarabad geflogen, um zu Fuß Lebensmittel zu verteilen. Nach Angaben der Vereinten Nationen waren mehr als 80 Hubschrauber im Einsatz. Die UN wollten bis zu 150.000 weitere Zelte für die Erdbebenopfer zur Verfügung stellen, etwa 30.000 wurden bereits verteilt. Helfer errichteten Feldlazarette in Muzaffarabad, wo tausende verletzte Flüchtlinge behandelt werden sollen, die dringend operiert werden müssen. Auch Indien hat dem Nachbarland weitere Unterstützung zugesagt. Einen Vorschlag, dass Neu-Delhi Militärhubschrauber ohne Besatzung nach Pakistan entsenden sollte, wies die Regierung jedoch zurück. Pakistan seinerseits lehnt eine Beteiligung indischer Streitkräfte bei den Rettungsbemühungen ab.

Präsident Pervez Musharraf kündigte bei einem Besuch in Muzaffarabad jedoch an, er werde allen Bewohnern Kaschmirs zum Zweck des Wiederaufbaus das Überqueren der Grenze erlauben. Indien will vorübergehend wieder Telefonverbindungen in den pakistanischen Teil Kaschmirs schalten. Wie die Regierung am Dienstag in Neu-Delhi mitteilte, soll damit den Bewohnern des indischen Teils Kaschmirs Gelegenheit gegeben werden, sich telefonisch über das Schicksal ihrer Angehörigen jenseits der Grenze zu informieren. Die Maßnahme soll zwei Wochen gelten. Indien hatte 1990 die Telefonverbindungen von Jammu-Kaschmir in den pakistanischen Teil der Region gekappt, um von Pakistan aus operierenden Aufständischen die Kommunikation über die Grenze hinweg zu erschweren.

Mehr als 700 Nachbeben

Die Kaschmir-Region wurde unterdessen weiter von Nachbeben erschüttert. Bericht über Schäden gab es aber nicht, wie Seismologen in Peshawar mitteilten. Seit dem Erdstoß der Stärke 7,6 am 8. Oktober wurden mehr als 700 Nachbeben registriert. In der Hauptstadt Islamabad wurden weitere Leichen aus einem bei dem Beben eingestürzten Wohnhaus geborgen, die Zahl der bestätigten Todesopfer stieg dort auf 62.

AP AP

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