HOME

Nach Seebeben im Pazifik: Tsunami zerstört Dörfer auf Samoa

Ein Seebeben der Stärke 8,0 hat im Südwestpazifik einen Tsunami ausgelöst. Auf Samoa wurden mehrere Dörfer zerstört, Rundfunkberichte sprechen von mindestens 19 Toten.

Ein mächtiges Erdbeben der Stärke 8,0 hat vor der ehemaligen deutschen Kolonie Samoa in der Südsee einen Tsunami ausgelöst. Nach unbestätigten Berichten kamen Menschen ums Leben. In der Hauptstadt Apia schwappte eine Flutwelle von 70 Zentimetern an Land, in der Stadt Pago-Pago lag die Flutwelle bei 1,57 Meter, berichtete die US-Wetterbehörde NOAA am Dienstag.

Ein Sprecher der Katastrophenschutzbehörde auf Samoa sagte dem neuseeländischen Rundfunk, dass mehrere Häuser beschädigt wurden. Zunächst wurde eine Tsunami-Warnung für zahlreiche Südseestaaten wie Tonga, Tuvalu, Kiribati, die Salomonen-Inseln und Neuseeland verhängt, die inzwischen jedoch vom Pazifik-Warnzentrum der USA wieder aufgehoben wurde. Von den betroffenen Regionen lagen zunächst keine Angaben über Schäden vor. Vielen Menschen war rechtzeitig die Flucht gelungen, nachdem sie über SMS gewarnt worden waren.

Radiobericht spricht von mindestens 19 Toten

Laut einem Bericht von Radio Neuseeland, das sich auf Angaben des Außenministeriums von Samoa beruft, hat der Tsunami dort mindestens 19 Todesopfer gefordert. Demzufolge starben 14 Menschen in dem zu den USA gehörenden Teil des Inselstaates. Fünf weitere Menschen seien in Westsamoa ums Leben gekommen. Eine noch unbekannte Zahl an Menschen sei durch die Flutwelle ins Meer gespült worden.

Auch der deutsche Honorarkonsuls auf Samoa will von Todesopfern erfahren haben. "Hier war die Rede von toten Schulkindern", berichtete Arne Schreiber aus Apia am Telefon. Auch im Norden des Inselstaates sei das Beben stark zu spüren gewesen. Die Erschütterungen hätten etwa 20 Sekunden gedauert. Sein ganzes Haus habe sich bewegt.

Ein Sprecher der Feuerwehr auf Samoa sprach im neuseeländischen Rundfunk ebenfalls von drei getöteten Schulkindern in Falealili. Ein neuseeländischer Augenzeuge berichtete, das Dorf Sau Sau sei von der Flutwelle zerstört worden. "Es ging alles ganz schnell", berichtete Graeme Anselt nach Angaben des Rundfunks. "Kein Haus steht mehr, wir sind alle auf die Hügel gerannt."

Nicht die Ausmaße wie die Katastrophe von 2004

Radio Neuseeland berichtete, dass mehrere Dörfer auf tief gelegenen Inseln zerstört wurden. Ein Mitarbeiter des Fernsehsenders TVNZ war in Samoa am Strand, als das Erdbeben passierte. Tony Manson sah den Tsunami nach eigenen Angaben, berichtete der Sender auf seiner Website. Das Meer habe sich zuerst zurückgezogen und sei dann innerhalb von wenigen Sekunden mit Macht über die Küste hereingebrochen. Mehrere Dörfer seien überschwemmt worden. Einwohner suchten nach ihren Angehörigen. Manson berichtete, dass er mit anderem zusammen vom Strand weg auf höheres Terrain gerannt war.

Am 26. Dezember 2004 hatte ein Tsunami nach einem schweren Beben vor der indonesischen Insel Sumatra 230.000 Menschenleben gefordert. Die Flutwelle breitete sich über tausende Kilometer im Indischen Ozean aus und zerstörte Küstenregionen in Indonesien, Sri Lanka, Indien, Thailand und auf den Malediven.

Nach Einschätzung von Seismologen hat das Beben vor Samoa bei weitem nicht die Ausmaße der Naturkatastrophe vor fünf Jahren erreicht. Beim Tsunami 2004 verwüsteten bis zu fünf Meter hohe Flutwellen ganze Küstenstreifen in Südostasien. Bei dem Beben vor Sumatra waren Stärken bis 9,4 gemessen worden.

Eine der aktivsten Erdbebenregionen der Welt

Das Beben ereignete sich um 19.48 Uhr MESZ. Das entspricht 6.48 Dienstag Ortszeit. Das Epizentrum lag rund 200 Kilometer südwestlich von Samoa, 2600 Kilometer nordöstlich von Neuseeland.

Die Region bei Samoa und im Tonga-Graben gehört zu den aktivsten Erdbebenregionen der Welt. "Das ist nichts Ungewöhnliches. In dem Bereich gibt es weit über 80 Prozent aller weltweiten Beben", sagte der Leiter der Erdbebenstation der Universität Köln, Professor Klaus- G. Hinzen. "Es war ein sehr flaches Beben", sagte Rainer Kind, Leiter der Sektion Seismologie am Deutschen GeoForschungsZentrum (GFZ) in Potsdam. "Tsunamis, die von einem Beben der Stärke 8 ausgelöst werden, breiten sich normalerweise nicht über einen gesamten Ozean aus."

Augenzeugen schilderten dramatische Szenen. "Hier ist überall Panik entstanden, weil die Kinder auf dem Weg zur Schule und die Menschen auf dem Weg zur Arbeit waren", sagte ein Korrespondent aus Apia dem neuseeländischen Rundfunk.

Samoa ist ein Inselstaat im südwestlichen Pazifik. Der Westteil der Insel war früher eine deutsche Kolonie. Der Ostteil gehört zu den USA. Auf den Inseln leben insgesamt rund 240.000 Menschen. Der unabhängige Staat Samoa machte zuletzt Anfang September Schlagzeilen, als die Regierung gegen den Protest der Bevölkerung von Rechts- auf Linksverkehr umstellte. Die Inseln liegen auf halbem Wege zwischen Hawaii und Neuseeland. Das Gebiet umfasst rund 3000 Quadratkilometer mit zwei Hauptinseln und acht kleineren Inseln. 99 Prozent der Einwohner leben auf den Hauptinseln Upolu mit der Hauptstadt Apia und Savai'i.

DPA/AP / AP / DPA