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Interview

Terror-Experte Bergen: Radikalisierung am Smartphone

Erreicht der islamistische Terror mit dem Anschlag in Orlando die USA? Eher nicht, sagt US-Terrorexperte Peter Bergen im stern-Interview. Das Problem seien eher "einsame Wölfe" und die Möglichkeit, sehr einfach an tödliche Waffen zu kommen.

Peter Bergen gehört zu den bekanntesten Terrorismus-Experten in den USA. Seit er Mitte der 1990er Jahre als erster westlicher Journalist Osama bin Laden interviewte, beschäftigt er sich mit dem islamistischen Terrorismus, seine Filme und Bücher sind preisgekrönt

Peter Bergen gehört zu den bekanntesten Terrorismus-Experten in den USA. Seit er Mitte der 1990er Jahre als erster westlicher Journalist Osama bin Laden interviewte, beschäftigt er sich mit dem islamistischen Terrorismus, seine Filme und Bücher sind preisgekrönt

Herr Bergen, beinahe 15 Jahre sind seit dem 11. September 2001 vergangen. Die USA wurden von größeren Anschlägen verschont. Hat der Terror des sogenannten Islamischen Staates die USA jetzt erreicht?

Es gibt, bei aller Tragik des Anschlages in Orlando, eine gute Nachricht: Ein Anschlag wie 9/11 oder wie in Paris oder Brüssel scheint in den USA heute nur sehr schwer möglich. Als Ziel sind die USA heute viel schwerer zu treffen. Auf den "No-Fly-Listen" der US-Behörden stehen heute 47.000 Menschen, und eine weitere Million werden überprüft, wenn sie in die USA einreisen wollen. Wir geben heute 80 Milliarden Dollar für Geheimdienstarbeit und Aufklärung aus; und wir haben mit der 'Gemeinsamen Terrorismus-Task-Force' endlich auch eine Behörde, die Informationen zusammenführt. In gewisser Weise haben die USA ihre Hausaufgaben gemacht. Islamistischer Terror stelle keine existentielle Bedrohung für die Vereinigten Staaten dar. Man darf die keinesfalls verharmlosen: Aber das Risiko, bei einem Anschlag durch Rechtsextreme zu sterben, ist statistisch ungefähr gleich groß.

Peter Bergen

Peter Bergen gehört zu den bekanntesten Terrorismus-Experten in den USA. Seit er Mitte der 1990er-Jahre als erster westlicher Journalist Osama bin Laden interviewte, beschäftigt er sich mit dem islamistischen Terrorismus, seine Filme und Bücher sind preisgekrönt.

Doch der Anschlag von Orlando war der  größte und tödlichste Terroranschlag seit 9/11, er hatte möglicherweise einen islamistischen Hintergrund. Fast jeder dritte Besucher der Diskothek wurde getötet oder verletzt.

Ja, und das ist die schlechte Nachricht: Noch nie gab es so viele Anklagen wegen islamistischem Terrorismus wie im vergangenen Jahr - mehr als 900. Die meisten haben mit dem sogenannten Islamischen Staat IS zu tun. Und Orlando zeigt die eigentliche Gefahr, mit der wir es zu tun haben: In den vergangenen 15 Jahren wurde jeder terroristische Anschlag von einem amerikanischen Staatsbürger oder dem Inhaber einer dauerhaften Aufenthaltsberechtigung begangen. Omar Mateen war ein US-Bürger wie Abermillionen anderer US-Bürger auch, Sohn von Einwanderern, in New York geboren, in den USA zu Schule gegangen. Unser Problem sind weniger Terrorkommandos als vielmehr sogenannte "hausgemachte" Terroristen. Das macht es für die Behörden so schwer, sie zu auszumachen und zu stoppen.

"Einsame Wölfe" nennt man die.

Sie sind gefährlich, aber nicht in der Lage, große Terroranschläge zu verüben, dafür fehlt ihnen Planung, Ausbildung und Infrastruktur. In Orlando mussten so viele Menschen sterben, weil Omar Mateen Zugang zu Waffen hatte, weil es in unserem Land so einfach ist, viel zu einfach, so furchtbar tödliche Waffen zu kaufen, Schnellfeuergewehre.

Es gehört offenbar zur Strategie des IS, die Grenzen zwischen Anschlägen, die von Mitgliedern des IS geplant und ausgeführt werden und solchen, die von Sympathisanten durchgeführt werden, zu verwischen. Es reicht, wie in Orlando, auch im letzten Moment dem IS die Treue zu schwören - und schon wird man als "Löwe" und "Märtyrer" des Dschihad gefeiert.

Der IS radikalisiert Amerikaner, die an ihrem Computer sitzen oder Propaganda auf ihre Smartphones laden. Man muss gar nicht mehr nach Syrien oder in den Irak reisen, um indoktriniert zu werden. Der IS richtet sich gezielt an englischsprachige Menschen und ermuntert sie, Anschläge in Ländern wie den USA auszuüben. Im vergangenen Jahr veröffentlichte er sogar eine Broschüre, eine Art Anleitung für das Leben als "geheimer Agent". Man informierte über Verschlüsselungsprogramme und empfahl sogar, Filme wie "Jason Bourne" anzuschauen, um möglichen Verfolgern zu entkommen.

Doch Omar Mateen war den Behörden bekannt. Gegen ihn wurde offenbar gleich zweimal wegen islamistischer Tendenzen ermittelt. Und er hatte wohl auch Kontakt zu einem Terroristen in Syrien, auch der US-Staatsbürger. Also doch kein "einsamer Wolf"?

Fast alle Attentäter der vergangenen Jahre waren dem FBI bekannt, ihre radikalen Ansichten, ihre möglichen Verbindungen zu Islamisten außerhalb der USA. Aber es fehlte an Beweisen für eine Festnahme oder eine Anklage. Sicher wird bald eine Untersuchungskommission eingesetzt, die die Hintergründe des Attentats von Orlando klären wird. Und im Unterschied zu Europa, von wo aus Tausende nach Syrien reisten und Terror-Training des IS erhielten, waren es höchstens einige Dutzend Amerikaner, die von islamistischen Terrorgruppen in Syrien ausgebildet wurden. Nur sieben kehrten in die USA zurück. Von ihnen sitzen sechs im Gefängnis. Der siebte starb später bei einem Selbstmordattentat in Syrien.


Genau der Mann, zu dem der Orlando-Attentäter Kontakt hatte.

Ja, zwar gehörte der nicht zum IS, sondern zur islamistischen al-Nusra-Front. Aber es gibt durchaus Kontakte zwischen Radikalisierten in den USA und dem IS. Der Anschlag in Garland, Texas ist ein Beispiel dafür.

Im Mai 2015 eröffneten zwei Männer das Feuer auf Teilnehmer eines Zeichenwettbewerbs zu Mohammed-Karikaturen. Die beiden Terroristen wurden vom Sicherheitspersonal erschossen, bevor sie Menschen töten konnten.

Die Attentäter von Garland  hatten mehr als 100 verschlüsselte Botschaften mit dem IS ausgetauscht. Diese so genannten "gemischten" Anschläge sollten uns große Sorgen bereiten - in den USA, aber vielleicht mehr noch in Europa mit all' den Rückkehrern und ausgebildeten Terror-Kommandos, die offenbar über Monate Anschläge planen. Ich würde das Terror-Risiko für Europa heute viel höher einschätzen als für die USA.

Barack Obama hatte den IS mit einer zweitklassigen Mannschaft verglichen. Hat der US-Präsident die Gefahr unterschätzt, die vom IS ausgeht und damit die USA und die Welt unsicherer gemacht?

Zweifelsohne war es eine Fehleinschätzung. Denn während sich al Kaida als eine Elite-Organisation verstand, eine Art Harvard des Terrorismus und nur 200 Mitglieder hatte, ist der IS wie eine große öffentliche Schule. Jeder kann mitmachen; wir kennen allein 46.000 Twitter-Accounts, die irgendwie im Zusammenhang mit dem IS stehen.

Obama führt den Krieg gegen den Terror vor allem mit Spezialkommandos und Drohnen. In Obamas Drohnenkrieg starben Tausende.

Das mag man kritisieren. Aber niemand in den USA; auch Donald Trump nicht, wird Bodentruppen in den Irak oder nach Syrien schicken, um dort gegen den IS zu kämpfen. Die Mehrheit der Amerikaner ist dagegen. Auch in kommenden Jahr, unter einer neuen Präsidentin oder einem neuen Präsidenten, wird die Strategie im Prinzip die gleiche sein: Spezialkommandos, Drohnen, Austrocknung der Finanzquellen. Wir können vom IS kontrollierte Städte auch nicht mit Bombenteppichen belegen. Auch wenn Donald Trump hundertmal fordert, dass man den IS nun in Schutt und Asche bomben sollte. Wir sind nicht mehr im Zweiten Weltkrieg, in Dresden, 1944.

Wird Donald Trump politisch von Orlando profitieren? Er fordert ja schon den Rücktritt von Obama.

Ja. Seine Forderung nach harten Maßnahmen wird weiter Gehör finden. Und allein die Tatsache, dass die Wahlkämpfe der beiden Kandidaten nicht unterbrochen wurden - wie es früher bei solchen Tragödien immer der Fall war, weist darauf hin. Früher haben wir auch durch gemeinsame Trauer eine gewisse Einigkeit gezeigt. Das ist offenbar vorbei.

Ein Land im Schockzustand - die USA nach dem Orlando-Massaker


Interview: Katja Gloger
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(