VG-Wort Pixel

Orlando-Massaker So wohnte Attentäter Omar Mateen

Vor der Tür parkt ein Toyota, das Badezimmer ist ein Star-Wars-Universum und überall Bilder von Vater, Mutter und Kind. Der stern hatte Zugang zu dem Haus, in dem Orlando-Attentäter Omar Mateen in Florida lebte.
Von Norbert Höfler, Fort Pierce, Florida

Stewen Paterson trägt ein weißes T-Shirt mit US-Flagge. Er ist ziemlich außer Atem, weil es tagsüber heiß und feucht wie im Tropenhaus war, joggt er nachts. Es ist kurz vor Mitternacht. Er kommt die Zephyr Avenue entlang mit ihren riesigen Palmen und den schon ein wenig verwilderten Gärten. An vielen Häusern sind die Sonnenmarkisen alt und zerschlissen. Das Viertel gilt als gute Arbeitergegend, keine Kriminalität, ruhige Nachbarn. Stewen sagt stolz: "Hier muss keiner seine Haustüren abschließen."

In der Nachbarschaft sah es aus wie im Krieg

An der Ecke zur 19. Straße hat ein Anwohner sogar sein weißes Motorboot auf einem Anhänger in der Einfahrt abgestellt. Mit geschwungener Schrift steht "Key Largo" darauf. Ein paar Muscheln kleben am Rumpf. Ein anderer stellte ein Sofa und Schaukelstühle in die Einfahrt, von wo aus er mit Freunden den FBI-Agenten bei der Arbeit zusehen kann. Stewen weiß, dass er seine übliche Runde in dieser Nacht nicht laufen kann. Die 19. Straße wurde in der Höhe der Woodland Condumiums mit gelbem Tatortband abgesperrt. Ein Ford Crown Vict mit Rammspoiler steht quer über beide Fahrspuren. Das grelle Blaulicht blinkt unablässig. 

Seit dem Vormittag durchsuchen FBI-Agenten die Wohnung, den Parkplatz davor, die ganze Gegend. Stewen war Augenzeuge wie Männer des SWAT-Teams nach Sprengfallen suchten, mit denen der Täter vielleicht noch mehr Menschen in den Tod reißen wollte. Stewen sagt: "Es sah aus wie Krieg." Die Spezialeinheit fand nichts. Spät am Sonntagabend, fast genau 24 Stunden nach der Mordtat in Orlando öffneten die Beamten dann auch die Wohnung mit der Nummer 107. Hier lebte Omar Mateen. Nachbarn sahen ihn öfter joggen. Stewen sagt: "Er lebte sehr unauffällig und zurückgezogen." Von hier aus startete er am Samstagnachmittag mit einem Mietwagen nach Orlando. Zum Morden.

Testosteron neben iPad und Bankauszügen

Am Montagmittag rollen die FBI-Beamten das Absperrband ein. Die kriminaltechnischen Untersuchungen sind abgeschlossen. Die Ermittler sicherten DNA-Spuren. Vor allem interessierten sie sich für die Computer des Mörders. Fotos wurden gemacht. Beschlagnahmte Gegenstände wurden akribisch katalogisiert. Darunter ein Apple iPad, ein Samsung Smartphone, ein Dell-Computer, ein Keyboard mit Mouse, eine schwarze Nikon Kamera DS 300, eine Canon SX 170. Auch Bankauszüge wurden sichergestellt, zwei große Medikamentenpackungen mit Testosteron, drei Holster für Handfeuerwaffen, sieben Bücher mit religiösem Inhalt, Briefe und Dokumente und so weiter.

Der stern erhielt Zugang zu Fotos aus der Wohnung des Täters. Omar Mateen lebte hier mit seiner Frau, die aus Palästina stammt und seinem drei Jahre alten Sohn. Er muss ihn wohl geliebt haben. Im Wohnzimmer, Schlafzimmer und Küche hängen Fotos, die Vater, Mutter und Sohn zeigen. Beim Spielen, bei Ausflügen. Sie waren eine fröhliche Familie, zumindest zeigen dies die Fotos. Die Eltern waren stolz auf ihren Jungen. An den Wänden hängen Kinderzeichnungen. Das Zimmer des Jungen steht voller Spielsachen.

Das Badezimmer - ein Star-Wars-Universum

Im Wohnzimmer vor dem Hinterausgang zum Gemeinschaftsgarten der Wohnanlage mit Teich auf dem Enten schwimmen, hatte sich Mateen eine Ecke für Langhanteln freigeräumt. Hier trainierte er. Fotos zeigen auch das Schlafzimmer des Paares. Vor dem Fenster steht ein gewaltiger Schminktisch. Er ist mit Fotos, Andenken und einem Dutzend Parfumflakons vollgestellt. Auf dem Bett liegen ein Koran und das Buch "Being Palestinian makes me Smile."

Auf dem Küchentisch liegen zwei Brote, noch eingepackt. Der Kühlschrank klebt voller Sticker und kleiner Fotos. Wieder sind es Bilder einer glücklichen Familie. Das Badezimmer wurde mit Figuren aus Star Wars dekoriert. Der Duschvorhang ist mit einem riesigen Darth Vader bedruckt. Sogar der Vorleger vor der Toilette zeigt die dunkle Seite der Macht. Nur das kleine gelbe Gummientchen auf dem Rand der Badewanne passt nicht ins Star-Wars-Universum.

Auf dem Parkplatz vor der Tür steht das Auto des Täters, ein Toyota Camry CE. Auch der Wagen wurde durchsucht. Das FBI fand darin eine Pistole. Die Sonnenbrille des Täters liegt noch in der Konsole. Auf dem Kofferraumdeckel klebt ein Nasa-Sticker. Cape Canaveral ist nur eine Autostunde entfernt. Auf dem Nummernschild steht "Marine Corps". Der Täter wäre wohl gern Elitekämpfer oder zumindest Polizeibeamter geworden. Das gaben Bekannte und Arbeitskollegen von ihm zu Protokoll.

Fotos zeigen Mateen mit NYPD-Shirts

Omar Mateen posiert gern auf Selfies mit einem T-Shirt der New Yorker Polizei (NYPD). Er wäre wohl gern ein richtiger Polizeibeamter geworden. Vorstrafen hatte er keine. Aber er war auffällig geworden. Er schlug und verletzte seine erste Frau. Und vom FBI wurde er in den vergangenen Jahren zwei Mal verhört. Zuletzt wegen seines Kontakts zu dem Selbstmordattentäter Abu Salha. Er war der erste US-Amerikaner, der sich al-Kaida angeschlossen hatte und in Syrien bei einem Anschlag in die Luft sprengte. Er lebte keine Meile von Mateen in Fort Pierce entfernt. Die beiden Männer besuchten das gleiche College.

Ein Foto bleibt besonders in Erinnerung: Es zeigt Vater, Mutter und Sohn, darüber steht der Spruch "HOME where the happiest MEMORIES are made." Omar Mateen tötete 49 Menschen.

Die USA im Schockzustand - was das Orlando-Attentat für die Präsidentenwahl bedeutet


Mehr zum Thema



Newsticker