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Seilbahnunglück: Neun Deutsche sterben bei Gondelabsturz

Im österreichischen Sölden sind beim Absturz einer Seilbahngondel neun Menschen ums Leben gekommen. Sämtliche Opfer waren Deutsche.

Tragisches Gondelunglück am Alpengletscher: Beim Absturz einer Seilbahn, die von einem riesigen Betonkübel getroffen wurde, sind in Tirol neun Menschen in den Tod gerissen worden. Nach Angaben von Augenzeugen hatte ein Transporthubschrauber in den Ötztaler Alpen auf dem Flug zur Bergstation oberhalb von Sölden den etwa 750 Kilogramm schweren Behälter verloren. Er stürzte aus rund 300 Metern Höhe ab und traf eine Gondel direkt.

Bei den Opfern handelte es sich um jugendliche Skiläufer aus Deutschland. Eine Jugendgruppe des Deutschen Alpenvereins sei mit der Seilbahn auf dem Weg zum Skitraining gewesen. Eine Bestätigung dafür gab es zunächst nicht. Vermutlich sieben Menschen erlitten zum Teil schwere Verletzungen. Durch die Wucht des Aufpralls wurde die Kabine aus ihrer Verankerung gerissen und stürzte etwa 50 Meter in die Tiefe, wo sie auf felsigem Grund aufschlug. Das Tragseil geriet in heftige Schwingungen, so dass Fahrgäste aus zwei anderen Kabinen herausgeschleudert wurden. Die Abgestürzten waren nach Auskunft von Notärzten auf der Stelle tot.

Der Transporthubschrauber war auf dem Weg zu einer Baustelle an der Bergstation der Seilbahn, als sich ein großer, mit Beton beladener Metallbehälter aus der Verankerung löste. Der Helikopter stammt aus der Flotte des Salzburger Transportunternehmens Knaus, das in den vergangenen Jahren durch mehrere Unfälle Aufsehen erregte.

Notruf aus einer Gondel

Um 13.15 Uhr erreichte die Leitstelle des Bundeslandes Tirol der erste Notruf. "Der Anruf kam von einem Augenzeugen über Handy aus einer Gondel, die nicht von dem Unglück betroffen war", berichtete der stellvertretende Leistellenchef Herbert Supper der dpa. "Wir haben sofort alle verfügbaren Kräfte alarmiert." Die Unglücksstelle befand sich nach Worten Suppers in rund 2800 Metern Höhe im Schnee, wo nur Hubschrauber landen konnten. Die Schwerverletzten wurden in die Universitätsklinik nach Innsbruck geflogen. Zwölf Rettungshubschrauber, 60 Sanitäter und sechs Notärzte waren im Einsatz. Bis zum Nachmittag waren alle Passagiere aus den noch am Seil hängenden Kabinen geborgen. Auf dem Gletscher herrschte am Unglückstag Sommerskibetrieb bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel.

Die Seilbahn auf die 3.309 Meter hohe Schwarze Schneid am Tiefenbachferner war bereits im vergangenen Jahr Schauplatz eines spektakulären Unfalls. Am 14. November hatte sich das Steuerseil der Bahn mit einer leeren, talwärts fahrenden Gondel verfangen. Eine Kabine war daraufhin abgestürzt. In der Folge mussten 113 Fahrgäste, darunter viele Deutsche, in etwa 50 Metern bei starkem Frost mehrere Stunden in ihren Gondeln warten, bis sie schließlich abgeseilt werden konnten. Zwei Mitarbeiter der Bahn wurden später vom Dienst suspendiert. Das Unglück in Tirol ist der zweite Seilbahn-Absturz, bei dem ein Fluggerät beteiligt ist. Im Februar 1998 hatte bei Cavalese in den italienischen Dolomiten ein US-Militärjet das Tragseil einer Gondelbahn mit der Heckflosse durchtrennt. Die Kabine stürzte 80 Meter in die Tiefe. Alle 20 Insassen, unter ihnen acht deutsche Skiurlauber, starben. Der Militärjet war unerlaubt im Tiefflug geflogen. Im April 2000 akzeptierten die Hinterbliebenen einen Schadenersatz von 40 Millionen Dollar (2 Millionen je Opfer).

Christian Fürst/DPA / DPA